Vorlage an den Landrat

2.2 Sofortmassnahmen 2000


2.2.1 Aufrüsten des Sturmholzes


Die vom Regierungsrat verfolgte Strategie beabsichtigte, die nicht zerstörten Waldbestände vor drohenden Folgeschäden zu schützen und die durch den Orkan Lothar zerstörten Wälder und in Mitleidenschaft gezogenen Infrastrukturanlagen wiederherzustellen.


Der Regierungsrat hat bereits kurze Zeit nach dem Ereignis rückwirkend auf den 1. Januar 2000 eine befristete Schlagsperre für Holznutzungen erlassen. Damit sollte vermieden werden, dass durch normale Holznutzungen ein noch zusätzlicher Preisdruck entstünde. Ausserdem sollte das Forstpersonal für die Aufrüstung des Sturmholzes zur Verfügung stehen. Die Schlagsperre konnte am 30. Juni 2000 wieder aufgehoben werden.


Im Grundsatz ist die Waldbewirtschaftung Sache der Waldeigentümer und es liegt in deren Kompetenz zu entscheiden, ob Sturmholz genutzt oder liegen gelassen werden soll. Empfehlungen über das Liegenlassen, respektive das durchdachte Nutzen des Sturmholzes zum richtigen Zeitpunkt, wurden durch die Regierung am 10. Januar 2000 an alle Einwohnergemeinden, Bürgergemeinden und Förster versandt. Zur Erhaltung der Gesundheit der Bäume wurde die Nutzung von sturmgeschädigten Nadelholzbeständen empfohlen, um Massenvermehrungen durch Borkenkäfer so gut als möglich entgegenzuwirken. Die zuständigen Kreisforstingenieure und Förster haben bei Begehungen in Erholungsgebieten und nahe an Waldstrassen Massnahmen zur Behebung von Gefahren für Menschen festgelegt. Die Gewährleistung der Sicherheit für die Bevölkerung wie auch für das Forstpersonal war von grösster Bedeutung. Die zur Erreichung der genannten Ziele notwendigen, defizitären Massnahmen sollten abgegolten werden.


Erschwerte Holzerei und Wertverminderung beziehen sich auf das am Boden liegende Holz zum heutigen Zeitpunkt. Der vorzeitige Abtrieb ist jedoch ein Teil des Gewinnes, der bei der Ernte im richtigen Zeitpunkt in 10, 20 oder 30 Jahren erzielt würde. Da der Schaden sofort abgerechnet wird und die Entschädigung nicht erst im richtigen Zeitpunkt der Ernte ausbezahlt wird, ist sie als kapitalisierte Rente zu betrachten, von der die Waldbesitzer die reduzierten Erträge der künftigen Jahre decken müssen.




Beiträge des Kantons an das defizitäre Aufrüsten des Sturmholzes


Der Sturm Lothar hat im Kanton Basel-Landschaft 204'615 m 3 Holz geworfen oder gebrochen. Es gibt Gründe, die für das Liegen lassen von Sturmholz an geeigneten Orten sprechen, aber auch diverse Gründe, die das Aufrüsten von Sturmholz rechtfertigen. Rund 10% des Sturmholzes bleiben in den Wäldern des Kantons liegen, sie bilden zusätzliche attraktive Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Aus gesundheitlichen Gründen wurde die Nutzung von durch den Sturm "Lothar" geschädigten Nadelholzbeständen empfohlen, um einer möglichen Massenvermehrung von Borkenkäfern optimal entgegenzuwirken. Die unter grossem Einsatz des Forstpersonals effizient durchgeführte Aufrüstung des Nadelholzes machte es möglich, dass im Kanton Basel-Landschaft im Jahr 2000 nur Borkenkäferschäden im üblichen Umfang auftraten. Das durch den Sturm Lothar in grossen Mengen angefallene Brutmaterial für den Borkenkäfer wurde durch den Forstdienst auf ein Minimum reduziert.


Viele Wälder des Kantons dienen als Erholungsgebiete, entsprechend mussten in diesen Gebieten spezielle Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung unternommen werden. Bei Begehungen legten Förster gemeinsam mit dem kantonalen Forstdienst Massnahmen zur Behebung von Gefahren für Menschen fest. Die Gewährleistung der Sicherheit für die Bevölkerung wie auch für das Forstpersonal ist von grösster Bedeutung.


Der Bund subventioniert gemäss Kreisschreiben Nr. 9 der Eidgenössischen Forstdirektion vom 8.12.1997 nur defizitäre Massnahmen. Die durchschnittlichen Aufwendungen für die Holzereiarbeiten lagen im Kanton bei 80.- Fr./m 3 , die durchschnittlichen Holzerlöse bei 60.- Fr./m 3 , d.h. 25% der Kosten sind nicht abgedeckt. Die Sturmholzerei war demzufolge grösstenteils defizitär. Da der Kanton Basel-Landschaft jedoch beim Bund als finanzstarker Kanton gilt, müsste das minimale Defizit aus dem Aufrüsten des Sturmholzes 34% betragen und nicht 25%. Damit entfallen Bundessubventionen, obschon ein nicht zu verachtendes Defizit je Kubikmeter Holz anfiel. Für das Defizit gibt es verschiedene Ursachen:


In den Kantonen Zürich und Aargau konnten durch das grossflächige Anfallen von Sturmholz und die mehrheitlich ebene Lage die meisten Gebiete mit grossen Forstmaschinen aufgerüstet werden. Dort waren die Holzhauereikosten wesentlich niedriger. Durch die grossen Mengen zogen sie auch interessante Käufer an, die das Sturmholz direkt ab Stock kauften, die Rechnung für die Waldbesitzer fiel somit meist positiv aus. In diesen Kantonen wird die Sturmholzerei nicht, respektive nur in sehr geringem Umfange subventioniert. Im Gegensatz zu diesen Kantonen subventioniert der Kanton Zug, auch ein finanzstarker Kanton, rund 3/4 der Windwurfmenge aus Gründen der Walderhaltung, der Sicherheit von Menschen oder Sachwerten oder aus sonstigen wichtigen Gründen. Pro Kubikmeter Holz erhalten die Waldbesitzer im Kanton Zug rund 26 Franken.


Für die Abgeltung der Sturmholzerei wurden relativ geringe Pauschalansätze festgelegt. Entsprechend der definierten Zielsetzungen sollen einzig für die Aufrüstung im Nadelholz (Borkenkäfer) und zur Beseitigung von Gefahren für Menschen Abgeltungen ausbezahlt werden. Die Leistungen wurden aufgrund des Aufwandes abgestuft nach der Neigung und des Ausmasses des Schadens. Leistungen werden nicht doppelt abgegolten, das heisst es gibt keine Beiträge an vorzeitigen Abtrieb, erschwerte Holzerei und Mindererträge. Es entfallen nur auf rund 100'000 m 3 der 204'615 m 3 Sturmholz Abgeltungen in geringem Umfange. Auf die gesamte Sturmholzmenge hochgerechnet betragen die Abgeltungen rund 6 Franken pro Kubikmeter.


Da es keine Beiträge des Bundes gibt, sollen die Kantonsbeiträge als freiwillige, jedoch gerechtfertigte Unterstützung der Waldeigentümerschaft betrachtet werden.


In Abhängigkeit der Neigung wurden für das Aufrüsten von Sturmholz folgende Pauschalansätze festgelegt.


Daraus errechnen sich für die einzelnen Massnahmen folgende Gesamtsummen:

Vorgesehener Kantonsbeitrag : 1'240'000.- Franken


Der Kantonsbeitrag soll für die Jahre 2001 und 2002 bereit gestellt werden. Die Eigentümer tragen ihre verbleibenden Kosten.




2.2.2 Wert erhaltende Holzlagerung


Aufgrund der begrenzten Abfuhr- und Absatzmöglichkeiten für das Sturmholz wurde eine Wert erhaltende Lagerung des aufgerüsteten Holzes, die den Holzmarkt entlastet und Wertverluste durch Pilz- und Insektenbefall verhindert, notwendig. Das Forstamt beider Basel prüfte die verschiedenen Möglichkeiten der Wert erhaltenden Lagerung. Da im Kanton keine geeigneten Gewässer für die Nasslagerung vorhanden und bei der Beregnung diverse Probleme (Verstopfung der Düsen, Auswaschung von Gerbstoffen, Qualität des beregneten Holzes usw.) bekannt sind, wurden andere Lagerungsmöglichkeiten gesucht. Der Kanton kam zum Schluss, neben den herkömmlichen Lagerungsarten die Lagerung unter Folie (Schaffhauser-Methode) sowie die Lagerung unter verschweisster Folie zu empfehlen.


Lagerung unter Folien (Schaffhauser-Methode)
Die ersten Versuche einer Lagerung unter Folie wurden nach dem Sturm Vivian in den Kantonen Aargau und Schaffhausen gemacht. Um einer Wertverminderung vorzubeugen, soll die Holzfeuchte über dem für Pilze und Insekten erträglichen Niveau gehalten werden. Das Lagern von Rundholz unter Folie verhindert das Austrocknen der Stämme, da die Feuchtigkeit nicht entweichen kann. Diese Lagerart eignet sich auch hervorragend zum Schutze gegen den Nutzholzborkenkäfer, frühzeitig eingelagertes Holz musste nicht zum Schutz vor wertvermindernden Käfern gespritzt werden.


Lagerung eingeschweisst in Folien
Das Konservierungsprinzip basiert auf der Einlagerung des Holzes in einer luftdichten Folie. Atmungs- und Gärungsprozesse im frischen Holz reduzieren den Sauerstoffgehalt in den luftdicht verschlossenen Paketen und lassen den Kohlendioxidgehalt ansteigen. Abhängig von der Aussentemperatur und der eingelagerten Holzart stellt sich die annähernd sauerstofffreie und kohlendioxidreiche Atmosphäre im Paketinnern innerhalb eines Zeitraumes von wenigen Tagen bis zu drei Wochen ein. Diese Atmosphäre verhindert die Entwicklung holzzerstörender Organismen wie Insekten und Pilze. Durch den Kanton wurde ein verschweisstes Folienlager im Rheinhafen Birsfelden eingerichtet. Die Lagerdauer beträgt ca. 1 bis 1.5 Jahre.


Beitragsberechtigte Massnahmen nach Vorschriften des Bundes:
- Lagerung von Sortimenten guter Qualität
- Folienlager Rheinhafen: Holztransport, Erstellen, Betrieb und Abbau
- Folienlager (Schaffhauser Methode) ab 1000 m 3 : Holztransport, Lagererstellung
- Trockenlager ab 1000 m 3 : Holztransport, Lagererstellung
- Haufenpolter ab 1000 m 3 : Holztransport, Lagererstellung
- Energieholz und Schnitzellager ab 1000 m 3 : Holztransport, Lagererstellung


Kosten für die werterhaltende Lagerung:
Die Bemessung der Beiträge erfolgt nach den Pauschalansätzen des Bundes pro Kubikmeter feste Holzmasse:


Daneben fallen auf den Kanton im Rahmen eines Pilotprojektes für chemiefreie, neue Holzlagerungstechnik die Platzmiete im Rheinhafen Fr. 14'000.- sowie die Kosten für die baulichen Anpassungen der Einfahrt Fr. 2'000.- an, dies entspricht einem


Kantonsbeitrag von: 120'500 .- Franken


Der Kantonsbeitrag soll für das Jahr 2001 gemäss Budget mit Fr. 100'000.- und für das Jahr 2002 mit Fr. 20'500.- bereitgestellt werden. Die Waldeigentümer, die sich an der werterhaltenden Lagerung von Holz beteiligt haben, tragen die Restkosten (30% der Gesamtkosten) sowie die Kosten für den Betrieb der Lagerplätze.



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