1999-252

Landrat / Parlament


Dringliche Interpellation der SVP- Fraktion: ADtranz AG



Geschäfte des Landrates || Hinweise und Erklärungen



Autor: SVP- Fraktion

Eingereicht: 25. November 1999


Nr.: 1999-252




Mit grosser Bestürzung mussten die Belegschaft der ADtranz AG und die Bevölkerung erfahren, dass die Werke in Pratteln und Oerlikon auf das Jahr 2001 geschlossen werden. Nicht verstanden wird, dass ein solcher Konzern seinen Entscheid auf solch kaltschnäuzige und arrogante Art zur Kenntnis gebracht hat. Von diesem Entscheid sind auch viele kleine und mittlere Unternehmen betroffen, die ihre Produktion auf dieses Werk ausgerichtet haben. Dieser unverständliche Entscheid kann so nicht hingenommen werden, ist doch die Existenz von 700 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kurz vor Weihnachten in Frage gestellt. Die fehlenden Informationen der ADtranz gegenüber der Bevölkerung und der Öffentlichkeit sind menschenverachtend und deshalb zu verurteilen. Der Schliessungsentscheid ist vor allem auch deshalb unverständlich, weil er ein Werk betrifft, das vor kurzem von der ADtranz selber als überdurchschnittlich produktiv eingestuft worden ist. Es lässt sich mit betriebswirtschaftlichen Überlegungen nicht begründen, ein produktives Werk zu Gunsten von unproduktiveren stillzulegen. Die Werkgrösse allein ist kein wirtschaftliches Argument. Es ist offensichtlich, dass hinter dem ADtranz-Entscheid in erster Linie nationale Überlegungen stehen. Das macht ihn für ein exportorientiertes Land wie die Schweiz umso gefährlicher. Die SVP-Fraktion begrüsst das Engagement der Baselbieter Regierung beim Kampf um den Fortbestand des Werkes Pratteln der ADtranz. Sie hofft, dass es gelingt den Entscheid der Konzernleitung rückgängig zu machen. Die Vorgänge legen aber auch nahe, die bisherige Wirtschaftspolitik zu überdenken und sich neu auszurichten. Dabei wird es darum gehen, den Standort Nordwestschweiz zu stärken, damit er für neue, innovative Technologien attraktiver wird.

Wir bitten den Regierungsrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:


1. Zielrichtung


- Welche Möglichkeiten sieht der Regierungsrat, die Konzernleitung von ADtranz umstimmen zu können?


- Ist der Regierungsrat auch der Ansicht, dass hinter dem Schliessungsentscheid nicht in erster Linie betriebswirtschaftliche Überlegungen stehen, sondern dass im wesentlichen politische, nationalistische Gründe den Ausschlag gegen Pratteln/Oerlikon gaben? Wenn ja, teilt der Regierungsrat die Auffassung, dass es dann noch schwieriger ist, die Konzernleitung umzustimmen?


- Teilt der Regierungsrat die Auffassung, dass eine Umwandlung des Werkes Pratteln in einen blossen Zulieferbetrieb für ADtranz angesichts der Voraussetzungen des Werkplatzes Schweiz (gutes Know-How, relativ teure Produktion) keine dauerhafte Lösung darstellt?


2. Koordination


- Inwiefern koordiniert der Regierungsrat sein Vorgehen mit dem Bundesrat, den eidgenössischen Parlamentariern der Nordwestschweiz und den Regierungsräten der Kantone BS, AG und SO?


- Inwiefern arbeitet die Task-Force mit den Kunden und potentiellen Kunden der ADtranz zusammen?


3. Schlussfolgerungen


- Teilt der Regierungsrat die Auffassung, dass die Auswirkungen von Betriebsschliessungen traditioneller Branchen dadurch verschärft werden, dass in der Schweiz und in der Region der Ansiedlung neuer und innovativer Technologien Widerstand erwächst und diese sich deshalb im Ausland niederlassen?


- Ist der Regierungsrat bereit, durch gezielte Massnahmen die Ansiedlung von Betrieben mit neuen und innovativen Technologien zu fördern?


- Erachtet es der Regierungsrat auch als angezeigt, eine permanente Organisation zu schaffen, die derartige oder ähnliche Entwicklungen frühzeitig erkennt und darauf professionell reagieren kann?


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