2000-30 (1)

Landrat / Parlament || Bericht vom 4. Mai 2000 zur Vorlage 2000-030


Bericht der Umweltschutz- und Energiekommission an den Landrat


Bewilligung der Verpflichtungskredite für den Bau eines Ableitungskanals für gereinigte Abwässer von der ARA Birs 2 in Birsfelden zum Rhein und für die Revitalisierung der Birs in diesem Abschnitt


Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen




Landratsbeschluss (Entwurf/Kommissionsfassung)
1. Ausgangslage

Die ARA Birs 1 in Reinach wurde 1964, die ARA Birs 2 in Birsfelden 1977 in Betrieb genommen. Aufgrund der rasanten Bevölkerungsentwicklung im Birstal war die Kapazität der Anlage in Reinach bereits sehr rasch erreicht. Seit 1978 wird darum ein Teil des Abwassers zur ARA Birs 2 in Birsfelden abgeleitet.


Die Birs wird durch die ARA Reinach mässig bis deutlich, durch die ARA in Birsfelden sehr stark belastet und beeinträchtigt. Die Situation wird dadurch verschärft, dass die Birs vor ihrer Einmündung in den Rhein als stark genutztes Naherholungsgebiet und sogar Badegewässer dient.


Bereits im Jahr 1985 forderte der Landrat Klaus Hiltmann aus Birsfelden eine Sanierung der Birs in diesem Abschnitt.


Eine in den Jahren 1994 und 1995 durch das AUE durchgeführte Zustandsbeschreibung der Birs zeigt deutlich auf, dass im unteren Teil der Birs dringender Handlungsbedarf besteht.




2. Vorlage


2.1 Ableitungskanal


Das AIB hat alle denkbaren Lösungsansätze zur Verbesserung dieser Situation geprüft und verschiedene Varianten in Machbarkeitsstudien durch drei gesamtschweizerisch tätige Ingenieurbüros bewerten lassen. Alle gelangten zum gleichen Schluss: Den grösstmöglichen Nutzen bei geringstem Aufwand schafft ein Ableitungskanal ab ARA Birs 2 direkt in den Rhein.


Die ARA Birs 1 würde demnach voraussichtlich aufgehoben und das gesamte Abwasser aus deren Einzugsgebiet über den bestehenden Ableitungskanal direkt in die ARA Birs 2 geleitet, welche bereits heute rund die Hälfte des Abwassers aus dem Einzugsgebiet der ARA in Reinach klärt. Das gesamte Abwasser kann in der ARA in Birsfelden auf ein Niveau geklärt werden, welches die Einleitbedingungen in den Rhein - als Vorfluter mit wesentlich grösserer Kapazität - erfüllt. Mit dieser Ableitungsvariante wird eine markante Verbesserung der Wasserqualität der Birs bis zur Mündung erreicht.


Das AUE als Aufsichtsbehörde beurteilt diese Variante in bezug auf die Trockenwettersituation ebenfalls als die beste Lösung. Für die Regenwassersituation wird zusammen mit den Gemeinden im Rahmen der Regionalen Entwässerungsplanung (REP) die Mischwasserproblematik angegangen. Ein erstes Rückhaltebecken, für welches bereits ein entsprechender Kredit gesprochen wurde, wird im Sommer in Betrieb genommen und für eine wesentliche Verbesserung bei Regenwetter sorgen.




2.2 Revitalisierung


Die Lösung mit dem Ableitungskanal bietet gleichzeitig die Chance, das Bachbett der Birs im Bereich zwischen der ARA Birs 2 und der Kantonsstrassenbrücke aufzuweiten und ihm etwas von seiner ursprünglichen Natürlichkeit zurückzugeben. Der verbleibende Platz zwischen Strassen und Häusern ist zwar nicht gross, reicht aber doch für eine Revitalisierung, die ein abwechslungsreich gegliedertes Flussbett mit tiefen Becken, Flachwasserzonen und vielfältigen wechselnassen Standorten beinhaltet. Eine solche Renaturierung schafft Lebensräume für verschiedene Wassertiere, Vögel und Pflanzen, sowie eine erhöhte Selbstreinigungskraft des Baches. Zudem können Hochwasser besser verteilt werden.




2.3 Kosten


Die Kosten für den Ableitungskanal belaufen sich auf brutto Fr. 10'212'500.-, für die Revitalisierung auf Fr. 7'100'375.-. Nach Abzug der Anteile des Kantons Basel-Stadt und der IWB (Verlegen Gas- und Wasserleitung) verbleiben für BL noch Fr. 4'340'850.-. Dabei sind noch rund Fr. 900'000.- Bundessubventionen zu erwarten. Damit bleibt für den Kt. Basel-Landschaft ein Kostenanteil von F. 3'440'850.-.


Auf die Abwassergebühren wirken sich die Betriebs- und Kapitalkosten mit Jahreskosten von ca. Fr. 554'000 aus, welche die Abwassergebühren theoretisch mit 3 Rp pro m 3 verbrauchtes Trinkwasser belasten würden. Seit 3 - 4 Jahren besteht ein Gleichgewicht zwischen Abschreibungen und Zinsbelastungen sowie Neuinvestitionen, sodass sich die Abwassergebühr durch diese Massnahmen kaum verändern wird.




3. Kommissionsberatung


Die Umweltschutz- und Energiekommission hat an zwei Sitzungen, am 20. März und am 17. April 2000, die Vorlage 2000/030 beraten. Anwesend bei den Beratungen waren RR Elsbeth Schneider, Hansruedi Bieri, Direktionssekretär, Walter Dinkel, Vorsteher AIB, Christoph Bitterli, Projektleiter des AIB, Marc Botomino, Leiter Abt. Wasserbau TBA, sowie Alberto Isenburg, Vorsteher AUE, und Felix Stierli, Leiter Abt. Abwasser AUE.


In einer angeregten Fragerunde wurden folgende Themen vertiefter diskutiert:

Da das Birswasser im neuen Ableitungskanal mit einem tiefen Rohr in den Rhein mündet, was eine schnellere Durchmischung mit dem Rheinwasser ermöglicht, wird sich die Situation für die Badenden beim Birsköpfli verbessern, obwohl die Qualität des Wassers die gleiche ist.


Das Birswasser ist durch Schwermetalle wenig belastet (vor allem kommunales Abwasser, wenig Industrie). Andererseits ist in der Birs bereits heute die Konzentration an Krankheitskeimen erhöht. Ebenfalls problematisch sind die endokrinen Stoffe wie z.B. Oestrogene, die mitverantwortlich sein sollen für die Abnahme der menschlichen Fruchtbarkeit. Diese Stoffe fliessen nach wie vor in den Rhein, entsprechen allerdings den Einleitbedingungen, das heisst, die Grenzwerte werden eingehalten.


In Zukunft sollte es möglich sein, die menschlichen Ausscheidungen nicht mehr einfach dem Wasser zu übergeben, sondern separat zu behandeln. Dies ist auch deshalb wichtig, weil der Aufwand, um diese Stoffe aus dem Wasser herauszufiltern, immer grösser wird. An der Eidg. Forschungsanstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) in Dübendorf läuft im Moment ein entsprechendes Projekt. Erste Denkansätze und Visionen wurden bereits publiziert.


Die Unterhaltskosten für den renaturierten Birsabschnitt werden über die laufende Rechnung des TBA finanziert. Hochwasser hat keinen negativen Einfluss auf die revitalisierten Gebiete. Jede Aue wird periodisch überflutet; dies ist sogar erwünscht und bedeutet eine oekologische Aufwertung.


Da die Birs bereits ab ARA Zwingen belastet ist und nach der ARA oft schaumig weisse Abschnitte beobachtet werden, wird nach geplanten Massnahmen gefragt. Die ARA Zwingen (ARA Laufental-Lüsseltal) wird gemäss Laufentalvertrag von einem Zweckverband betrieben. Heute ist die Kläranlage durch die Papierfabrik überlastet.


Gemäss Informationen des AUE ist ein zweistufiger Ausbau geplant, weil die Papierfabrik einerseits nicht in der Lage gewesen wäre, ihren Anteil von 2,2 Mio. Fr. an den Gesamtsanierungskosten von 6,5 Mio. Franken zu leisten, und weil andererseits der Weiterbestand der Firma nicht gesichert war. Ohne die Papierfabrik wäre die ARA nach einem Kapazitätsausbau massiv überdimensioniert gewesen. Die erste Investitionsphase wird dieses Jahr abgeschlossen; die zweite wird folgen, sobald die Überlebenschancen der Papierfabrik definitiv beurteilt werden können.


Die Umweltschutz- und Energiekommission ist sich bewusst, dass der Nutzen des Ableitungskanals einzig in der Entlastung der Birs zwischen ARA Birs 2 und der Mündung besteht. Sie weiss auch, dass für die Sanierung der Birs weitere Schritte folgen müssen; z. B. ein Ausbau der ARA Birs 2 und Verbesserungen bei Regenwettersituationen. Dass Gewässerschutz eine teure Umweltmassnahme ist, wird mit dieser Vorlage einmal mehr bestätigt.


Da bereits im Jahr 1985 auf die unhaltbare Situation am Unterlauf der Birs hingewiesen worden war, ist die Umweltschutz- und Energiekommission der Meinung, dass bald gehandelt werden muss. Deshalb spricht sie sich einstimmig - mit 9 : 0 Stimmen - für Eintreten aus.




4. Antrag


Die Kommission möchte, dass beim Landratsbeschluss, Ziffer 3, bei den Revitalisierungskosten auf die Bundessubventionen hingewiesen wird mit der Ergänzung:


«Von den voraussichtlichen Bundessubventionen in der Höhe von Fr. 900'000.- wird Kenntnis genommen.»


Die Umweltschutz- und Energiekommission beantragt dem Landrat einstimmig, dem Entwurf des Landratsbeschlusses mit der erwähnten Ergänzung zuzustimmen.


Allschwil, 4. Mai 2000


Im Namen der Umweltschutz- und Energiekommission
Die Präsidentin: Jacqueline Halder


Back to Top