1999-147_4.htm

Landrat / Parlament || Inhalt der Vorlage 1999-147 vom 29. Juni 1999


Lärmschutzmassnahmen an den Kantonsstrassen in den Gemeinden Bottmingen und Oberwil


Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen





4. Das Projekt über die Abschnitte 2, 3 und 4

Das vorliegende Projekt (Abschnitte 2, 3 und 4 gemäss Beilage „Projektperimeter") umfasst noch nicht sämtliche Kantonsstrassen in Bottmingen und Oberwil. Vorläufig ausgenommen sind die Oberwilerstrasse in Bottmingen sowie ein längeres Teilstück der Binningerstrasse in Oberwil (Abschnitt 1 gemäss Beilage). Diese Projektierungsarbeiten sind noch im Gang. In diesem Abschnitt ist die Kantonsstrasse auch baulich und gestalterisch sanierungsbedürftig. Ein parlamentarischer Vorstoss (Motion 97/66 von Robert Ziegler vom 10.4.1997, überwiesen als Postulat) verlangte auf dem Strassenzug im Abschnitt 1 eine Temporeduktion auf durchgehend 50 km/h. Diese Temporeduktion sollte insbesondere auch eine Lärmreduktion bewirken. Die Abteilung Lärmschutz des Amtes für Raumplanung hat 1998 Kontrollmessungen (Vorher-Zustand) durchgeführt, damit die Wirksamkeit der Massnahmen (Nachher-Zustand) messtechnisch nachgewiesen werden kann. Aus der Diskussion um den Projektierungskredit für den Lärmschutz in Bottmingen und Oberwil in der landrätlichen Umweltschutz- und Energiekommission ging hervor, dass die Möglichkeit, mit Temporeduktionen Lärmschutz zu betreiben, dort geprüft werden muss, wo sie Aussicht auf Erfolg hat. Damit tatsächlich langsamer gefahren wird, muss das Erscheinungsbild der Strasse beim Autolenker den Eindruck wecken, die angepasste Geschwindigkeit betrage höchstens 50 km/h. Darum wird im Abschnitt 1 neben einer Basisvariante zu einem akustischen Projekt, das auf den heutigen Strassenquerschnitt und -verlauf abgestimmt ist, eine zweite Variante untersucht, die eine Redimensionierung der Kantonsstrasse - mit reduziertem Strassenquerschnitt, maximaler signalisierter Geschwindigkeit von 50 km/h und einem entsprechend angepassten akustischen Projekt beinhaltet. Diese Projektierungsarbeiten sind noch im Gang.

4.1 Grundlagen und Randbedingungen
Grundlage zu den Lärmsanierungen sind die in Kapitel 2.3 aufgeführten Dokumente, insbesondere der Lärmbelastungskataster und das Strassensanierungsprogramm der Gemeinden Bottmingen und Oberwil. Gemäss Art. 37 und 19 der LSV hat das Amt für Raumplanung, Abteilung Lärmschutz (Vollzugsbehörde der LSV im Kanton Basel-Landschaft) diese Dokumente erarbeitet. Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) hat die beiden Dokumente mit Brief vom 22. März 1994 genehmigt. Das genehmigte Strassensanierungsprogramm ist verbindliche Grundlage des Projektes. Es legt grob die Sanierungsmethoden fest. Im Projekt und damit vor der Bauausführung mussten die Verkehrsdaten aktualisiert und die daraus resultierenden Lärmschutzmassnahmen im Einzelfall überprüft werden.

4.2 Projektbeschrieb
Bei der Projektierung konnten die beauftragten Spezialisten von den Erfahrungen profitieren, die beim Projektieren und Bau der Lärmsanierungsmassnahmen in Binningen gesammelt wurden. Das Vorgehen hatte sich im grossen und ganzen bewährt. Anhand einer Manöverkritik wurde das Vorgehen in den Gemeinden Bottmingen und Oberwil verbessert. Ausserdem musste aber das Pflichtenheft für die Projektierungsarbeiten an Lärmschutzwänden erweitert werden. Die Arbeitsinstrumente konnten analog den bereits bewährten Hilfsmitteln für SSF aufgebaut werden.

4.2.1 Abschnitt 2
Gemäss dem vom Regierungsrat beschlossenen Strassenkorrektionsprojekt an der Bielstrasse in Oberwil ist eine Reduktion der signalisierten Geschwindigkeit von 60 km/h auf 50 km/h vorgesehen. Die damit verbundene Lärmpegelreduktion um ca. 1 dB(A) wurde im Rahmen der vorliegenden Projekte für Einzelobjekte berücksichtigt.

Der Abschnitt 2 umfasst 71 Objekte, bei denen laut SSP - wenn irgend möglich - Lärmschutzwände zu projektieren waren. 46 Liegenschaften können durch Lärmschutzwände geschützt werden. Die Lärmschutzwände erreichen in der Regel eine Höhe zwischen 2 und 3 m Höhe ab Terrain. Bei zwei Objekten können lärmempfindliche Räume mit Schallschutzfenstern geschützt werden, da der Alarmwert erreicht ist. Bei acht Objekten stellte sich die Realisierung einer Lärmschutzwand als nicht möglich oder sinnvoll heraus. Da die Lärmbelastung bei diesen acht Objekten aber wesentlich unter dem Alarmwert liegt, haben die Eigentümer - laut Bestimmungen Art. 14 und 15 LSV - keinen Anspruch auf die Vergütung von Schallschutzmassnahmen am Gebäude (Schallschutzfenster) durch den Kanton.

Bei zwölf Objekten liegt die Lärmbelastung laut aktualisiertem Strassensanierungsprogramm neu unter dem Immissionsgrenzwert.

Bei sieben Liegenschaften hatten die Eigentümer bereits auf eigene Kosten Lärmschutzwände erstellt. Es wurde ermittelt, dass bei fünf dieser Liegenschaften die Anforderungen für eine Kostenrückerstattung durch den Kanton erfüllt sind.

4.2.2 Abschnitt 3
In Abschnitt 3 wurden 81 Objekte untersucht. Dieser Abschnitt umfasst nur Objekte, für die im SSP Schallschutzfenster vorgesehen sind.
Laut Projekt werden rund 500 Fenster saniert. Die notwendigen Massnahmen wurden sorgfältig abgeklärt. Sowohl die Menge von Abbruchmaterial wie auch die Kosten wurden so tief wie möglich gehalten. Bei der Hälfte der Fenster ist der Einbau neuer Schallschutzfenster unumgänglich. Bei den andern lässt sich ein genügender Schallschutz mit „sanften" Massnahmen wie z.B. Ersatz der Falzdichtungen und Sanierung der Rolladenkasten erreichen.
Bei 22 Objekten sind laut Projekt keine Sanierungsmassnahmen notwendig.

4.2.3 Abschnitt 4
In Abschnitt 4 wurden insgesamt 92 Objekte untersucht.

Laut Projekt sind 72 Objekte mit Schallschutzfenstern auszurüsten. Bei einem Objekt zeigte der aktualisierte Lärmbelastungskataster, dass der Immissionsgrenzwert deutlich unterschritten ist und damit die Sanierungspflicht entfällt.

Bei 19 Liegenschaften war laut SSP zu untersuchen, ob eine Lärmschutzwand realisierbar sei und die erforderliche Lärmreduktion erreicht werden kann. Diese Abklärungen zeigten, dass bei drei Objekten die Sanierungspflicht entfällt.

Die verbleibenden 16 Liegenschaften werden mit sieben zum Teil über mehrere Parzellen verlaufenden Wänden geschützt. Diese Wände erreichen eine konstruktive Höhe (effektive Wandhöhe ab Terrain) zwischen 1.5 m und 3.5 m.

4.2.4 Unüberbaute, erschlossene Bauparzellen
Sowohl in Bottmingen wie auch in Oberwil gibt es entlang den Kantonsstrassen in den Abschnitten 2 bis 4 Bauparzellen, die heute noch unüberbaut sind und deren Lärmbelastung über dem Immissionsgrenzwert liegt. Der Kanton wird unter gewissen Umständen seinen finanziellen Beitrag an Massnahmen leisten müssen, welche die Lärmbelastung unter den Immissionsgrenzwert senken. Die geeigneten Massnahmen können aber erst im Rahmen eines Baugesuchs festgelegt und optimiert werden.

4.3 Raum- und Umweltaspekte
Bereits im Rahmen des Strassensanierungsprogrammes wurde vom zuständigen Amt für Raumplanung grob abgeklärt, wo sich Lärmschutzwände ins Ortsbild einfügen lassen. Das Tiefbauamt hat ausserdem in Zusammenarbeit mit der Vollzugsbehörde eine Kriterienliste aufgestellt, die darüber Auskunft gibt, in welchen Fällen gewichtige Gründe gegen eine Lärmschutzwand sprechen und darum auf dieselbe zu verzichten ist. Die Gründe, die gegen das Erstellen einer Lärmschutzmassnahme angeführt werden, müssen dem Sinne der LSV entsprechen.

Der beauftragte Architekt erarbeitete Gestaltungsvorschläge für freistehende Lärmschutzwände und Verkleidungen von Stützmauern in überbautem Gebiet. Er kommt zu folgenden Grundsätzen:

- Es muss das Ziel der Gestaltung sein, die Lärmschutzwände als untergeordnete Elemente in die Umgebung einzubinden.
- Die Lärmschutzwände sollen soweit wie möglich durch Bepflanzung cachiert werden. Der Grundsatz des Tiefbauamtes, Lärmschutzwände in der Regel etwa 1 m hinter der Strassenlinie zu erstellen, schafft die nötigen Bepflanzungsflächen. Eine dichte Bepflanzung auf der Rückseite der Wände wird die Akzeptanz durch die Anwohner erhöhen.
- Die Materialwahl, Beton oder Holz, richtet sich im Einzelfall nach den örtlichen Gegebenheiten.
- Hochabsorbierende Lavabetonelemente sollen mit schmalen vertikalen Rippen versehen und in Stahlstützen versetzt werden.
- Holzlärmschutzwände sollen in grossflächigen Holzrahmen zwischen Stahlstützen versetzt werden. Die Stahlstützen werden farblich an die Holzkonstruktion angepasst.
- Die Farbgebung der Wände folgt dem Grundsatz, die Wände möglichst unauffällig werden zu lassen. Konstruktionen aus Beton und Holz wirken in ihrer natürlichen Färbung am überzeugendsten.
- Massnahmen bei Liegenschaften, welche unter kantonalem Denkmalschutz stehen, werden in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege erarbeitet.

Fortsetzung


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