2000-85 (1)

Interpellationstext


«Die Informatik des KT. BL hat grundsätzlich zum Ziel, eine wirtschaftliche Lösung und eine qualitative Verbesserung und Optimierung der staatlichen Aufgaben zu ermöglichen. Dies muss wie in privaten Unternehmen auch bei der kantonalen Verwaltung unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit geschehen.


Ich bitte den Regierungsrat um schriftliche Antwort.»




Vorbemerkungen


Die landrätliche Finanzkommission hat am 29. März 2000 als Schwerpunktthema das Traktandum «Informatik in der kantonalen Verwaltung» behandelt. In einer über zweistündigen Präsentation mit grossen Frageblöcken haben der Präsident der Fachgruppe «Informatik» Dr. Michael Bammatter, der Finanzverwalter Dr. Martin Thomann, der Leiter der Informatikplanung und -koordination Hans Ruosch, der Leiter des Amts für Informatik Dr. Urs Kiebele, und die beiden Direktionsinformatiker BUD, Yves Laukemann, und JPMD, Harald Schmid über die generelle Organisation des Informatikbereichs und die einzelnen Projekte orientiert.




Die einzelnen Antworten:


1. «Hat man beim neuen Rechnungswesen (NRW) sowie beim Personal- und Lohnadministrationssystem die Kosten für die Schnittstellen zu den anderen Direktionen detailliert abklären lassen? Wenn nein, warum nicht?»


Die in den Projekten «Neues Rechnungswesen» [NRW] und «Personal- und Lohninformations- und -administrationssystem» [PIAS/LIAS, Projektname «Espresso»] laufenden EDV-Programme benötigen keine Schnittstellen zu anderen Direktionen, weil diese Programme von allen Direktionen verwendet werden.




2. «Wurden 1 zu 1 Tests durchgeführt? Wenn nein, warum nicht?»


Da keine Schnittstellen zu anderen Direktionen bestehen, waren auch keine diesbezüglichen Tests notwendig. Selbstverständlich wurden die Programme als solche vor der Produktivsetzung intensiven Test unterzogen.




3. «Gibt es ein Gesamtkonzept Informatik über die Bereiche Raum, Personen, Finanzen?»


Das Gesamtkonzept «Raum» - wie es die Interpellantin vermutlich versteht - liegt im Projekt «Geographische Informations-System» [GIS] vor, das Gesamtkonzept «Personen» - verstanden als Personal des Kantons Basel-Landschaft - im Projekt «Espresso» und das Gesamtkonzept «Finanzen» im Projekt «NRW».




4. «Wie wird bei direktionsübergreifenden Informatikaufgaben und bei der Beschaffung von Informatikmitteln die Gesamtkoordination vom IPK (Abteilung Informatikplanung/-koordination) gewährleistet.»


Soweit die Lösung einer direktionsübergreifenden Informatikaufgabe im Rahmen eines eigenständigen Projekts bearbeitet wird, erfolgt die Beschaffung in der entsprechenden Projektorganisation.


Die sonstige Beschaffung von Standard-Informatikmitteln koordiniert die IPK im Rahmen der Fachgruppe Informatik [FGI], in welcher die Direktionsinformatiker und der Leiter des Amts für Informatik vertreten sind, durch die Festlegung von Standards und Abschluss von Rahmenverträgen mit den wichtigsten Lieferanten. Durch die Zusammenfassung des verwaltungsweiten Volumens haben günstigere Einkaufskonditionen erreicht werden können.




5. «Wie und in welcher Periodizität wird das Controlling durchgeführt?»


Das Controlling wird laufend durchgeführt. Projektcontroller in beiden Projekten «NRW» und «Espresso» ist der kantonale Chief Controller; er ist jeweils Mitglied der Projektleitung.


Beim Projekt «Espresso» amtet zusätzlich ein externer Controller für den Steuerungsausschuss.




6. «Werden Projektmanagementtools angewendet?»


Der Regierungsrat hat mit RRB Nr. 94 vom 10.1.95 festgelegt, dass als Projektmanagementtool in der kantonalen Verwaltung des System «IFA-Pass ® » anzuwenden ist.




7. «Werden Projekt-Reviews und Projekt-Audits durchgeführt?»


Projektreviews werden alle Wochen («NRW») und alle zwei Wochen («Espresso») durchgeführt.


Bezüglich der Projekt-Audits ist zu bemerken, dass die grossen Projekte fast ausnahmslos durch externe Projektcontroller und/oder Berater begleitet werden. Gemäss FHG § 42 Abs. 3 kann die Finanzkontrolle zur Mitwirkung in Projekten zugezogen werden, was teilweise auch erfolgt. Mit dieser projektbegleitenden beratenden Tätigkeit kann rechtzeitig Einfluss auf die für die Revision wesentlichen Aspekte genommen werden. Partielle Audits sind bisher insbesondere im Rahmen der Produktivsetzung des CSF vorgenommen worden. [bezüglich des Audits LIAS siehe Ziffer 10].


Zudem werden auch bei einer Abwicklung der EDV-Projekte nach dem System IFA PASS ® [vgl. oben Antwort 6], wie vom Regierungsrat vorgeschrieben, die Aspekte der Revision beachtet.




8. «Wer führt die Projektnachkalkulation durch. In welcher Periodizität?»


Nachkalkulationen ergeben sich sporadisch. Wie dem Landrat bekannt, ist eine solche im Rahmen des Projekts «Espresso» eben erst durchgeführt worden.




9. «Warum wurde die letzte Revision vor 5 Jahren durchgeführt?»


Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass mit der in der Frage genannten «Revision» die Tätigkeit der Finanzkontrolle gemeint ist.


Vor rund sechs Jahren wurde seitens der Finanzkontrolle letztmals eine Schwerpunktsrevision im Amt für Informatik durchgeführt (Bericht 80/1993, Applikationsunabhängige Prüfungen). Es handelte sich jedoch dabei keineswegs um die letzte Prüfung des Amts für Informatik, da dieses im Rahmen anderer Prüfungen miterfasst wird, und schon gar nicht um die letzte Prüfung im Bereich Informatik generell. Die Finanzkontrolle führt heute praktisch keine Revisionen mehr durch, welche nicht stark informatiklastig sind. Jede Prüfung im internen Kontrollsystem umfasst heute auch Informatikaspekte. Für komplexe Abklärungen zieht sie heute ihren Informatikrevisor zu, welcher die CISA-Ausbildung (Certified Informations System Auditor) durchlaufen hat. Ergänzend werden mit konventionellen ergebnisorientierten Prüfungen einzelne Applikationen indirekt verifiziert. Nachfolgend sind auszugsweise einige wesentliche Bereiche zu erwähnen, bei welchen die Finanzkontrolle Feststellungen zur EDV angebracht hat:




Neues Rechnungswesen:


Im Jahre 1997 wurde auf Veranlassung der Finanzkontrolle durch PricewaterhouseCoopers eine Informatikrevision im Bereich des "Neuen Rechnungswesens CS/2" durchgeführt. Die Finanzkontrolle ihrerseits hat beim "Neuen Rechnungswesen" die Anforderungen vor Auftragsvergabe formuliert. Die FKD hat diese als integrierenden Bestandteil des Vertrages mit der Firma Wilken erklärt. Seit Beginn der Einführung des Systems CS/2 hat die Finanzkontrolle zahlreiche Systemmängel, aber auch Unzulänglichkeiten in der Aufbau- und Ablauforganisation und Aspekte der Wirtschaftlichkeit, aufgegriffen. (siehe dazu auch Revisionsberichte Staatsrechnung 1996, Staatsrechnung 1997, Staatsrechnung 1998, Staatsrechnung 1999, welche den Mitgliedern der Finanzkommission im Detail vorliegen). Mit Einsatz von spezieller Prüf-Software (ACL Audit Command Language © ) wurde im Jahre 2000 die bisherige Migration von OLF in die reine Client-Server-Umgebung überprüft. Der gezielte Einsatz von ACL erhöht die Effizienz der Revision dramatisch und ermöglicht generell die Bestätigung der Korrektheit der verschiedenen Abstimmkreise innerhalb des "Neuen Rechnungswesens".


Im übrigen wurden auch im Rahmen der Überprüfung der Zahlungsfristen durch die Kantonale Verwaltung verschiedene Prüfungen im CS/2 vorgenommen. Die zahlreichen Prüfungsfeststellungen sind aus Bericht Nr. 3/1999 ersichtlich.




Lohnwesen (LIAS/PIAS)


Im Rahmen einer Schwerpunktsprüfung im Lohnbereich hat die Finanzkontrolle auch Überprüfungen im Bereich der SUPIS-Applikation vorgenommen und dabei festgestellt, dass die heutigen Anforderungen an die Ordnungsmässigkeit nicht erfüllt sind (Revisionsberichte Nr. 3/1996 und 84/1997 und Berichte zur Staatsrechnung 1997 und 1998). Die FKD hat sich nicht zuletzt wegen diesen Mängeln entschieden, das bisherige System abzulösen. Die Finanzkontrolle ist in der Projektleitung für die Beschaffung des Nachfolgesystems ("Espresso") durch einen Mitarbeiter vertreten und leistet in der Projektbegleitung insbesondere im Bereich der Aufbau- und Ablauforganisation und der Definition von Sicherheitskriterien wesentliche Arbeit (FHG § 42 Abs. 3).




Beschaffungswesen


Anlässlich einer schwerpunktsmässigen Überprüfung des Beschaffungswesens wurde unter anderem der Bereich der Informatik detailliert unter die Lupe genommen und wichtige Empfehlungen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit abgegeben (Berichte Nr. 86/1997 und 34/1998).




Steuerapplikationen


a) Quellensteuer:


Anlässlich der Revision der Quellensteuer im Jahre 1996 wurde die Ordnungsmässigkeit der Applikation in Frage gestellt (Revisionsbericht Nr.069/1996). Die Steuerverwaltung hat deshalb einen Ersatz der Software vorgenommen. Diese läuft seit 1.1.1999 erfolgreich.




b) Steuerveranlagung/Steuerbezug:


Anlässlich einer Schwerpunktsprüfung "Steuern 1997" wurden insbesondere die Aufbau- und Ablauforganisation in diesem Bereich und Sicherheitsaspekte überprüft (siehe Bericht Nr. 87/1997) und entsprechende Empfehlungen abgegeben.




10. «Wann findet die nächste statt?»


Aus der Beantwortung von Frage 9 geht hervor, dass die Finanzkontrolle laufend Informatikprüfungen durchführt. Im Jahr 2000 ist gemäss dem der Finanzkommission vorliegenden Prüfprogramm eine Schwerpunktsprüfung im Bereich der Planung und Organisation nach COBIT (Governance, Control and Audit for Information and Related Technology), insbesondere im strategischen Bereich, wie auch eine Projekt-Revision durch den vom Projekt unabhängigen Informatikrevisor der Finanzkontrolle im vor der Einführung stehenden neuen Lohnsystem (LIAS) vorgesehen.




11. «Wer erteilt der Revision die Aufträge?»


Gemäss FHG § 38 Abs. 2 ist die Finanzkontrolle fachlich selbständig und unabhängig. Somit ist sie für ihre Prüfprogramme selbst verantwortlich. Die Finanzkommission wie der Regierungsrat werden jeweils über die im folgenden Jahr geplanten Prüfaktivitäten orientiert.


Gemäss § 42 Abs.1 lit. f. erledigt die Finanzkontrolle auch besondere Revisions- und Beratungsaufgaben im Auftrag des Landrates, des Regierungsrates oder der Direktionsvorsteher. Die Finanzkontrolle erledigt regelmässig besondere Revisionsaufträge der erwähnten Stellen.




Liestal, 22. August 2000


Im Namen des Regierungsrates
der Präsident: Koellreuter
der Landschreiber: Mundschin


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