Vorlage an den Landrat

2. Bericht


2.1 Heutige Situation im Kanton Basel-Landschaft


2.1.1 Schadenmenge
Vom Orkan Lothar wurden im Kanton mehrheitlich öffentliche Waldbesitzer betroffen. Das Ausmass der Schäden reichte von einer einfachen bis zur zehnfachen Jahresnutzung. Im Privatwald fiel der Schaden insgesamt gering aus, was nicht bedeutet, dass einzelne private Waldbesitzer nicht sehr stark geschädigt wurden.


Schadenmenge pro Forstkreis (Stand 30. November 2000)

Die gesamte Schadenmenge beträgt 204'615 m 3 . 55 % davon sind Nadelholz, 45% Laubholz. Bezogen auf das Eigentum fallen 89% der Schadenmenge auf öffentliche Waldeigentümer, 12 % auf private Waldeigentümer.


2.1.2 Wirtschaftliche Auswirkungen für die Geschädigten
Die Orkanschäden wirken sich insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht negativ aus. Für einzelne Waldeigentümer, die ein Mehrfaches einer Jahresnutzung an Schadholz aufweisen, können die Folgen für die Existenz der Forstbetriebe kritisch werden. Der stehende Holzvorrat, das Betriebskapital, wurde in solchen Fällen stark reduziert, das zwangsweise angefallene Holz konnte nur zu schlechten Preisen verkauft werden, die Nutzung in den kommenden Jahren muss reduziert werden. Somit fehlen die Erträge, um fest angestelltes Forstpersonal über längere Zeit entlöhnen zu können. In diesen stark betroffenen Betrieben werden über eine längere Zeitdauer Arbeiten anfallen, die keinen Ertrag abwerfen. Die Beiträge der Gebäudeversicherung für vorzeitigen Abtrieb betragen pro Kubikmeter zwischen 5 bis 10 Franken, insgesamt rund 1'600'000 Franken und können diese Verluste nur teilweise auffangen. Mit ähnlichen Auswirkungen haben aber auch jene Forstbetriebe zu kämpfen, die geringere Waldschäden zu verzeichnen haben, sofern die negativen Folgen auf dem Holzmarkt und die damit verbundenen tiefen Holzpreise längere Zeit andauern.


2.1.3 Aufrüstarbeiten
Ziel der Aufrüstarbeiten war in erster Linie, die Gefahren für die Bevölkerung zu beheben sowie die Gefahr der Ausbreitung des Borkenkäfers zu mindern. Zur Zeit sind im Kanton Basel-Landschaft rund 90% der angefallenen Sturmholzmenge, die nicht ohne Gefahr liegen gelassen werden konnte, aufgerüstet. Rund 20'000 m 3 Holz sollen im Wald liegen bleiben und zusätzlichen attraktiven Lebensraum für Tiere und Pflanzen bilden.


2.1.4 Folgeschäden (Borkenkäfer)
Im Mittelland flogen zwei Borkenkäfergenerationen im Jahr 2000 aus, die Bildung einer dritten Generation unter der Rinde fand aufgrund der warmen Witterung im Herbst statt. Stehendbefall an Einzelbäumen wurde im Kanton nur in wenigen Fällen beobachtet. Eine Prognose für Folgeschäden zu machen, ist äusserst schwierig, da die Borkenkäferentwicklung stark vom Verlauf der Witterung abhängig ist.
Ein grosser Teil des gebrochenen Holzes ist heute soweit ausgetrocknet, dass es als Brutmaterial nicht mehr attraktiv ist. Der Befall wird sich ab dem Frühjahr auf beschattete Bäume mit Wurzelkontakt, gestossene Fichten sowie stehende Nadelbäume im Randbereich der Schadenflächen konzentrieren.


2.1.5 Holzlagerung
Da der Orkan Lothar nicht nur im Kanton und der Schweiz, sondern auch im angrenzenden Ausland zu grossen Schäden führte, waren die Abfuhr- und Absatzmöglichkeiten für das Sturmholz begrenzt. Eine Wert erhaltende Lagerung, die den Holzmarkt entlastet und Wertverluste durch Pilz- und Insektenbefall verhindert, war demzufolge unumgänglich. Im Kanton bestehen folgende Holzlager, die gemäss Anforderungen des Bundes subventioniert werden können:


2.1.6 Holzmarkt
Gemäss der vom Bundesamt für Statistik durchgeführten Holzpreisstatistik hatte der Orkan Lothar wesentlich stärkere Auswirkungen auf den Holzmarkt als der Sturm Vivian. Die Preise für Säge-Rundholz in der Schweiz lagen in der Periode vom Januar bis April 2000 um durchschnittlich 27 Prozent tiefer als in den vorhergehenden Periode vom September bis Dezember 1999. Insbesondere bei schlechten Sortimenten ergaben sich grosse Einbussen, die da und dort noch mehr Zurückhaltung im Aufrüsten von Laubholz hätten bewirken sollen . Seit 1980 war aber bereits der Ertrag aus einem Kubikmeter Holz bis 1999 um 24 Prozent zurückgegangen, die Arbeitskosten waren dagegen angestiegen. Nach dem Orkan Vivian vom Februar 1990 waren die Säge-Rundholzpreise für Fichte und Tanne um rund 16 Prozent zurückgegangen. Die Preise hielten sich seither auf tiefem Niveau.


2.1.7 Wiederinstandstellungsprojekt
Im Kanton Basel-Landschaft wurde der Wald auf rund 400 Hektaren zerstört. Flächenschäden über einer halben Hektare wurden in ein Wiederinstandstellungsprojekt aufgenommen, auf den kleineren Streu- und Flächenschäden werden keine Massnahmen subventioniert. Im Wiederinstandstellungsprojekt wurden die Tätigkeiten für die nächsten 6 Jahre auf insgesamt 220 Hektaren festgelegt.
Aufgrund der extremen Belastungen der Waldstrassen bei der Sturmholzerei und dem Abtransport des Sturmholzes wurden rund 29 Kilometer Waldstrassen deformiert.


2.1.8 Wildschäden
Sturmschadenflächen bieten für Wildtiere, zumindest vorübergehend, besonders wertvolle Lebensräume, die aber schlecht bejagt werden können. Sie bewirken eine Wildzunahme und damit vermehrt Wildschäden an Wald und landwirtschaftlichen Kulturen. Zur langfristigen Sicherstellung der Verjüngung und zur Vermeidung eines Ungleichgewichtes in der Wilddichte sind besondere Massnahmen notwendig. Im Auftrag des kantonalen Forstdienstes wurde in enger Zusammenarbeit mit der Jagd- und Fischereiverwaltung, dem Jagdverband sowie dem Waldwirtschaftsverband ein Wildschadenverhütungskonzept erarbeitet. Die Umsetzung der vorgesehenen Massnahmen wird laufend fachlich begleitet und kontrolliert.


2.1.9 Rückzahlbares Darlehen
Da viele Waldeigentümer nicht in der Lage waren, die notwendigen Arbeitsleistungen nach Lothar kurzfristig zu finanzieren, gewährte die Regierung ein rückzahlbares Darlehen von 10.2 Millionen Franken für die notwendigen Arbeiten zur Aufrüstung des Sturmholzes und zur Schlagräumung. Fünfzehn Darlehen, insgesamt 4.7 Millionen Franken wurden beantragt und gewährt. Die Bürgergemeinden verpflichteten sich, diese bis Ende 2001 zurückzubezahlen. Diese Frist wird heute von einzelnen Darlehensnehmern als sehr knapp empfunden. Die Darlehensverträge mit den Waldbesitzern enthalten Verrechnungsklauseln, das bedeutet, dass die den Waldbesitzern zustehenden Bundes- und Kantonsbeiträge nicht ausbezahlt, sondern direkt verrechnet werden. Die Waldbesitzer erhalten von Bund und Kanton keine zusätzlichen Zahlungen, die mit dem Sturm Lothar in Zusammenhang stehen.


2.1.10 Gebäudeversicherung
Der Kanton Basel-Landschaft verfügt im Rahmen der kantonalen Gebäudeversicherung über eine, für die Schweiz einzigartige, obligatorische Waldversicherung. Versichert ist der vorzeitige Abtrieb (die durch den Sturm geworfenen Bäume haben noch nicht das vorgesehene Alter respektive den vorgesehenen Durchmesser erreicht), die Wertverminderung des Holzes (z. B. durch Brüche) sowie die erschwerte Holzerei (Bäume fielen durch den Orkan oft übereinander). Mit den eingezahlten Prämien kann ein Schadenereignis dieses Ausmasses nicht gedeckt werden. Die Gebäudeversicherung musste sich auf die Auszahlung von 10 bis 20 Fr./m 3 Holz beschränken. Für den Wald wurden insgesamt rund Fr. 3'700'000.- ausbezahlt. Der Schaden, der den Waldeigentümern aufgrund des vorzeitigen Abtriebs, der Wertverminderung und der erschwerten Holzerei entstanden ist, ist damit jedoch nicht vollständig gedeckt.


2.1.11 Stellungnahmen zum Entwurf der Landratsvorlage
Gemäss § 40 Abs. 3 der Kantonsverfassung sind bei der Vorbereitung von Erlassen und Beschlüssen des Landrates und des Regierungsrates die betroffenen Gemeinden rechtzeitig anzuhören. Die betroffenen Gemeinden wurden im Auftrag des Regierungsrates mit Brief vom 21. Februar 2001 zur Stellungnahme zur vorliegenden Landratsvorlage bis zum 17. April eingeladen, auf Wunsch des Verbands Basellandschaftlicher Gemeinden wurde die Frist bis zum 23. April 2001 verlängert.
58 der 92 zur Stellungnahme aufgeforderten Gemeinden und Verbände nahmen zur Landratsvorlage Stellung. Eine grosse Mehrzahl, nämlich 34 Stellungnehmende, unterstützen die vorliegende Vorlage vorbehaltlos. Die übrigen begrüssen die Vorlage, fügen jedoch den einen oder anderen Vorbehalt in den Bereichen Holzmarkt, Aufrüsten des Sturmholzes, Wiederindstandstellung der Wälder, Wald-Wild-Konzept sowie bezüglich des rückzahlbaren Darlehens an. Die Stellungnahmen wurden zu Handen der Regierung separat kommentiert, die notwendigen Ergänzungen der Vorlage vorgenommen.



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