2000-029_2.htm

Landrat / Parlament || Inhalt der Vorlage 2000-029 vom 8. Februar 2000


Erteilung eines Verpflichtungskredites für die Fortsetzung der Waldschadenuntersuchungen in den Jahren 2000-2003


Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen





2. Bericht

2.1 Ausgangslage


Die Walddauerbeobachtung hat sich in den letzten Jahren als unentbehrliches Instrument für die Überwachung der Waldgesundheit erwiesen. Ohne eine möglichst lange und vollständige Zeitreihe systematischer Kontrollen ist keine Aussage über Veränderungen möglich. Das einzelne Ereignis oder ein momentaner Zustand können schlecht bewertet werden. Die jährlich verschieden verlaufenden Klimaabläufe und die natürlichen Schwankungsbereiche in der Nährstoffversorgung sowie die teils noch unbekannten Reparaturmechanismen in der Lebensgemeinschaft Wald ergeben ein Mosaik von Fakten, aus dem noch keine klaren Schlüsse gezogen werden können. Um so näher liegt deshalb die Versuchung, Einzelereignisse zu dramatisieren oder zu verniedlichen. Für die klare Beurteilung einer Lage und der daraus zu schliessenden Folgerungen braucht es aber zuverlässige Unterlagen.


Die aus den letzten 16 Jahren gewonnenen Ergebnisse wurden periodisch veröffentlicht und dem Landrat und den Medien zugestellt. Der letzte Rechenschaftsbericht wurde von der Volkswirtschafts- und Sanitätsdirektion am 27. Mai 1999 verschickt.


Auf Stufe Bund entwickelte die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL seit 1992 ein Erhebungsprogramm zur langfristigen Erforschung von Waldökosystemen auf Dauerbeobachtungsflächen. Seitens des Bundes steht die Erfassung der Auswirkungen der Luftverschmutzung und der Klimaveränderung im Vordergrund. Das Schwergewicht wird dort liegen, wo aus nationaler Sicht die Probleme am grössten sind, nämlich die Versauerung der Böden, Klimaveränderung, Stickstoffeintrag und Ozonschäden. Gesamthaft wurden 17 Flächen in der ganzen Schweiz eingerichtet mit Schwergewicht in den Voralpen, Alpen und Alpensüdseite. Die Grossregion Jura geniesst im nationalen Netz keine Priorität. Sie ist mit einer einzigen Fläche am Bettlachstock vertreten.


Die früher jährliche Sanasilva-Inventur wird nur noch alle 3 Jahre auf einem 8 x 8 km-Netz durchgeführt. Um die internationalen Verpflichtungen zu erfüllen, wird in den Zwischenjahren auf dem „europäischen Netz" (16 x 16 km) der Zustand des Waldes ermittelt. Die kleine Datenbasis des reduzierten Netzes erlaubt aber keine Aussage über die Gesundheit des Schweizer Waldes. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Kantone des Mittellandes und des Juras für die Überwachung ihres Waldes auf ihre eigenen Beobachtungsflächen angewiesen sind, da der Bund mit seinen Fachleuten nur nationale und internationale Programme ausführt.




2.2 Ziel der Vorlage


Die Vorlage befasst sich mit einem Vierjahresprogramm vom 1. April 2000 bis 31. März 2004. Das Hauptziel besteht in der Sicherstellung der Kontinuität der bisherigen Untersuchungen. Die seit 1984 jährlich, einheitlich und methodisch einwandfrei erhobenen Kontrolldaten des Waldzustandes auf festen Flächen stellen eine einmalige Informationsbasis dar und rechtfertigen für sich eine Weiterführung der Beobachtungen.


Die bisherigen Ergebnisse legen nahe, dass neben der Waldschadeninventur und den epidemiologischen Auswertungen die Untersuchungen über Wurzelschädigungen weitergeführt werden sollten, da die Vitalität der Wurzeln für den Baum, seine Widerstandskraft und Stabilität von zentraler Bedeutung ist. Daneben sollen auch die für die Praxis wichtige erste Ausscheidung von Waldstandorten vorgenommen werden, die infolge ihrer Bodenbeschaffenheit durch rasche Versauerung waldfeindlich werden und einer besonderen waldbaulichen Planung bedürfen.


Die Aussagekraft solcher Untersuchungen ist nur gesichert, wenn über die Kantonsgrenze hinaus die gleichen Erhebungen getroffen werden. Deshalb ist wie in den letzten 16 Jahren vorgesehen, mit den Nachbarkantonen zusammen das gleiche Programm durchzuführen, wobei jeder Kanton seine Eigenständigkeit und seine Finanzierungsform bewahrt. Auf diese Weise gelangt der einzelne Kanton zu einer weit grösseren Aussagekraft der Waldbeobachtungen, ohne dass er für das ganze Programm selbst aufkommen muss. Der Bund beteiligt sich wesentlich in Bereichen von nationaler Bedeutung.




2.3 Gesetzmässigkeit, Finanzreferendum


Das Bundesgesetz über den Umweltschutz vom 7. Oktober 1983 (SR 814.01) hält fest, dass Menschen, Tiere und Pflanzen, ihre Lebensgemeinschaften und Lebensräume durch Luftverunreinigungen nicht gefährdet werden dürfen (Art. 14) und verpflichtet die Kantone auf den Vollzug des Gesetzes (Art. 36). Das Bundesgesetz über den Wald vom 4. Oktober 1991 (SR 921.0) beauftragt die Kantone in Art. 27.1 forstliche Massnahmen gegen Ursachen und Folgen von Schäden, welche die Erhaltung des Waldes gefährden können, zu ergreifen. Im kantonalen Waldgesetz (SGS 570) vom 11. Juni 1998 verlangt der Gesetzgeber in § 22, dass der Kanton den Gesundheitszustand des Waldes sowie die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten überwacht.


Aufgrund der bisherigen Untersuchungen muss angenommen werden, dass Luftverschmutzungen einen wesentlichen Einfuss auf die Gesundheit des Waldes haben. Das vorgesehene Beobachtungsprogramm stellt die Voraussetzungen für allfällige Schutzmassnahmen dar. Das Projekt zieht sich über eine Periode von 4 Jahren hin. Da die jährlich wiederkehrenden Ausgaben mehr als Fr. 50'000.- betragen, untersteht der vorliegende Entwurf eines Landratsbeschlusses gemäss § 31, Absatz 1 Buchstabe b der Kantonsverfassung (SGS 100) der fakultativen Volksabstimmung.




2.4 Erläuterungen zur Vorlage


Der Staat ist verpflichtet, den Gesundheitszustand des Waldes zu überwachen. Der kantonale Forstdienst verfügt aber weder über das notwendige Spezialwissen, noch über die Apparaturen. Es ist daher sinnvoll, diese Aufgabe Spezialisten ausserhalb der Verwaltung zu übertragen. Normalerweise wird eine Auftragsvergabe ausgeschrieben. Bei den bisher vorgenommenen Waldbeobachtungen wurde stets das gleiche Institut beauftragt, da eine Kontinuität der Beobachtungen die Aussagewerte entscheidend beeinflusst. Die jährliche Ansprache und Kontrolle der Bäume findet immer unter der Leitung und Kontrolle der gleichen Leute statt. Von den Bodenproben und Nährstoffanalysen wurde seit Beginn der Arbeiten eine Ausgangsmaterial-Datenbank angelegt, die jederzeit für Überprüfungen zur Verfügung steht. Bei einem Wechsel der Auftragnehmer müsste deshalb mit wesentlichen Einbussen in der Sicherheit der Aussage und mit dem Verlust aller Rückgriffsmöglichkeiten auf früheres Untersuchungsmaterial gerechnet werden. Im weiteren sprechen die Aufträge des Bundes, in welchen er das Institut für angewandte Pflanzenbiologie mit seiner Vertretung in verschiedenen Workshops der UN/ECE (United Nations, Economic Commission for Europe) betraut, für die Qualität des in unserem Kanton ansässigen Institutes. Schliesslich ist festzustellen, dass dieses als Mitglied der scientists community, in der Universitäten und Forschungsanstalten zusammengefasst sind, nicht mit Ingenieurbüros verglichen werden kann. Die publizierten Resultate unterstehen internationaler Kritik. Für diese Qualitätskontrolle muss der Kanton keine Abgeltung bezahlen.


Das interkantonale Walddauerbeobachtungsprogramm 2000 bis 2003 der Nordwestschweiz mit Teilen der Kantone Bern, Zug und Zürich dient zur fortgesetzten Überwachung der Waldgesundheit und ihrer Veränderungen. Die vorangegangenen Arbeiten der letzten Jahre haben nämlich gezeigt, dass sie nicht mehr so stabil ist wie früher und dass die Umweltbedingungen geändert haben.


Die Nordwestschweiz besteht aus dem Gebiet nördlich des Juras, das heisst hauptsächlich aus dem ganzen Kanton Basel-Landschaft, ferner aus dem Kanton Basel-Stadt, dem Schwarzbubenland (Kanton Solothurn) und dem Fricktal (Kanton Aargau).


Die Kantone Aargau, Solothurn, Zug, Zürich und Bern verwenden zwar das gleiche Beobachtungsprogramm, bearbeiten aber nur einzelne Teile ihres Kantonsgebietes. Aargau und Solothurn beschränken sich im wesentlichen auf ihre Gebiete nördlich des Juras als Ergänzung zum Baselbiet. Zug, Zürich und Bern können sich auf einzelne Teile ihres Kantons beschränken, da sie weitere Informationen von den Untersuchungen des Bundes in den Grossregionen Mittelland und Voralpen erhalten. Die geographische und klimatische Sonderstellung der beiden Basel verlangt ein eigenes Überwachungsnetz mit einer Anzahl Beobachtungsflächen, die eine gesicherte Aussage ermöglicht. Beim Unterschreiten der kritischen Menge an Beobachtungen wird die Aussage derart ungenau, dass der Aufwand für das Erreichte als zu hoch einzustufen ist.


Es ist nicht Aufgabe des Bundes, die regionale Überwachung des Waldzustandes durchzuführen. Dennoch beteiligt er sich an diesbezüglichen Arbeiten, soweit sie für die ganze Schweiz Bedeutung haben. Ferner betreibt er eine langfristige Waldökosystem-Forschung auf Dauerbeobachtungsflächen in der Schweiz , mit der die Grundlagen zum Verständnis von Veränderungen des Schweizer Waldes erarbeitet werden sollen. Der Bund betreibt heute 17 Beobachtungsflächen, eine einzige in der Region Jura am Bettlachstock. Auf der Juranordseite liegt keine Beobachtungsfläche des Bundes.


Das interkantonale Walddauerbeobachtungsprogramm 2000-2003 der Nordwestschweiz mit Teilen von Bern, Zug und Zürich sieht dagegen auf Teilgebieten der Schweiz jährliche Abklärungen auf 101 Dauerbeobachtungsflächen vor. Dabei werden die Erfahrungen der letzten 16 Jahre ausgenutzt und die spezifischen Fragen in den kooperierenden Kantonen bearbeitet. Neben den Felderhebungen wird auch ein Schwergewicht auf experimentelle Ursachenabklärungen von Veränderungen oder Schäden gelegt. Dieses Vorgehen hat sich bereits in den letzten Jahren in Fragen des Ozon- und Stickstoffeinflusses auf Waldbäume bewährt. Die beiden Gase gelten immer noch als Hauptrisikofaktoren für die Waldstabilität.




Das Walddauerbeobachtungsprogramm 2000 - 2003 setzt sich aus drei Modulen zusammen.


In Modul 1 werden die Waldzustandsverhältnisse auf heute 101 (respektive 23 in BL) Dauerbeobachtungsflächen überwacht und Veränderungen abgeklärt. Die Erfahrungen der letzten Periode haben eine Erhöhung der Flächenanzahl um 30 Einheiten für die Gewährung der Aussagesicherheit als nötig erscheinen lassen. Dabei werden bei Buche, Fichte, Eiche und Tanne (insgesamt ca. 10'500 Bäume) jährlich Kronenverlichtung und Kronenverfärbung aufgenommen, bei Buche und Fichte ausserdem Fruktifikation und Parasitenbefall. Im dritten Jahr werden Stammzuwachsmessungen bei allen Buchen und Fichten durchgeführt. Im vierten Jahr werden Triebe, zur Bestimmung des Trieb-zuwachses und der Nährstoffversorgung sowie weiterer triebbezogener Parameter, geerntet.


Über die Vitalität und Verteilung von Wurzeln sowie über chemische Prozesse in der unmittelbaren Umgebung der Wurzeln im Boden bei unterschiedlichen Verhältnissen sind nach wie vor grosse Wissenslücken vorhanden. Teilweise bestehen widersprüchliche Befunde über Beziehungen zwischen Bodenverhältnissen und der Wurzelvitalität. Aufgrund aktuellerer Daten soll weiter der Frage über Wurzelvitalität in Zusammenhang mit Kronenverlichtung, Wachstum und Nährstoffversorgung nachgegangen werden.


Das Modul 2 sieht vor, aktuelle Probleme im Baselbieter Wald ausserhalb der Beobachtungsflächen spontan zu bearbeiten. Auf diese Weise kann der Forstdienst bei plötzlich auftretenden Schädlingen rasch reagieren, um nach Möglichkeit grössere Schäden zu vermeiden.


Auch sollen in allen Kantonen erste Ausscheidungen von Waldstandorten vorgenommen werden, die auf Grund der Bodenbeschaffenheit bei Eintrag von Stickstoffverbindungen rasch versauern und für den Pflanzenwuchs schlechter werden. An solchen Orten wird eine besondere waldbauliche Planung und Pflege nötig.


In Modul 3 werden die bisherigen Ozon- und Stickstoffuntersuchungen im Auftrag des BUWAL weitergeführt. Messungen über Auswirkungen einer erhöhten Ozonbelastung sollen nun auch an Jungwuchs und ausgewachsenen Bäumen in den Beobachtungs-flächen durchgeführt werden.


Mit zunehmender Bodenversauerung ist eine Abnahme der Wurzelvitalität, der Wurzelpilzmenge und der Durchwurzelung des Bodens zu erwarten. Durch die Stickstoffgaben ist aber auch eine erhöhte Kohlenstofffestlegung im Sprossteil zu erwarten, was wiederum zu Instabilität führt.


Sowohl Ozon als auch Stickstoff wirken sich vor allem auf das Wurzelwerk negativ aus. In einem Negativbegasungsversuch in der Begasungsanlage Schönenbuch sollen Buchen und Fichten mit erhöhten Stickstoff-Gaben gedüngt werden und die Wurzelbildung, der Kohlenhydratgehalt in Spross und Wurzeln sowie pilzspezifische Inhaltsstoffe in den Wurzeln untersucht werden.


Fortsetzung


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