Vorlage an den Landrat

1 Grobkonzept WAN


1.1 Layout


Das Neue Kantonale WAN besteht aus einem Backbone (6) und aus Aussenstandorten. Die Backbonestandorte zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf jeden Fall mit Glasfasern erschlossen sind. Es wird von sieben Backbonestandorten ausgegangen.


Abbildung 1: Layout (schematisch)




1.2 Backbone


1.2.1 Glasfaser-Infrastruktur


Im gesamten Backbone steht eine Glasfaserinfrastruktur zur Verfügung. Auf jeder Verbindung werden zwei Glasfasern benötigt (ein Faserpaar). Die Fasern sind Monomode-Fasern guter Qualität. Sie werden von einem oder mehreren Partnern (z. B. Tiefbauamt, EBM) zur Verfügung gestellt und müssen bis in das Gebäude, in dem der Switch steht, geführt werden. Dort werden sie auf ein optisches Patch Panel geführt und mit E2000-Steckern abgeschlossen.


1.2.2 High-speed-switches


Im Backbone sollen High-speed-switches der neusten Generation zum Einsatz kommen. Diese Switches können rahmenbasiert (wie Ethernet) oder zellenbasiert (wie ATM) funktionieren oder beide Funktionsarten unterstützen. Die Switches müssen die folgenden Eigenschaften erfüllen:


- Layer 3-Switching [L3]


Jeder Switch im Backbone ist ein so genannter Layer-3-Switch oder Routing-Switch, welcher auch die volle Funktionalität eines Routers unterstützt, dabei aber eine wesentlich höhere Geschwindigkeit erreichen kann.


- Trennung von Benutzergruppen


Die Switches müssen eine Trennung zwischen Benutzergruppen ermöglichen, die mindestens so sicher ist wie die heutige Trennung auf Basis von Frame-Relay.


1.2.3 Bandbreiten


Die Switches im Backbone sollen über 622 Mbit/s bzw. 1 Gigabit/s vollduplex miteinander verbunden werden.




1.3 Aussenstandorte


1.3.1 Art des Anschlusses


Es sind vier Varianten denkbar, wie Aussenstandorte an den Backbone angeschlossen werden können:


a) Konventionell über Mietleitungen (n*64 kbit/s gemäss Swisscom-Tarifierung)


b) Konventionelle Modems über eigene oder gemietete "blanke" Kupferleitungen


c) Über Glasfaser


d) Über alternative Local Loop-Technologien




a) Anschluss über Mietleitungen


Der Anschluss der Aussenstandorte über Mietleitungen entspricht der heute vorherrschenden Lösung. Der Vorteil dieser Lösung liegt darin, dass sie überall verfügbar ist (jeder Standort ist über Mietleitungen erreichbar). Der Nachteil ist der hohe Preis der Mietleitungen.


Ein Standort, der über Mietleitungen erreicht wird, sieht auch im "neuen kantonalen WAN" gleich aus wie heute: Die Verbindung zu den lokalen Netzen (LANs) des Aussenstandortes wird durch einen Router vorgenommen. Zusätzlich ist am Backbone-Standort ein Router vorzusehen, welcher die Umsetzung auf niedrige Bandbreiten vornimmt.


In den nächsten Jahren wird der Anschluss über Mietleitungen noch immer die häufigste Art der Anbindung sein.




b) Eigene Modems über "blanke" Kupferleitungen


Auch dieser Ansatz wird heute schon praktiziert. Die Modems werden dabei durch das AfI beschafft und betrieben. Dieser Ansatz ist dort möglich, wo eigene Kupferleitungen benutzt werden können oder "blankes" Kupfer von der Swisscom gemietet werden kann (letzteres ist nur zwischen zwei Standorten möglich, die an dieselbe Swisscom-Zentrale angeschlossen sind).




c) Anschluss über Glasfasern


Es macht Sinn, einen Aussenstandort mittels Glasfasern an den Backbone anzubinden, falls


- sowieso schon Glasfasern an diesen Ort vorhanden sind und diese günstig gemietet werden können;


- der Aussenstandort einen sehr hohen Bandbreitenbedarf hat.


Kann ein Aussenstandort über Glasfasern erschlossen werden, so würde dort ebenfalls ein (kleiner) High-speed-switch zum Einsatz kommen.




d) Alternative Local Loop-Technologien


Unter "Local Loop" oder "letzte Meile" versteht man den Teil des Netzwerks zwischen dem nächsten Netzknoten und der Hauseinführung. In der Vorstudie befindet sich eine Betrachtung diverser Local Loop-Technologien. Realistisch für das Neue Kantonale WAN sind:


- xDSL (7) über Kupferleitungen (eigene oder gemietete)


- drahtlose Lösungen


- Anschluss mit Kabelmodem an das Kabelfernsehnetz


xDSL ist dann geeignet, wenn ein Aussenstandort hohen Bandbreitenbedarf hat, aber nicht über Glasfasern erreichbar ist. Mit xDSL lassen sich Bandbreiten um die 2 Mbit/s über Distanzen bis zu 8 Kilometern erreichen. Da diese Technologie relativ teuer ist, dürfte sie höchstens punktuell zum Einsatz kommen.


Drahtlose Lösungen sind heute in bestimmen Situationen bereits einsetzbar (vor allem über kurze Distanzen, wenn Sichtverbindung besteht). In Zukunft ist je nach Entwicklung der Wireless-Local-Loop-Provider ein grossflächiger Einsatz denkbar.


Der Anschluss über Kabelmodems ist dann ein sehr vielversprechender Ansatz, der unbedingt weiterzuverfolgen ist, wenn EBM als Partner des Kantons Basel-Landschaft für die Übertragungsmedien ausgewählt würde. EBM hat mit der Tele Weiser AG einen in der Region bedeutenden Betreiber von Kabelfernsehnetzen aufgekauft. Wenn es EBM gelingt, im lokalen Kabelfernseh-Markt Fuss zu fassen (beispielsweise durch Kauf von Kabelfernseh-Netzen), so wird dies eine reelle Alternative zu den Swisscom-Mietleitungen darstellen.


Der Entscheid, welche Technologie an welchen Standorten eingesetzt wird, ist von folgenden Kriterien abhängig:


- Wirtschaftlichkeit der Lösung (Kosten pro Bandbreite)


- Einheitlichkeit der Lösung (nicht zu viele verschiedene Technologien im Kantonsnetz)


- Technologische Entwicklung (diese könnte in den nächsten Monaten sehr rasch vor sich gehen, vor allem im Bereich Wireless Local Loop und Kabelmodem)




1.3.2 Bandbreiten


- In Variante a) (Mietleitungen) sollen wie bis anhin Bandbreiten zwischen 64 und 256 (max. 512) kbit/s vorkommen.


- In Variante b) (Glasfasern) kommen 1 Gigabit/s, 622 Mbit/s oder 155 Mbit/s in Frage (8) .


- Variante c) (Kabelmodem) lässt Bandbreiten bis ca. 2 Mbit/s zu.



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Fussnote:


6 . In Anlehnung an die gängige Terminologie werden die Hauptstandorte als Backbone bezeichnet, dürfen jedoch nicht mit dem "Backbone" des MAN im Gebiet Liestal verwechselt werden.


7 . xDSL steht stellvertretend für verschiedene D igital S ubscriber L ine-Technologien


8 . In der Ethernet-Technologie ist 100 Mbit/s über Glasfasern nur unwesentlich günstiger als 1 Gigabit/s und wird deshalb nicht betrachtet.