Umfahrung von Laufen und Zwingen, Planungskredit

3. Begründung / Bedarf


Seit Jahrzehnten beklagen die Gemeinden Laufen und Zwingen den Durchgangsverkehr auf der Schweizerischen Hauptstrasse H18 (2) , der ihre Gemeinden mit Immissionen in Wohn- und Geschäftszonen belastet. Das Problem wurde bereits in den Fünfzigerjahren erkannt. Erste Lösungen mit einer Umfahrungsstrasse wurden vom Kanton Bern untersucht. Da das Gelände im Laufental und insbesondere im Raum Laufen coupiert und kleinräumig ist, bzw. die Flächen, die für den Strassenbau geeignet wären, stark besiedelt oder landwirtschaftlich genutzt sind, blieben die Lösungsansätze, z.T. mit mehreren Untervarianten, über die Jahre im Ideen-/Entwurfsstadium stecken.


Für die Gemeinden ist es wichtig und dringlich, das kantonale Strassenkonzept definitiv zu kennen. Die Gemeinde Laufen überarbeitet zur Zeit ihre Siedlungsplanung. Die Siedlungsentwicklung soll festgelegt und die Wirtschaft gefördert werden. Die Erschliessung mit optimaler Anbindung ans übergeordnete Strassen- und Bahnnetz von Gewerbe- und Industriezonen ist dabei von grösster Bedeutung. In der Landwirtschaftszone beider Gemeinden herrschen sehr komplizierte historisch gewachsene Eigentumsverhältnisse. Das Vermessungs- und Meliorationsamt hat den Gemeinden die Vorteile dargelegt, die ein Meliorationsverfahren mit sich brächte. In dieses langfristige Verfahren müsste auch eine Umfahrung von Laufen und Zwingen mit einbezogen werden. Auch für dieses Vorhaben ist eine rechtskräftig festgelegte Linienführung notwendig und dringlich.




3.1 . Einbindung in Planung / Konzept


Im Kanton Basel-Landschaft wurde am Beispiel der Schweizerischen Hauptstrasse H2 zwischen Liestal Zentrum und dem Anschluss Liestal an die Nationalstrasse A2 die Erfahrung gemacht, dass es bei einer Jahrzehnte dauernden Planungsgeschichte notwendig ist, sich von der Detailbetrachtung zu lösen und das Problem, ohne Vorurteile und unbefangen, auf der Stufe eines Konzeptes zu betrachten um die beste Lösung zu finden. Es wurde eine "Zweckmässigkeitsbeurteilung" nach bekanntem Muster durchgeführt.


Im Jahr 1995 beschloss der Landrat den Strassennetzplan der Region Laufental. Er enthält als Rückgrat die bestehende Schweizerische Hauptstrasse H18. Diese gehört zum Schweizerischen Hauptstrassennetz. Als Neubaustrecke enthält der Strassennetzplan den bereits vom Kanton Bern rechtskräftig beschlossenen Muggebergtunnel. In dieses Strassennetz im Laufental soll eine Umfahrung von Laufen und Zwingen eingebunden werden. Damit kann das Planungsvorhaben auch rechtlich verankert werden.




3.2 . Heutige Situation


Laufen hat eine Zentrumsfunktion. Es hat ausser dem Transitverkehr auch dementsprechend viel Ziel-, Quell- und Binnenverkehr. Eine Umfahrungsstrasse kann hauptsächlich den Durchgangsverkehr Basel - Delémont aufnehmen. Daneben sollte sie aber so gelegt und mit günstigen Anschlüssen versehen werden, dass möglichst viel des hausgemachten Verkehrs ebenfalls auf die Neuanlage verlagert wird. Die Immissionsgrenzwerte der Lärmschutz-Verordnung (LSV) sind entlang der H18 in Laufen z.T. wesentlich überschritten.


Die Gemeinde Laufen erarbeitet zur Zeit ein Leitbild, das sich auf die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung auswirkt. Die Siedlungsentwicklung soll festgelegt und die Wirtschaft gefördert werden. Die Erschliessung mit optimaler Anbindung ans übergeordnete Strassen- und Bahnnetz von Gewerbe- und Industriezonen ist dabei von grösster Bedeutung.


Zwingen leidet entlang des Strassenzuges Baselstrasse - Laufenstrasse (H18) ebenfalls unter regem Durchgangsverkehr Basel - Laufen - Delémont. In der Mitte dieses Strassenzuges mündet zudem die Passwangstrasse ein. Die Immissionsgrenzwerte der Lärmschutz-Verordnung sind an der H18 zum Teil wesentlich überschritten.


In beiden Gemeinden sollten die komplizierten historisch gewachsenen Eigentumsverhältnisse in der Landwirtschaftszone mit einer Gesamtmelioraiton bereinigt werden. Eine Umfahrungsstrasse muss in dieses Verfahren eingebunden werden.




3.3 . Künftige Situation und Ziele


Im Laufentalvertrag §109 wurde zugesichert, dass der Kanton Basel-Landschaft die Weiterführung der T18 (neu: Schweizerische Hauptstrasse H18) von Angenstein nach Liesberg mit Priorität der Ortsumfahrungen in sein Strassenkonzept aufnimmt. Konkret sind damit Umfahrungen von Grellingen, Laufen und Zwingen gemeint. Der Laufentalvertrag spricht hier ausdrücklich einerseits die Planung des übergeordneten kantonalen Strassennetzes und andrerseits die Prioritätenfolge bei der Realisierung von Umfahrungsstrassen an. Diesem Prinzip folgend wurde bereits die Ortsumfahrung von Grellingen vor dem Muggebergtunnel gebaut. Über den Zeitpunkt der Realisierung von Umfahrungsstrassen im Laufental macht der Laufentalvertrag keine Aussagen. Dieser muss im Rahmen des kantonalen Investitionsprogrammes festgesetzt werden und den finanziellen Möglichkeiten von Bund und Kanton entsprechen.


Um den Planungsaufwand in vernünftigen Grenzen zu halten, ist es die Aufgabe des Kantons, aus der Fülle von Lösungsideen (ca. 10 Situationen mit Untervarianten) jene 2, maximal 3 Varianten herauszufiltern, die am meisten Aussicht auf eine, umfassend betrachtet, "gute" Lösung zeigen.


Bei der Lösungssuche ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich alle Beteiligten über das Ziel einig sind, das mit dem Vorhaben zu erreichen ist. Für eine Umfahrung von Laufen und Zwingen lautet das Ziel:


Selbstverständlich kann dieses Ziel nicht zu 100% und um jedem Preis erreicht werden. Die wissenschaftlichen Beurteilungsmethoden werden helfen, als Bestlösung jene Variante zu finden, bei der die Umweltschäden, verursacht durch die neue Strasse, gesamthaft minimiert sind; dies bei Kostenfolgen (Investitionen und Betrieb), die von Bund und Kanton getragen werden können.




Grossräumige Zusammenhänge:


Grosse Sorgen machen sich die Laufentaler Gemeinden mit Durchgangsverkehr auf der Achse H18 wegen der Auswirkungen, welche die durchgehende Eröffnung (frühestens 2010) der Transjurane (A16) auf den Verkehr im Laufental haben wird. Auch im Landrat wurde das Thema der grossräumigen Verbesserung der Verbindung Basel-Delémont aufgenommen: Das Postulat 99/028 von Danilo Assolari verlangt u.a., dass sich der Regierungsrat für die Aufnahme der H18 Basel-Delsberg ins erweiterte Nationalstrassennetz einsetzt (dritter Juraübergang neben dem Bözberg und Belchen im Nationalstrassennetz). Ausserdem fanden Gespräche zwischen den betroffenen Kantonen Basel-Landschaft, Jura und Solothurn statt. Sie wurden auf Anregung des Kantons Jura aufgenommen, der aus Überlegungen der Wirtschaftsförderung die Strassenverbindung Delsberg-Basel verbessert sehen möchte. In einem ersten Schritt wurde eine Studie "Potentialabschätzung für die Strassenverbindung Basel-Delémont" erarbeitet: Mit dem erweiterten Gesamtverkehrsmodell der Region Basel wurde die Auswirkung der Transjurane auf die H18 Basel-Delsberg prognostiziert. Diese Studie kam zu den folgenden Resultaten:


- Trotz der Annahme einer überdurchschnittlich starken Entwicklung der Verkehrsnachfrage im Laufental und unter Berücksichtigung der Verkehrsverlagerungen durch die Eröffnung der Transjurane wird die Leistungsfähigkeit der heutigen Strasse zwischen Liesberg und Delémont für das prognostizierte Verkehrsaufkommen im Jahr 2020 genügen.


- Der Kapazitätsengpass der jetzigen H18 Basel-Delémont im Jahr 2020 liegt zwischen der Umfahrung Aesch und dem Eggfluetunnel (Ortsumfahrung Grellingen).


- Eine Zunahme der Verkehrsmenge zwischen Liesberg und Delémont über die prognostizierte Verkehrsmenge hinaus wäre nur möglich, wenn die H18 im Bereich Aesch-Grellingen vierspurig ausgebaut würde.


- Der Einfluss der prognostizierten Nachfragesteigerung auf die Verkehrszunahme im Laufental ist vier Mal grösser als die zu erwartende Verkehrsverlagerung von der Nationalstrasse A2 (Belchen) auf die neue Achse A16/H18.


- Da während der nächsten Jahrzehnte kein Ausbau der Strassenverbindung Liesberg-Delémont auf eine Hochleistungsstrasse zu erwarten ist, bildet die heutige Einfallsachse im Westen von Laufen eine verlässliche Randbedingung für die kleinerräumige Betrachtung der Umfahrungen von Laufen und Zwingen.


Die drei Kantone Jura, Basel-Landschaft und Solothurn haben am 28. Mai 2000 einen gemeinsamen Antrag an den Bundesrat gestellt, die Schweizerische Hauptstrasse H18 ins Schweizerische Nationalstrassennetz aufzunehmen. Dabei wären der Bau der Umfahrungen von Delémont sowie von Laufen und Zwingen als Etappen erster Priorität einzustufen. Diese übergeordnete Planung definiert die Funktion der Umfahrung von Laufen und Zwingen als nationale Hochleistungsstrasse mit Transitfunktion, wobei die regionale Anbindung der Gemeinden Laufen und Zwingen mit ihren Agglomerationen und Einzugsgebieten optimiert werden muss.




3.4 . Bisheriges Vorgehen / Planungsschritte


Laufen:


Zunächst wurden die zum grossen Teil vom Kanton Bern stammenden vorhandenen Akten und Umfahrungsstudien gesichtet. Eine Triage ergab noch 4 Lösungsansätze, die in einer ersten Phase der Zweckmässigkeitsbeurteilung ganz grob auf ihre Tauglichkeit hin geprüft wurden. Die Lösungsansätze sind definiert durch ihr unterschiedliches Anschlusskonzept (siehe Planbeilage):


- Variante Aktionskomitee (blau): Anschluss Süd und Nord an die H18, Anschluss für Industriegebiet (Stangimatt), Anschluss für Wohnquartier (Tschambol)


- Umfahrung Laufen und Zwingen (1970): Anschluss Laufen Süd an H18, Anschluss Laufen Ost (Anschluss Passwangzufahrt), Anschluss Zwingen Ost an H18


- Variante Laufen West (Tunnel): Anschluss Laufen Süd und Laufen Nord an H18


- Variante gelb: Anschluss Laufen Süd an H18, Anschluss Industriegebiet (Langmatt); Anschluss Bahnhofunterführung, Anschluss Naustrasse; Anschluss Laufen Süd an H18


Als erstes wurde mit einer Verkehrsanalyse untersucht, ob die vier Umfahrungsideen die erhoffte Entlastung des innerstädtischen Strassenzuges der H18 bewirken könnten. Diese Verkehrsanalyse hat belegt, dass - je nach Strassenabschnitt - tatsächlich eine Entlastung zwischen 30 und 70% des Verkehrs möglich ist.


Danach wurden die 4 Varianten auf ihre geometrische Machbarkeit hin untersucht und zudem einer ersten, sehr groben Beurteilung unterzogen. Die Variante gelb schied eindeutig aus, obwohl sie am wenigsten Investitionskosten erfordert hätte. Sie konnte nämlich dem Ziel, Laufen vom Durchgangsverkehr auf der H18 und den damit zusammenhängenden Immissionen zu befreien, nicht genügen. Die Variante gelb wäre sehr kleinräumig und würde die Probleme, insbesondere Lärm und Luftbelastung, innerhalb des Siedlungsgebietes von Laufen nur verlagern statt lösen. Die Entlastungswirkung auf der heutigen H18 wäre unbefriedigend. Ein Vollanschluss bei der Bahnunterführung liesse sich nur mit grossen Eingriffen bauen. Wegen prekärer Sichtverhältnisse müsste die Fahrgeschwindigkeit so tief gehalten werden, dass diese Umfahrungsstrasse für die Benützer unattraktiv würde.


Das Ergebnis dieser ersten Phase einer Zweckmässigkeitsbeurteilung wurde mit der Gemeinde Laufen diskutiert. Man einigte sich darauf, dass die verbleibenden 3 Lösungsideen (siehe Beilage: Varianten blau, rot und grün) als Grundlage für eine vertiefte Untersuchung weiterzubearbeiten seien.




Zwingen:


Die Gemeinde Zwingen hatte schon bei mehreren Gelegenheiten ebenfalls eine Umfahrungsstrasse gefordert.


In einer Diskussion zwischen Kanton und Gemeinde wurden die ersten Ergebnisse der Zweckmässigkeitsbeurteilung von Umfahrungsideen von Laufen und Zwingen diskutiert. Während in Laufen eine Fülle von Ideen vorlagen, war für Zwingen lediglich die oben erwähnte Grossumfahrung im Süden und Osten von Zwingen dokumentiert. In ihrer schriftlichen Stellungnahme schlägt nun die Gemeinde Zwingen zwei Umfahrungsideen vor (siehe Plan in der Beilage):


- Umfahrung Zwingen Nord (Tunnel): Aus Sicht des Verkehrs sieht diese Variante bestechend aus. Die Gemeinde weist aber auf mögliche Auswirkungen auf das Grundwasser hin. Zwingen gibt die besondere Lage und die regionale Bedeutung der Wasserversorgung zu bedenken. Sehr sorgfältige Abklärungen betreffend Geologie und Wasserführung müssten die Realisierbarkeit dieser Variante belegen.


- Umfahrung Laufen - Zwingen (1970): analog dem Entwurf der "Regionalplanungsgruppe Laufental-Thierstein", die in Zusammenarbeit mit dem Kanton Bern generelle Trasséstudien für die Weiterführung der damaligen T18 ab Kantonsgrenze BE/BL in Richtung Delémont ausarbeitete. Diese Studien führten zum Entwurf eines Generellen Projektes "Umfahrung Laufen - Zwingen - Grellingen" aus dem Jahr 1970.




3.5 . Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr


Wie in Kapitel 3.3 ausführlich erläutert, enthält der Laufentalvertrag (§109) den Auftrag, das Verkehrsproblem von Laufen und Zwingen mit einer Umfahrungsstrasse zu lösen. Der Kanton Basel-Landschaft hat sich verpflichtet, diesen Auftrag zu erfüllen.


Demgegenüber müssen Kanton (und Gemeinden) gemäss §1 des kantonalen Gesetzes zur Förderung des öffentlichen Verkehrs im Rahmen der Raumplanung vorrangig den öffentlichen Verkehr fördern "mit dem Ziel, die Erschliessung des Kantonsgebietes mit einem attraktiven öffentlichen Verkehrsmittel zu sichern und in bezug auf den Umweltschutz und die Volkswirtschaft ein möglichst gutes Verhältnis zwischen öffentlichem und individuellem Verkehr anzustreben."


Der Regierungsrat hat somit zwei Aufträge zu erfüllen.


Es ist zu erwarten, dass eine reine Strassenbaulösung den Modal-Split zu ungunsten der Bahn verschieben würde. Diese unerwünschte Entwicklung kann mit geeigneten flankierenden Massnahmen zugunsten von Bahn und Busbetrieben aufgefangen werden.


Zur Zeit laufen Verhandlungen zwischen Kanton und SBB für eine Verdichtung des Taktfahrplanes auf der SBB-Linie im Laufental bis Basel. Diese Verbesserungen erfordern den teilweisen Ausbau der SBB-Linie auf zwei Spuren (Doppelspurinseln). Der Zeithorizont dieser Bemühungen beträgt ca. 5 Jahre. Demgegenüber wird mit dem Bau einer Umfahrung von Laufen und Zwingen frühestens im nächsten Jahrzehnt begonnen. D.h. die beiden Vorhaben haben unterschiedliche Zeithorizonte. Der Ausbau des Bahnangebotes hat genügend Zeit zur Konsolidierung und soll ausserdem durch flankierende Massnahmen im Rahmen der Strassenbaulösung geschützt werden. Die flankierenden Massnahmen müssen integrierender Bestandteil des Strassenbauprojektes sein. Sie sollen so früh wie möglich, vorgängig zum Strassenbau, ausgeführt werden, damit sie ihre Wirkung vor Inbetriebnahme einer Umfahrungsstrasse entfalten und konsolidieren können.




3.6 . Weiteres Vorgehen, Projektperimeter


Wie aus der Planbeilage ersichtlich ist, liegen für Laufen drei Umfahrungsvarianten vor, die weiterverfolgt werden sollen. Für Zwingen sind es zwei Umfahrungsvarianten. Ausserdem ist es denkbar, dass einzelne Abschnitte bausteinartig zu weiteren Umfahrungslösungen kombiniert werden. Die vorgesehene Planung des Generellen Projektes Umfahrung von Laufen und Zwingen muss sämtliche Betrachtungen im Zusammenhang anstellen.


Der Projektperimeter umfasst räumlich das Gebiet zwischen einem Anschluss Laufen Süd an die Schweizerische Hauptstrasse H18 und dem Anschluss West der Umfahrung Grellingen (siehe Beilage). Für die Untersuchung der Auswirkungen einer Umfahrungsstrasse auf den öffentlichen Verkehr umfasst der Projektperimeter selbstverständlich das ganze Laufental.


Auf der anderen Seite ist es durchaus denkbar und erwünscht, dass die spätere Ausführung zum gegebenen Zeitpunkt in Etappen aufgeteilt werden kann. Die Etappen werden unter Berücksichtigung der Dringlichkeit der Probleme und der finanziellen Möglichkeiten von Bund und Kanton festzulegen sein.


Fortsetzung


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Fussnote:


2. Hauptstrasse H18: vormals Talstrasse (T18) bzw. Jurastrasse (J18)