2000-103 (1)

Landrat Mirko Meier, SD, reichte am 4. Mai 2000 die Interpellation betreffend Einsatz und Förderung der Computer- und Internettechnologien an den Baselbieter Schulen ein (2000/103). Die Interpellation hat folgenden Wortlaut:


"In der Schweizer Wirtschaft wie im Privatbereich ist der Einsatz von Computer und Internet ein zunehmend wichtiges Arbeits- und Freizeitinstrument. Computerberufe sind zudem bei der Jugend die neuen Traumberufe, während sich auf dem Arbeitsmarkt ein zunehmender Mangel an ausgebildeten und qualifizierten Informatikern zeigt. In vielen Ländern werden daher grosse Anstrengungen unternommen, um gerade auf der Schulstufe die neuen Technologien aktiver zu fördern und als modernes Grundlagenwissen zu vermitteln.


Auch im Baselbiet gehören Computer und Internet zur Standardausrüstung der Schulen, doch findet diese Technologie noch zu wenig Anwendung, vor allem in den ersten Schuljahren. Eine Minderheit von Jugendlichen kann sich zwar privat ein vertieftes Wissen aneignen, als Grundlage der modernen Technologiegesellschaft sollte dies aber allen Schülerinnen und Schülern möglich sein. Zudem gehören in vielen Berufen umfassende Kenntnisse der Computertechnologie zur Pflicht.


Ich bitte daher den Regierungsrat um die Beantwortung folgender Fragen:


1.) Nach welchen Schwerpunkten und Strategien werden die Schülerinnen und Schüler an den Baselbieter Schulen in den Bereichen Informatik und Internet ausgebildet?


2.) Wo stehen die Baselbieter Schulen bezüglich Informatik- und Internetunterricht gesamtschweizerisch und im internationalen Vergleich?


3.) Wieweit wird im Bereich der Informatik- und Internetschulung auch auf die Erfahrungen und das Know-how der regionalen Hochschulen abgestützt?


4.) Hat man im Baselbiet wie zum Teil in anderen Kantonen oder im Ausland, Sponsoring mit international führenden Unternehmen der Informatik, Telekommunikation, Internet und der Wirtschaft gesucht und wenn ja, mit welchen Erfolgen? Wenn Nein, aus welchen Gründen nicht?


5.) Wo zeigen sich zur Zeit entsprechende Schwachstellen im Bereich der Schulung und Anwendung im Informatik- und Internetbereich an den Schulen und mit welchen Massnahmen gedenkt der Regierungsrat hier zu reagieren?"




Der Regierungsrat beantwortet die Fragen wie folgt:


Zur 1. Frage: Nach welchen Schwerpunkten und Strategien werden die Schülerinnen und Schüler an den Baselbieter Schulen in den Bereichen Informatik und Internet ausgebildet?


Gestützt auf die Vorlage und den Antrag des Regierungsrates «Internet an den Schulen (1999 bis 2002)» vom 2. März 1999 (1999/038) und den entsprechenden Bericht der landrätlichen Erziehungs- und Kulturkommission, hat der Landrat an seiner Sitzung vom 20. Mai 1999 einen Verpflichtungskredit in der Höhe von 6 Millionen Franken, verteilt auf die Jahre 1999 und 2002, bewilligt. Gemäss Vorlage werden damit die Zusatzkosten für Internet an der Sekundarstufe I (inklusive je ein Pilotprojekt an der Realschule und der Sekundarschule), an den Berufsschulen und Gymnasien sowie für zusätzliche Fortbildungsmassnahmen und die Projektierung eines Bildungsservers finanziert. Ziele, Massnahmen und Mittel sind in der Internetvorlage des Regierungsrates dargestellt.


Gemäss Vorlage verfolgt der Regierungsrat das Ziel, allen Schülerinnen und Schülern ab Sekundarstufe I Zugang zum Internet und zu Multimediaarbeitsplätzen zu verschaffen, so dass sie diese Lern- und Arbeitsmittel stufengerecht nutzen und die mit diesen Technologien verbundenen Entwicklungen verstehen lernen. In der Berufsbildung sind überdies berufsspezifische Qualifikationen zu vermitteln.


Mit dem Verpflichtungskredit wird die erste Phase der Einführung des Internets ab Sekundarstufe I und die Durchführung von zwei Pilotprojekten an der Sekundarstufe I bis Ende 2002 abgedeckt. Die stufenübergreifend koordinierte Evaluation ab 2001 wird aufzeigen, wie weit die in der Vorlage skizzierten Zielsetzungen erreicht werden konnten. Auf der Grundlage der Ergebnisse sollen die Informatikkonzepte stufenübergreifend neu aufeinander abgestimmt werden. Die didaktische Nutzung der Informatikmittel und der Informatikunterricht sollen von der Sekundarstufe I bis Ende Sekundarstufe II aufbauend gestaltet werden. Dies heisst insbesondere auch, dass der Unterricht ab 10. Schuljahr an den Berufsschulen und den Gymnasien an die Grundbildung der Sekundarstufe I anschliesst und auf Wiederholungen verzichtet.


Inkünftig wird auch die Primarschule in diesen aufbauenden Unterricht einbezogen werden müssen. Gleichzeitig mit der Genehmigung des Verpflichtungskredites für Internet an den Schulen hat der Landrat den Regierungsrat beauftragt, eine "neue Vorlage zur flächendeckenden Einführung des Computers an Primarschulen" auszuarbeiten.




Zur 2. Frage: Wo stehen die Baselbieter Schulen bezüglich Informatik- und Internetunterricht gesamtschweizerisch und im internationalen Vergleich?


Im interkantonalen Vergleich steht der Kanton Basel-Landschaft bei der Mehrheit der Kantone, welche nach der ersten Einführung der Informatik ab Sekundarstufe I (6.-9. Schuljahr) Ende 80er Jahre nun auch das Internet generell und verpflichtend im Unterricht dieser Stufe integrieren und dafür zusätzliche Mittel einsetzen. Mit dem bewilligten Verpflichtungskredit kann diese Einführung ab Sekundarstufe I solide unter Einbezug zusätzlicher Fortbildungsanstrengungen erfolgen. Einzelne Kantone, vorab in der französischsprachigen Schweiz dann aber insbesondere auch der Kanton Zürich, unternehmen derzeit zusätzlich grosse Anstrengungen für den Einbezug von Informatik und Internet bereits auf der Primarschulstufe. Zu dieser Gruppe von Kantonen, die den fächerübergreifenden Einsatz des Computers als Hilfsmittel und Werkzeug zur Unterstützung des Unterrichts mit erheblichen Mitteln fördern, gehört der Kanton Basel-Landschaft gegenwärtig nicht. Ein abgeschlossenes und ausgewertetes Pilotprojekt für die Primarschule und die zu verzeichnende Eigeninitiative von Lehrpersonen und Gemeinden erlauben immerhin die Einschätzung, dass der Kanton Basel-Landschaft an der Primarschule im interkantonalen Vergleich nicht das Schlusslicht bildet. Insgesamt kann der Kanton Basel-Landschaft bezüglich Informatik und Internet an den Schulen in einer guten Mitte positioniert werden.


Gemäss 2. Bericht der Koordinationsgruppe Informationsgesellschaft (KIG) an den Bundesrat vom 16. Mai besteht in der Schweiz im internationalen Vergleich ein grosses Manko in der tatsächlichen Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und in der Befähigung der Gesellschaft zu ihrer Nutzung. Die Expertengruppe hat deshalb Sofortmassnahmen für das Bildungswesen mit einem Programm in der Höhe von 80 Millionen Franken für die Jahre 2001 bis 2004 gefordert und weitere Aktionen ab 2005 mit 75 Millionen Franken jährlich aus dem Ertrag der Goldreserven vorgeschlagen. Die Mittel sollen für die Lehrpersonenweiterbildung für die Informationsgesellschaft, die Bildungsinhalte im virtuellen Lernraum, die Mobilisierung bildungsferner Schichten und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit verwendet werden. Der Bundesrat hat am 10. Juli aufgrund dieses Berichtes eine "Bildungsoffensive" in Aussicht gestellt, allerdings die dafür erforderlichen Kreditbeschlüsse nicht gefasst oder eingeleitet.


Der internationale Vergleich im Schulbereich ist schwierig, weil der Stand der Schweiz oft nicht erfasst ist, die Entwicklung rasant vorangeht und deshalb die in Studien abgebildeten Realitäten jeweils aktuell nicht mehr zutreffen. Zudem sind die vergleichbaren Indikatoren häufig rein äusserlich wie die Integration in den Lehrplan, die Relation Schüler/innen pro Computer, die Verkabelung der Schulen oder die Internetanschlussquoten. Im neusten verfügbaren internationalen Vergleich der OECD zur Computerausstattung an den Schulen ist für das Jahr 1998 im Sekundarbereich eine Spannbreite von 35 Lernenden pro Computer in Portugal bis zu 6 bis 7 Lernende pro Computer in Norwegen, Schweden, Finnland, Neuseeland und den Vereinigten Staaten ausgewiesen (OECD: Bildungspolitische Analyse 1999. Paris 2000). Der Kanton Basel-Landschaft ist bezüglich Ausstattung mit rund 10 Schülerinnen und Schüler pro Computer auf der Sekundarstufe I (bei einer angestrebten Ausstattungsnorm von 2 bis 4 Computer pro Klasse) nicht zu dieser Spitzengruppe zu zählen. Die Ausstattung ist allerdings nur eine Voraussetzung für die pädagogisch-didaktische Nutzung der Informatikmittel. In erster Linie sind die Kompetenzen der Lehrpersonen zur wirkungsvollen didaktischen Nutzung dieser Medien und zur Vermittlung der erforderlichen Kompetenzen relevant. In die Fortbildung hat der Kanton Basel-Landschaft deshalb im vergangenen Jahrzehnt erhebliche Mittel investiert.


Ein wichtiges Instrument für die wirkungsvolle Nutzung der Informationstechnologien im Bildungswesen stellt der Bildungsserver dar, der für die Schulen didaktisch nützliche Informationen erschliessen hilft und schulische Inhalte mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten bereitstellt. Im internationalen Vergleich ist die Schweiz beim Aufbau eines Bildungsservers deutlich ins Hintertreffen geraten. Am 8. Juni 2000 hat die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) nun aber beschlossen, in Zusammenarbeit mit dem Bund einen schweizerischen Bildungsserver einzurichten. Keine Beschlüsse der EDK oder des Bundes gibt es derzeit im Bereich der kostenträchtigen Entwicklung von Inhalten für den Bildungsserver und von hochwertiger Lernsoftware. Angesichts der grossen Initiativen in anderen Ländern dürfte die Schweiz derzeit und in den nächsten Jahren keinen Spitzenplatz einnehmen. Mit Ausnahme von Nischenprodukten - wie das Umweltbildungsprogramm "Natur und Landschaft in der Region Basel" auf CD-ROM - ist aufgrund des erheblichen Entwicklungsaufwands weniger der einzelne Kanton als die interkantonale Ebene oder der Bund herausgefordert.




Zur 3. Frage: Wieweit wird im Bereich der Informatik- und Internetschulung auch auf die Erfahrungen und das Know-how der regionalen Hochschulen abgestützt?


Insbesondere im Bereich der Fortbildung der Lehrpersonen wurden und werden auch Sachverständige der Hochschulen verpflichtet. Weitere Kooperationen werden sich im Rahmen des angelaufenen Bundesprogramms "virtual campus" Schweiz und der Evaluation des Baselbieter Internetprojektes ergeben.




Zur 4. Frage: Hat man im Baselbiet wie zum Teil in anderen Kantonen oder im Ausland, Sponsoring mit international führenden Unternehmen der Informatik, Telekommunikation, Internet und der Wirtschaft gesucht und wenn ja, mit welchen Erfolgen? Wenn Nein, aus welchen Gründen nicht?


Das kantonale Projekt "Internet an den Schulen" sieht keine Finanzierung über Sponsoring vor. Damit ist aber nicht ausgeschlossen, dass Sponsoring für zusätzliche schulische Anliegen im Bereich der Informationstechnologie greifen kann. Die Erziehungs- und Kulturdirektion hat zu Handen ihrer Dienststellen, Ämter und Hauptabteilungen am 1. April 2000 Leitlinien für das Sponsoring in Kraft gesetzt, wobei bei den Schulen eine besondere Sorgfalt im Umgang mit Sponsoring, Fundraising und Werbemassnahmen angezeigt ist. Verhandlungen über besonders günstige Schulkonditionen für leistungsfähige Standleitungen und Providerdienste wurden bisher ohne nennenswerten Erfolg mit den Marktführern geführt. Ein Angebot - wie das der deutschen Telekom für Gratisanschlüsse - wäre natürlich willkommen. Die EDK hat - auch auf Antrag der Erziehungs- und Kulturdirektion des Kantons Basel-Landschaft - in Aussicht genommen, inskünftig verstärkt auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen u. a. durch Rahmenverträge mit Internetprovidern und Softwareunternehmen hinzuwirken.


In aller Regel sind die Dinge, welche die Schulen für den Unterricht mit neuen Medien wirklich benötigen, nicht gratis zu haben. Umgekehrt müssen Vorbehalte zur Öffnung der Schule als Werbefläche angebracht werden. Die zentralen und öffentlich festgelegten Bildungsanliegen werden deshalb weiterhin öffentlich über Steuergelder finanziert werden müssen. Die Zusammenarbeit mit Privaten und die Mitfinanzierung von Zusatzanliegen und Projekten werden im Rahmen sorgfältiger Vereinbarungen begrüsst. Z. B. ist der Beitrag der Paul-Schiller-Stiftung in der Höhe von Fr. 1,5 Millionen Franken zu Gunsten der ch-Stiftung für die Förderung des Jugendaustauschs und die Entwicklung und Verteilung der CD-ROM "Face a Face" ein willkommener Impuls von privater Seite.




Zur 5. Frage: Wo zeigen sich zur Zeit entsprechende Schwachstellen im Bereich der Schulung und Anwendung im Informatik- und Internetbereich an den Schulen und mit welchen Massnahmen gedenkt der Regierungsrat hier zu reagieren?"


Eine Evaluation der Einführung von Internet an den Schulen ist Teil des Internetprojektes und wird gegenwärtig vorbereitet. Bekannt ist, dass dem Geschlechteraspekt bei der Nutzung der Technologien besondere Beachtung geschenkt werden muss. Deshalb wird die Evaluation diesen Aspekt zu gewichten haben. Unter Einbezug der Erfahrungen und den Ergebnissen der Evaluation werden ab 2003 Massnahmen zur Optimierung greifen können.


Liestal, 8. August 2000


Im Namen des Regierungsrates
der Präsident: Koellreuter
der Landschreiber: Mundschin


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