"Heide-Hund" und Naturschutz gemeinsam

4. Stellungnahme zur Initiative


Die "Reinacherheide" erfüllt drei wichtige Funktionen. Sie ist:


- eine kostbare Natur-Insel von unersetzlichem Wert;


- ein Regenerationsraum für das Grundwasser;


- ein Naherholungsgebiet für die Bevölkerung der Region.


Daraus ergeben sich für dieses Gebiet folgende Entwicklungsziele:


- Erhaltung, Förderung und Vernetzung der Natur-Insel mit ihren national bedeutsamen Arten und Lebensgemeinschaften;


- Sicherung der Grundwassernutzung und -qualität;


- Förderung einer Natur schonenden, rücksichtsvollen Naherholung durch gezielte Besucherlenkung sowie professionelle Besucherinformation und Aufsicht.


Weil die "Reinacherheide" für viele bedrohte Arten die letzte Überlebens-Insel ist, muss sie vor negativen menschlichen Einflüssen geschützt werden.


Hunde sind treue Begleiter des Menschen. In verschiedenster Hinsicht leisten sie wertvolle Dienste für uns. Aus Sicht der Natur haben Hunde hingegen einen anderen Stellenwert, weil sie von Wildtieren in einer anderen Funktion wahrgenommen werden. Für die Natur werden Hunde dann zu einem Problem, wenn sie zu häufig erscheinen, wie dies in der "Reinacherheide" der Fall war. Deswegen besteht zwischen Hunden und Naturschutzzielen in diesem Naturschutzgebiet ein grundlegender Zielkonflikt. Ein Indiz dafür, dass sich das Hundeverbot in der "Reinacherheide" als wirksam zu Gunsten der Natur auswirkt, ist das erneute Erscheinen seltener Vogelarten, seitdem diese Schutzbestimmung vollzogen wird.


Dass die "Reinacherheide" mit Hunden nicht betreten werden darf, mag von den direkt betroffenen Hundefreunden/innen als Einschränkung empfunden werden. Dies ist verständlich. Einschränkungen sind generell nicht beliebt, aber sie sind unerlässlich, wo übergeordnete öffentliche Interessen auf dem Spiel stehen. Die zunehmend enger werdenden Raumverhältnisse in unserer Region verlangen vermehrte Rücksichtsnahme der Menschen untereinander und auch gegenüber der Natur. Darum gelten für das Naturschutzgebiet neben dem Hundeverbot noch weitere Schutzbestimmungen (z. B. Fahrverbot für Motorfahrzeuge) aus der Erkenntnis, dass die Natur hier Vorrang hat.


Die Volksinitiative schiesst übers Ziel hinaus, indem sie Privatinteressen als kantonale öffentliche Interessen ausgibt. Sie ist ausserdem unverhältnismässig, weil:


- genügend Erholungsräume in der Umgebung zur Verfügung stehen und auf 98% der Gesamtfläche der angrenzenden Gemeinden der Zutritt mit Hunden weiterhin erlaubt bleibt;


- die Birsufer zwischen Angenstein und Birskopf - mit Ausnahme der "Reinacherheide" - beidseitig mit Hunden begehbar sind;


- auch entlang des Naturschutzgebietes noch genügend attraktive Auslaufmöglichkeiten für Hunde bestehen. Mit dem geplanten rechtsufrigen Veloweg werden für Sparziergänger demnächst die heutigen Verhältnisse zusätzlich aufgewertet, indem neu auf der ganzen Länge des Naturschutzgebietes ein vom Radweg separat geführter Fussweg gebaut wird.


Wenn übergeordnete öffentliche Interessen privaten Interessen gegenüberstehen, ist es eine zentrale Aufgabe des Kantons bzw. der Behörden, die übergeordneten Interessen zu schützen. Im Falle der "Reinacherheide" stehen durch die eingereichte Volksinitiative nationale Schutzinteressen auf dem Spiel. Darum ist die Initiative sowohl aus naturschützerischen Gründen, als auch aus staatspolitischen Erwägungen abzulehnen.



Bienen-Ragwurz, eine seltene Orchidee


Erfahrungen und Untersuchungen belegen, dass der Wert eines Naturschutzgebietes nur mit einem konsequenten Vollzug gesichert werden kann. Darum beabsichtigen Kanton und Gemeinden, die bestehende Aufsicht in der Reinacherheide zu professionalisieren, indem für die Bevölkerung ein permanentes Informations-Angebot geschaffen werden soll.


Fortsetzung


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