2000-161 (1)


1. Vorlage

1.1. Heutige Situation


Die Abwasserreinigungsanlagen Wintersingen (erbaut 1972) und Liedertswil (1968) wurden seinerzeit für eine geringere Einwohnerzahl als heute (v.a. Wintersingen) und nach dem damaligen Stand der Technik, der den heutigen Anforderungen der Gewässerschutzgesetzgebung nicht mehr entspricht, erstellt.


Folgende Mängel werden festgestellt:


- Wintersingerbach ist bereits bei Trockenwetter zu stark mit Abwasser belastet


- Weigistbach (Liedertswil) ist bei Regenwetter zu stark mit Mischwasser belastet


- Die Kapazität und Reinigungsleistung bei Trockenwetter ist bei der ARA Wintersingen ungenügend


- Bei beiden Anlagen fehlt die Mischwasserbehandlung


- Die technischen Einrichtungen sind bei beiden Anlagen sanierungsbedürftig.




1.2. Ziel der Vorlage


Die Sanierung der beiden fraglichen Anlagen erfolgt im Rahmen des Regierungsprogrammes 1999 - 2003. Die Anforderungen an diese Anlagen sind:


- Eliminierung der übermässigen Abwassereinleitungen in den Wintersingerbach


- Verhinderung der übermässigen Belastung der beiden Bäche durch Mischwasser


- Eliminierung von Fremdwasser-Eindringstellen.


Letzteres ist Aufgabe der Gemeinden, die im Rahmen des Generellen Entwässerungsplanes (GEP) für die Eliminierung von sauberem Fremdwasser zu sorgen haben. Als weitere Massnahme ist eine Reduktion der Trink- resp. Brauchwassermenge anzustreben.




1.3. Lösungsansätze und Varianten


Neben der Erneuerung resp. Sanierung der Anlagen vor Ort wurde als Alternative die Ableitung der Abwässer in die nächstgelegenen regionalen Kläranlagen ARA Magden (für Wintersingen) und ARA Frenke 2, Niederdorf (für Liedertswil) geprüft und ins Vorprojekt miteinbezogen. Der Kostenvergleich spricht in beiden Fällen allerdings für den Ausbau der Anlagen vor Ort.


Wie von der Umweltschutz- und Energiekommission anlässlich früherer Vorlagen gewünscht, wurde für Wintersingen die Variante einer Pflanzenkläranlage geprüft. Der Standort unterhalb der jetzigen Kläranlage würde sich vom Gelände her für die Erstellung einer Pflanzenkläranlage sehr gut eignen. Deshalb wurde diese Variante im Vorfeld geprüft und ein Vorprojekt ausgearbeitet. Dabei zeigten sich folgende Probleme:


- Die Anlage würde flächenmässig sehr gross


- Mischwasserbecken, Schnecke, Rechenhaus müssten auch bei diesem ARA-Typ gebaut werden


- Die Energieeinsparung ist minimal


- Die Sandfilter, in denen sich bei der Klärung Schwermetalle akkumulieren, müssten gemäss Aussage der Experten nach ca. 15 - 20 Jahren ausgetauscht werden, wobei die Entsorgung heute noch unklar ist


- Die Investitionskosten sind wesentlich höher als bei der konventionellen Variante.


Als Folge dieser Recherchen wird für die Abwasserreinigungsanlagen Wintersingen und Liedertswil das in anderen ARAs des Kantons bewährte Belebtschlammverfahren mit aerober Schlammstabilisierung ohne Vorklärung vorgeschlagen, das eine ganzjährige Vollnitrifikation und eine maximale Abbauleistung bezüglich organischer Stoffe gewährleistet. Die Mischwasserbehandlung erfolgt in einem Mischwasserbecken mit Sieb.


Dieser bewährte Anlagetyp erreicht einen hohen Qualitätsstandard bezüglich Leistung, Funktionssicherheit, Bedienungsfreundlichkeit und Langlebigkeit. So gelten die Schmutzstoffelimination als maximal, die Entlastungsfracht bei Regen als minimal und das Kosten/Nutzen-Verhältnis als optimal.


Während die ARA Wintersingen unterhalb der bestehenden Anlage völlig neu und grösser gebaut wird, können bei der ARA Liedertswil die bestehenden Belebungs- und Nachklärbecken weiterverwendet werden. Neu gebaut werden hingegen das Mischwasserbecken, der Schlammstapel und das Schneckenpumpwerk sowie das Betriebsgebäude.




2. Kommissionsberatung


Am 30. Oktober hat die Umweltschutz- und Energiekommission die Vorlage 2000/161 in Anwesenheit von Herrn Hansruedi Bieri, Direktionssekretär BUD, und der Herren Walter Dinkel, Vorsteher AIB, Christoph Bitterli, Bereichsleiter Abwasseranlagen und Ruedi Vögtli. Abt. Projektierung/Bauausführung, beraten. Vorgängig fand ein Augenschein der neuen Anlage Maisprach und der zu erneuernden Anlage Wintersingen statt. Die ARA Maisprach ist bezüglich Grösse und Technik mit der neuen ARA Wintersingen vergleichbar. Die Funktionsfähigkeit dieser Abwasseranlage ist beeindruckend. Die Erfahrungen mit dieser gut funktionierenden Anlage kann in die Planung weiterer Anlagen einfliessen. Mit Freude nahm die Umweltschutz- und Energiekommission die naturnahe Umgebungsgestaltung zur Kenntnis.


Dass bei der heute zu kleinen ARA Wintersingen Sanierungsbedarf besteht, war für alle augenfällig. Vor allem fehlt das Mischwasserbecken. Besichtigt wurde auch der mögliche Standort für die Pflanzenkläranlage, der sich vor der alten ARA befinden und über 160 m erstrecken würde. Auch wenn von der Umweltschutz- und Energiekommission der Wunsch besteht, im Baselbiet ein solches Pilotprojekt zu realisieren, musste sie sich anhand der oben beschriebenen Probleme überzeugen lassen, dass Anlagen in dieser Grössenordnung schwierig zu realisieren sind. Es existieren in der Schweiz bis jetzt keine entsprechenden Beispiele und damit auch keine Erfahrungen.


Eintreten auf die Vorlage war unbestritten. Der Augenschein in Wintersingen hat den Handlungsbedarf deutlich gezeigt. Gemäss Beschreibung ist auch die Sanierung der ARA in Liedertswil zwingend. Mit der Erfahrung, die man mit den Anlagen der neuen Generation in den letzten Jahren gemacht hat, kann man davon ausgehen, dass die Reinigungsleistung der zu erstellenden Anlagen optimal ist und die betroffenen Gewässer in Zukunft als nur mehr «schwach belastet» eingestuft werden müssen.


Die Investitionskosten für die ARA Wintersingen belaufen sich auf Fr. 1'900'000.-, für die ARA Liedertswil auf Fr. 1'100'000.-, die Jahreskosten auf Fr. 250'000.- resp. auf Fr. 147'000.-




3. Antrag


Die Umweltschutz- und Energiekommission beantragt dem Landrat einstimmig, dem Entwurf des Landratsbeschlusses betreffend «Bewilligung der Verpflichtungskredite für den Ausbau der Abwasserreinigungsanlagen in den Gemeinden Wintersingen und Liedertswil» zuzustimmen.


Allschwil, 23. November 2000


Namens der Umweltschutz- und Energiekommission
Die Präsidentin: Jacqueline Halder



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