2000-39

Landrat / Parlament


Postulat von Esther Maag: Einrichtung eines Ökozentrums an der Universität Basel



Geschäfte des Landrates || Hinweise und Erklärungen



Autor: Esther Maag, Grüne

Eingereicht: 10. Februar 2000


Nr.: 2000-039





Im Zusammenhang mit dem von der Novartis "zu günstigen Bedingungen" zur Verfügung gestellten Laborgebäude an der Mattenstrasse in Basel war die Rede davon, dass ein interdisziplinäres Zentrum für ökologische Wissenschaften errichtet werden soll. Die Forderung nach einem mit dem Biozentrum vergleichbaren Ökozentrum steht seit Schweizerhalle im Raum und ist nach wie vor aktuell.

Positiv ist festzuhalten, dass an der Universität 1991 die Stiftung MGU und 1992 das Institut Tür Natur-, Landschafts- und Umweltschutz (NLU) eingerichtet wurde. Damit ist aber kein dem Biozentrum vergleichbares Zentrum für interdisziplinäre ökologische Forschung entstanden.


NLU ist ein kleines, ins Departement Integrative Biologie eingegliedertes Institut und kann heute nur als Wahl- bzw. Nebenfach studiert werden. Das ursprünglich vorgesehene Nachdiplomstudium ist aus finanziellen Gründen nie verwirklicht worden.


Zum Vergleich: die Aufwendungen fürs Biozentrum (Bio 11) sind im Budget 2000 der Universität mit ca. 24 Mio, die Aufwendungen für die gesamte Integrative Biologie (Bio 1: Zoologie, Botanik, NLU) mit nur ca. 6 Mio veranschlagt.


Die kürzlich bekannt gewordene Absicht, NLU als einziges universitäres Institut an die Mattenstrasse auszulagern, bzw. in einem Industriebau von den anderen ökologisch orientierten Instituten zu isolieren, kann wahrlich nicht als Aufbau eines Ökozentrums verstanden werden.


Die Universität hat die "Life Sciences" zu einem ihrer Makro-Schwerpunkte erklärt. Das ist nachvollziehbar, denn ohne Zweifel wird die Biologie das 21. Jahrhundert durch ihre modernen Erkenntnisse entscheidend mitprägen. Weltweit wird heute viel Geld in die Molekular- und zellbiologisch orientierten "Life Sciences" investiert.


Demgegenüber stehen die Investitionen in die ökologisch orientierten "Life Siciences" in keinem Verhältnis, obwohl globale Umweltveränderungen und die Diversitätskrise als erstrangige Herausforderungen erkannt sind. Die molekular orientierte Forschung hat in Basel einen hohen Stellenwert, aber es existiert an der Universität beispielsweise keine nennenswerte Risikoforschung zu den ökologischen Auswirkungen gentechnisch veränderter Organismen und auch keine interdisziplinäre Forschung zur Beurteilung der gesellschaftlichen Auswirkungen moderner biotechnologischer Entwicklungen.


Die Universität ist nicht glaubwürdig, wenn die molekularen "Life Sciences" einseitig gefordert werden, ökologisch orientierte Forschung und Lehre Im Hinblick auf eine umweltverträgliche und nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung hingegen ins Abseits gedrängt wird. Wir bitten deshalb den Regierungsrat zu prüfen und zu berichten:


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