Vorlage an den Landrat

2.4 Behandlung der Alkoholabhängigkeit


Alkoholberatungsstellen
Mit den durch den Kanton finanzierten, ambulanten Alkoholberatungsstellen (Beratungsstelle für Alkohol- und andere Suchtprobleme und Blaues Kreuz Baselland) wurden ab 2000 Leistungsvereinbarungen abgeschlossen. Die entsprechenden Dossiers wechselten im Rahmen der verwaltungsinternen Umstrukturierung vom Fürsorgeamt, das neu zur Finanz- und Kirchendirektion gehört, zum kantonsärztlichen Dienst.
Im Mittel der vergangenen zwei Jahre konnten, gemeinsam mit der Multikulturellen Suchtberatung, jeweils rund 900 Patientinnen und Patienten erreicht werden.


Stationäre Behandlungen von Alkoholkranken
Seit 1998 werden auch die Kostengutsprachen für alle stationäre Behandlungen, sofern sie nicht in der Kantonalen Psychiatrischen Klinik Liestal erfolgen, durch den Kantonsarzt erteilt. Entweder, wenn die behandelnde Institution Spitalstatus hat, mit einer Gutsprache für ausserkantonale Spitalbehandlungen gemäss Artikel 41.3 des Krankenversicherungsgesetzes, andernfalls mit einer Verfügung analog den stationären Drogentherapien. Die Kosten gehen zu Lasten der Krankenkassen bzw. des Kantons.
Patientinnen und Patienten aus unserem Kanton benötigten, bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 120 Tagen, ca. 3 200 Belegtage in Alkoholheilstätten ausserhalb unseres Kantons.


Zeitungsartikel vom 8. Dezember 2000




2.5 Überlebenshilfe und Substitutionsbehandlungen


Gassenzimmer Baselland an der Heuwaage in Basel (K&A BL)




Medizinisch-sozialer Dienst im Umfeld und im Gassenzimmer Heuwaage
Durch eine Zusatzfinanzierung konnte im Gassenzimmer ein Beratungsdienst eingerichtet werden, der über den ursprünglichen Leistungsauftrag hinausgeht. Durch direkte, persönliche Kontakte werden drogenkonsumierende Personen, die sich in einer kritischen Lebensphase (z.B. Rückfallgefährdung, Therapieabbruch, Rückführungszentrum) befinden, möglichst früh dazu motiviert, Fachstellen aufzusuchen und sich um eine Veränderung ihrer Lebenssituation zu bemühen. Angehörige, Lebenspartner und das soziale Umfeld können nach Möglichkeit miteinbezogen werden.



Zudem werden Drogenkonsumierende, die ihre Gesundheit vernachlässigen und nebst sozialen Kontakten einer vermehrten medizinischen Betreuung bedürfen, im Bereich Gesundheit und Körperpflege beraten. Kleinere medizinisch-pflegerische Interventionen können an Ort durchgeführt werden (z.B. Abszessbegutachtungen, Verbandwechsel, Nachbetreuung nach medizinischen Eingriffen, sowie Begleitungen zu Notfallstationen, Polikliniken etc.)
Vermittelt wurde (Bericht 1.1.00 - 30.6.00) an die Drogenberatung BL (88), an Hausärzte (77), in die Poliklinik Basel (32), an das DropIn Basel (32). Kontakte konnten aber auch zur Cikade (12) zur Drogenhilfe in Deutschland (10) und mit Beratungsstellen im Kanton Aargau (9) hergestellt werden. Rund 45% aller kontaktierten Personen stammten aus unserem Kanton. Die Volkswirtschafts- und Sanitätsdirektion wird das Projekt, ab 1.1.2001 gemeinsam mit Basel-Stadt, weiterfinanzieren.


Spritzentausch
Seit Mai 2000 gelten für alle Stellen beider Kantone, die Spritzenmaterial abgeben, neue Weisungen zum Spritzentausch. Damit soll erreicht werden, dass im öffentlichen Raum weniger verunreinigtes Material weggeworfen wird und Gefahr von Unfällen reduziert wird.
Grundsatz: Sicherstellung der Aidsprophylaxe durch Abgabe von Spritzenmaterial während einem persönlichen Kontakt mit dem Personal.
Drogenkonsumierende beziehen das Material immer unter Aufsicht des Personals.
Das Tauschverhältnis soll nach Möglichkeit 1:1 betragen
Die Drogenkonsumierenden sollen ihr gebrauchtes Material unter Aufsicht entsorgen und beziehen entsprechend neues Spritzenmaterial
Ziel: Den Drogenkonsumierenden wird deutlich gemacht, dass sie mit der fachgerechten Entsorgung einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung von Unfällen mit gebrauchtem Spritzenmaterial im öffentlichen Raum leisten. Die Drogenkonsumierenden lernen, dass sie in der Regel soviel neues Spritzenmaterial mitnehmen können, wie sie entsorgt haben.
In Ausnahmefällen (keine Rückgabe) kann beim Personal um die Mitnahme von Material bis zum nächsten Besuch gebeten werden. Ein rigoroser eins-zu-eins Umtausch liesse sich wohl erzwingen, würde aber den Interessen der Aidsprophylaxe zuwider laufen.
Die Kantonsärzte haben in diesem Zusammenhang festgehalten, dass die Ansteckungsgefahr durch herumliegende Spritzen nicht überschätzt werden dürfe. Nadelverletzungen im Spitalbereich stellten diesbezüglich ein grösseres Risiko dar.


Methadon-Abgabe zur intravenösen Applikation
Seit Juni 2000 erlaubt der Kantonsarzt in speziellen Fällen die Abgabe von Methadon in einer injizierbaren Form. Diese Behandlungsmöglichkeit kann für Patienten beantragt werden, wenn sie bei langjährigem Opiatkonsum das mit Sirup vermischte Methadon regelmässig gespritzt haben. Sie müssen seit zwei Jahren bei der DBL in Behandlung stehen und dürfen keinen bedeutenden Nebenkonsum (Kokain, Benzodiazepine) aufweisen. Die Behandlungsdetails sind in einer schriftlichen Weisung festgehalten. Das Spritzbesteck muss eins zu eins umgetauscht werden.
Ziel der neuen Abgabemöglichkeit ist die Schadensverminderung. Die Gesundheit der Klienten kann geschützt werden und die Notwendigkeit, Stoff im Gassenhandel zu beziehen, wird reduziert. Bisher sind für drei Personen Bewilligungen erteilt worden.


Heroin gestützte Behandlung (HeGeBe)
Im ersten Drogenbericht wurde festgehalten, dass der Kanton Basel-Landschaft die Option eines eigenen Heroin-gestützten Behandlungsprogrammes offen halte. Die Auswertung der laufenden Programme durch das Bundesamt für Gesundheit im Jahr 1998 zeigte eine positive Bilanz. Am 18.11.98 diskutierte die Fachkommission Drogen einen ersten Projektentwurf der Drogenberatung BL.
Die Volksabstimmung zur erweiterten Abgabe von Betäubungsmitteln ergab in unserem Kanton ein deutliches Resultat: 54'000 Ja, 29'000 Nein. Regierungsrat Erich Straumann erteilte deshalb kurz nach seinem Amtsantritt den Kantonalen Psychiatrischen Diensten (KPD) den Auftrag bis September 1999 der Volkswirtschafts- und Sanitätsdirektion (VSD) weiter ausgearbeitete Planungsunterlagen für ein Projekt vorzulegen.



Am 1. Oktober 1999 stellte die VSD beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) einen Antrag zur Bewilligung eines Abgabe-Projektes im Kanton und leitete ihm die erarbeiteten Unterlagen zur Prüfung weiter. Bereits am 28. Oktober teilte das BAG seine Zustimmung mit und sprach gleichzeitig eine finanzielle Unterstützung in der Höhe von Fr. 50 000.-- für die Projektierungsphase.
Die Standortevaluation ergab, dass die räumliche Nähe zur bestehenden Zweigstelle der Drogenberatung BL in Reinach zahlreiche Vorteile mit sich bringen würde. Der Gemeinderat von Reinach stimmte am 1.11.1999 dem Projekt zu. Aus Kostengründen wurde an Stelle des geplanten Umbaus im Untergeschoss der Drogen-beratungsstelle in Reinach eine Containerlösung im selben Areal realisiert. Der Projektstart erfolgte im Juni 2000. Ende Oktober befanden sich 11 Personen in der Heroingestützten Behandlung.
Integraler Bestandteil der HeGeBe ist eine (somatisch-) medizinische Dienstleistung für Heroinbezüger, die auch den Methadonpatienten angeboten wird. Begleitprogramme zur Strukturierung des Tagesablaufes, Beschäftigung, später auch Gestaltung der Freizeit, Umgang mit Geld, Haushalt machen das HeGeBe zu einem höher und konsequenter strukturierten Behandlungsangebot als die Methadonprogramme.



Die Laufzeit des Pilotprojektes der heroingestützten Behandlung ist auf zwei bis drei Jahre angesetzt. Die Volkswirtschafts- und Sanitätsdirektion wird schon zu Beginn des Jahres 2001 entscheiden müssen, in welcher Form das HeGeBe-Projekt Reinach allenfalls weiter geführt werden soll, damit die notwendigen Vorbereitungen fristgerecht ausgeführt werden können. Sie wird dazu erneut berichten.




2.6 Bekämpfung des Handels und des Konsums


Aus dem Bericht der Drogenfahndung Polizei Basel-Landschaft


Handel

Der Ameisenhandel mit Kokain wird im Kanton Basel-Landschaft nach wie vor durch Menschen aus Afrika beherrscht.
Die Region Nordwestschweiz und somit auch der Kanton Basel-Landschaft ist für den Ameisenhandel besonders interessant. Neben den 'einheimischen' Konsumenten decken sich auch die Drogenkonsumenten aus dem benachbarten Frankreich und Deutschland in der Region mit Drogen ein, weil die Preise in der Schweiz um einiges günstiger sind als in den Nachbarländern.
Es wurde vermehrt festgestellt, dass in Schulen bei Jugendlichen psilocybinhaltige Pilze gross im Trend liegen.
Die Zahl der Drogenkonsumierenden im Kanton Basel-Landschaft beläuft sich auf ca. 1000 bis 1200 Süchtige. Die Zahl beruht auf einer Schätzung.


Drogenschmuggel
Die weit aus meisten Fälle von bekannt gewordenem Drogenschmuggel betreffen kleine Mengen Cannabisprodukte, Heroin oder Kokain, welche Drogenkonsumierende aus dem nahen Ausland in der Nordwestschweiz einkauften und versuchten diese aus der Schweiz illegal nach Deutschland und Frankreich einzuführen.


Drogenkonsum
Eine offene Drogenszene existiert im Kanton Basel-Landschaft nicht. Ansätze zu einer offenen Szene finden sich in der Stadt Basel und dort vor allem vor den Gassenzimmern. Diese Plätze werden natürlich auch von Drogensüchtigen aus dem Kanton Basel-Landschaft frequentiert.


Preise / Reinheitsgehalt
Im Kanton Basel-Landschaft wird zur Zeit das Gramm Heroin für ca. CHF 40.-- und das Gramm Kokain zwischen ca. CHF 80.-- bis CHF 150.-- verkauft.
Die Reinheitsgehalte der sichergestellten Drogen variieren beim Heroin zwischen 13.2% bis 31.9% und beim Kokain zwischen 41.6% und 42.2%. Eine Sicherstellung von ca. 750 Gramm synthetischer Drogen wies einen Reinheitsgehalt von lediglich 2.2% Amphetamin auf, der Rest war grösstenteils Coffein.
Die Preise für Marihuana und Haschisch sind relativ stabil und bewegen sich zwischen CHF 8.-- bis 10.-- pro Gramm.


Verbindung zur Prostitution
In einem Fall wurde festgestellt, dass portugiesisch sprechende Personen aus Afrika Prostituierte aus Brasilien für das Sexgewerbe im Raum Basel besorgten.
Ein Drogenstrich ist im Kanton Basel-Landschaft nicht bekannt.



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