2000-29 (1)

Landrat / Parlament || Bericht vom 4. Mai 2000 zur Vorlage 2000-029


Bericht der Umweltschutz- und Energiekommission an den Landrat


Erteilung eines Verpflichtungskredites für die Fortsetzung der Waldschadenuntersuchungen in den Jahren 2000 - 2003


Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen




Landratsbeschluss (Entwurf/unverändert)
1. Einleitung

Aufgabe der Behörden und Verwaltung ist es unter anderem, der Umwelt Sorge zu tragen. Da der Wald rund 40 % der Fläche des Kantons Basel-Landschaft ausmacht und zudem als empfindliches Oekosystem auf Umwelteinflüsse rasch reagiert, ist seine Überwachung ein wichtiger Teil dieser Aufgabe.


Seit 16 Jahren führt das Institut für Angewandte Pflanzenbiologie (IAP) in Schönenbuch diese Untersuchungen durch, und zwar koordiniert mit den benachbarten Kantonen. Parallel dazu findet auch von seiten des Bundes durch die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) seit 1992 ein Erhebungsprogramm zur langfristigen Erforschung der Gesundheit von Waldoekosystemen statt. Dieses beschränkt sich aber auf Flächen und Regionen, in denen die Waldschäden aus nationaler Sicht am grössten sind und auch unmittelbare gravierende Konsequenzen haben (z.B. Schutzwälder in den Bergregionen). Stürme, wie Lothar nach Weihnachten, die auch in unserer Region massive Schäden zur Folge hatten, zeigen aber, dass auch bei uns Handlungsbedarf besteht.




2. Vorlage


Die Fortführung des Projektes Waldschadenuntersuchungen soll mit dem Verpflichtungskredit um weitere vier Jahre gewährleistet werden. Es geht unter anderem um die Grundlagenforschung für viele bis anhin unbekannte Wechselwirkungen im Lebensraum Wald. Angesichts der langen Wachstumszeiträume und der Komplexität der ablaufenden Prozesse im Wald können schleichende Veränderungen nur durch lange Beobachtungszeiträume erfasst und verstanden werden. In der Walddauerbeobachtung wird nicht nur der Zustand der Bäume untersucht, sondern es werden auch die Schadstoffeinträge, die Zusammensetzung der Krautschicht, der Boden, das Bodenwasser und die Bodenfauna erfasst.


Das IAP, das seine Untersuchungen in den letzten 16 Jahren in Zusammenarbeit mit und nach den Richtlinien der UN/ECE (United Nations, Economic Commission for Europe) durchführte, soll diese Aufgabe auch in den nächsten 4 Jahren übernehmen.


In der gesamten NW-Schweiz (7 Kantone) werden in 101 Dauerbeobachtungsflächen (davon 23 im Kanton BL) Erhebungen über die Gesundheit der Bäume durchgeführt. Dazu gehören Untersuchungen über Wurzelvitalität im Zusammenhang mit Kronenverlichtung, über Wachstum und Nährstoffversorgung (MODUL 1).


Akute Probleme, wie Schädlingsbefall, Pilzkrankheiten usw., die allenfalls ein erhebliches Schadenausmass annehmen können, sollen jeweils auf Anfrage der Forstkreise fallweise durch das IAP lösungsorientiert untersucht werden (MODUL 2).


Beim MODUL 3 geht es schliesslich um experimentelle Abklärungen in Feld- und Laborversuchen, welche die Beobachtungen im Wald ergänzen sollen. Der Schwerpunkt dieser Untersuchungen liegt in der Klärung der Zusammenhänge zwischen Wurzelwachstum, Sprosswachstum, Anfälligkeit für Krankheiten und Pilzbefall mit der Luftbelastung.


MODUL 1 und 2 fallen vor allem in den kantonalen Interessenbereich und werden deshalb finanziell vom Kanton BL mitgetragen. MODUL 3 ist von nationalem Interesse und wird vom Bund finanziert.




3. Kommissionsberatung


Die Umweltschutz- und Energiekommission behandelte die Vorlage 2000/029 betr. Erteilung eines Verpflichtungskredites für die Fortsetzung der Waldschadenuntersuchungen in den Jahren 2000 - 2003 anlässlich ihrer Sitzung vom 3. April 2000 in Anwesenheit von Herrn Reinhard Eichrodt, Vorsteher des Forstamtes beider Basel, sowie von Herrn Walter Flückiger und Frau Sabine Braun vom Institut für Angewandte Pflanzenbiologie in Schönenbuch. Da die Kommissionssitzung im IAP stattfand, bestand die Gelegenheit, im Anschluss an die Sitzung die Offenfeld-Begasungsanlagen und weitere Versuchsanlagen zu besichtigen.


In einem informativen Referat orientierte Herr Flückiger die Kommission über die Walduntersuchungen in den vergangenen Jahren, über die gewonnenen Erkenntnisse und über den aktuellen Zustand des Waldes.




3.1 Wie geht es unseren Wäldern?


Die Ergebnisse der jahrelangen Forschungsarbeit zeigen schleichende Veränderungen im Waldboden und in den Bäumen, die sich von blossem Auge nicht feststellen lassen, für den Wald jedoch Risikofaktoren darstellen. Zu hohe Stickstoffeinträge und Ozonkonzentrationen erweisen sich als die wichtigsten vom Menschen verursachten Belastungsfaktoren für den Wald. Ihre Wirkung reicht von unausgeglichener Ernährung, verändertem Wachstum, erhöhtem Parasitenbefall und Bodenversauerung bis zu verminderter Versorgung und Vitalität der Wurzeln. Die Wälder verlieren an Stabilität und werden empfindlicher gegenüber Trockenheit und Windwurf.




3.2 Nährstoffverhältnisse


Seit Untersuchungsbeginn verändern sich die Nährstoffverhältnisse im Laub der Bäume ziemlich stark. Während die Versorgung mit Stickstoff und Mangan zunimmt (Bodenübersäuerung), verringert sich die Phosphor-, Magnesium- und Kaliumzufuhr. Das führt zu einem Nährstoffungleichgewicht und damit zu einer Schwächung des Baumes. Die kritische Grenze des Stickstoffeintrags (critical load) liegt bei ca. 10 - 20 kg N/ha/Jahr. Langfristige Überschreitungen dieses Wertes haben eine irreversible Schädigung zur Folge, nämlich die bereits erwähnte Veränderung des Verhältnisses zwischen (oberirdischem) Spross- und (unterirdischem) Wurzelwachstum zu ungunsten der Wurzeln. Das bedeutet neben verminderter Stabilität der Bäume (Sturm Lothar!) auch eine verminderte Wasser-und Nährstoffaufnahme. Für die Schwächung der Bäume - vor allem der Wurzeln - ist auch das erhöhte Ozon verantwortlich. Der Transport der Nährstoffe von den Blättern in die Wurzeln ist bei hohen Ozon-Dosen gestört und verschlimmert sich über die Jahre.




3.3 Nutzen der Untersuchungen


Massnahmen im Wald können nur ergriffen werden, wenn die Ursachen der Probleme bekannt sind. Das Hauptproblem stellt heute eindeutig die Bodenqualität dar. Folgende praktischen Massnahmen sind wichtig:


- Wahl der Baumart je nach Bodenzustand


- Liegenlassen der Ernterückstände


- Beschattung des Bodens erhalten


Übergeordnete Massnahmen sind gegen den Stickstoffeintrag aus der Luft einzuleiten. Ein Drittel des Stickstoffs stammt aus Verkehr und Industrie, zwei Drittel aus der Landwirtschaft (Verdunstung beim Jaucheaustrag). Nach CH/EU-Vereinbarungen muss die Schweiz bis ins Jahr 2010 die Stickstoffemissionen im Bereich NO x um 50 % reduzieren, im Bereich NH y (Ammoniak) aber nur um 13 %, was der Problematik des Waldbodens nicht Rechnung trägt.




3.4 Anregungen der Kommission


Da es offenbar sehr wichtig ist, bei bereits verarmten Böden die Ernterückstände der geschlagenen oder gefallenen Bäume unbedingt im Wald zu belassen, um deren Nährstoffgehalt zu nutzen, empfiehlt die Umweltschutz- und Energiekommission den Waldverantwortlichen, die Spaziergänger anhand von Informationstafeln auf diese Tatsache aufmerksam zu machen. Damit sollte der Bevölkerung erklärt werden, dass ein Wald nicht «sauber» zu sein hat und dass herumliegende Blätter und Äste nicht etwa Schädlinge anziehen, sondern dem arg strapazierten Waldboden einen Teil der Nährstoffe zurückgeben.


Da der Stickstoffeintrag zu zwei Dritteln aus der Landwirtschaft stammt, möchte die Kommission dahin wirken, dass die Jaucheausbringung so verbessert wird, dass weniger verdampft. In den Niederlanden z.B. ist das «Güllen» mit Schleppschläuchen oder durch direkte Injizierung vorgeschrieben. Allerdings ist das ein nationales Problem, das noch einiger Abklärungen bedarf (Lufthygieneamt, Kosten) und deshalb nicht sofort gelöst werden kann, obwohl es im Hinblick auf die Waldgesundheit dringlich ist.




3.5 Eintreten


Eintreten auf die Vorlage war in der Kommission unbestritten. Nach allen Erläuterungen war auch klar, dass die begonnenen Waldschadenuntersuchen weitergeführt werden sollten, und zwar durch das Institut für Angewandte Pflanzenbiologie unter der Leitung von Prof. Dr. W. Flückiger. Die Erfahrung dieses Forscherteams, das auch im Auftrag des Bundes Untersuchungen durchführt, verspricht Kontinuität in den Beobachtungen.




4. Antrag


Die Umweltschutz- und Energiekommission beantragt dem Landrat einstimmig (mit 9 : 0 Stimmen), dem Entwurf des Landratsbeschlusses betreffend Waldschadenuntersuchungen in den Jahren 2000 - 2003, Verpflichtungskredit, zuzustimmen.


Allschwil, den 4. Mai 2000


Im Namen der Umweltschutz- und Energiekommission
Die Präsidentin: Jacqueline Halder


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