"Heide-Hund" und Naturschutz gemeinsam

3. Vorgeschichte


Die "Reinacherheide" ist eine Natur-Oase mitten im stark besiedelten Birstal. Rund um das Naturschutzgebiet leben heute ca. 55'000 Personen. Obwohl nur wenige Wohnzonen direkt angrenzen, ist das Gebiet einem starken Erholungsdruck ausgesetzt. Jährlich nutzen rund 100'000 Personen die Heide als Naherholungsgebiet. Solange sich die Besucher an die Schutzvorschriften halten, kann das Naturschutzgebiet diese Belastung ertragen. Andernfalls entstehen grundlegende Konflikte mit den Schutzzielen.


Dass Hunde für Wildtiere einen erheblichen Störungs- bzw. Bedrohungsfaktor sind, ist wissenschaftlich klar belegt, insbesondere wenn Hunde die Wege verlassen. Weil die überwiegende Mehrzahl der Hundehalter/innen die Hunde frei in der "Reinacherheide" laufen liessen, entstanden von Anfang an Konflikte. Deshalb wurde 1976 von Naturschutzexperten verlangt, die wertvollsten Bereiche des Naturschutzgebietes einzuzäunen. Die 1979 vorgenommene Einzäunung einer Teilfläche wurde im selben Jahr aufgrund einer Pressekampagne und einer Petition an den Gemeinderat wieder entfernt. Daher erliess der Regierungsrat am 28. August 1979 eine Schutzverordnung mit Leinengebot für Hunde zum wirksameren Schutz der "Reinacherheide".


Trotz verstärkter Öffentlichkeitsarbeit und Aufsicht muss die Heidekommission feststellen, dass sich zwei Drittel der Hundebesitzer/innen in der "Reinacherheide" nicht an das Leinengebot halten. Weil im Naturschutzgebiet weitere Tierarten aussterben (insbesondere die bodenbrütenden Vogelarten), beschliesst der Regierungsrat am 7. September 1993 ein Hundeverbot (RRB Nr. 2233), das am 1. Oktober 1993 in Kraft tritt. Ab 1. Mai 1994 wird das Hundeverbot vollzogen. Gleichzeitig mit Vollzugsbeginn richten Kanton und Gemeinde Reinach einen Hunde-Rundweg entlang des Naturschutzgebietes ein. Die darauf ins Leben gerufene "IG Heidehund" reicht im Dezember 1994 beim Regierungsrat eine Petition ein mit dem Begehren, das Verbot für Hunde in der "Reinacherheide" wieder aufzuheben.


Von den eingereichten 2'501 Petitions-Unterschriften stammen deren 1'595 aus den ans Naturschutzgebiet angrenzenden Gemeinden. Dies entspricht einem Anteil von 2.9% der Wohnbevölkerung dieser Gemeinden. Trotzdem entschliesst sich die Bau- und Umweltschutzdirektion dazu, das Hundeverbot gründlich zu überprüfen. Dabei geht es um die Fragen nach Wert und Existenzfähigkeit der "Reinacherheide" sowie um die Verhältnismässigkeit des Hundeverbotes. Die beim Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), dem Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz der Universität Basel (NLU) sowie der Professur für Natur- und Landschaftsschutz der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) eingeholten Fachgutachten bringen folgende Ergebnisse:


- Die "Reinacherheide" ist ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung;


- Mit ihrer Grösse von rund 40 ha bietet die "Reinacherheide" für die meisten vorkommenden Tier- und Pflanzenarten genügend Platz für lebensfähige Populationen;


- Das Hundeverbot ist keine übertriebene, sondern eine begründete, angemessene und wirksame Schutzmassnahme.


Der Regierungsrat sieht sich deshalb in seinem Hundeverbot für die "Reinacherheide" klar bestätigt.


Eine Beschwerde gegen die Aufhebung des Velofahrverbotes auf dem Querweg hat ebenfalls zum Ziel, das Hundeverbot in der "Heide" aufzuheben. Der Regierungsrat tritt auf die Beschwerde nicht ein, weil das Hundeverbot nicht Gegenstand der verkehrspolizeilichen Anordnung ist (RRB Nr. 696 vom 12. März 1996). Am 27. November 1997 reichte Peter Brunner im Landrat eine mündliche Anfrage betreffend "Hundeverbot auf der Reinacherheide" ein und am 19. Februar 1998 das Postulat 98/042 "Reinacherheide und Hunde - gemeinsam im Interesse des Naturschutzes". Der Landrat lehnt das Postulat am 14. Mai 1998 mehrheitlich ab. Am 3. Februar 1999 unternehmen schliesslich die Initianten/innen der Volksinitiative einen ähnlich lautenden Vorstoss beim Bund (BUWAL) in Form einer juristischen Abklärung.


In allen Fällen bestätigten die jeweils zuständigen Instanzen des Bundes (BUWAL), des Kantons (Landrat und Regierungsrat) sowie der Gemeinde (Gemeinderat) das Hundeverbot, weil eine klare Rechts- und Sachlage zu Gunsten des Naturschutzgebietes besteht. Die am 6. Dezember 1999 eingereichte Volksinitiative "Heide-Hund" und Naturschutz gemeinsam" greift also kein neues Problem auf, sondern sie bildet das Endglied einer Kette von Vorstössen und Aktionen der Initianten/innen.


Zwischen 1995 und 1999 führte die Bau- und Umweltschutzdirektion verschiedene Gespräche mit Vertretern/innen der IG Heidehund bzw. des Initiativkomitees. Es fanden auch Begehungen im Naturschutzgebiet statt und am 8. September 1999 eine öffentliche Informationsveranstaltung in Arlesheim. Als Entgegenkommen erklärte sich die Bau- und Umweltschutzdirektion im Verlaufe der Verhandlungen bereit, beim Bau des geplanten Veloweges rechtsufrig der Birs neu eine durchgehende, separate Fusswegverbindung im östlichen Randbereich des Naturschutzgebietes zu schaffen. Dieses Angebot wurde jedoch von den Initianten/innen als ungenügend erachtet, weshalb sie sich schliesslich zur Einreichung der Initiative entschlossen.


Fortsetzung


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