1999-126_3.htm

Landrat / Parlament || Inhalt der Vorlage 1999-126 vom 22. Juni 1999


Kantonale Psychiatrische Dienste, Liestal
Sanierung, Um- und Ausbau Haus 5; Vorprojektvorlage


Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen





3.3 Künftige Aufgaben und Ziele

3.3.1 Allgemeine therapeutische Ziele


Es sollen jene Hindernisse beseitigt werden, die zur Zeit einer therapeutischen Milieugestaltung im Wege stehen. "Kasernenartige" Unterbringung und zentrale sanitäre Anlagen laden zur Aufgabe der Selbständigkeit und zur Regression ein. Deshalb sollen antitherapeutische Raumbedingungen in therapeutisch förderliche Wohnsituationen übergeführt werden. Die Angebote der körperbezogenen Behandlungen werden in ihrer Effizienz und Entwicklungsmöglichkeit gestärkt, wenn sie mit hinreichend Raum und adäquater Einrichtung an einem Ort zusammengefasst werden.


3.3.2 Allgemeine betriebliche Ziele


Durch die vollständige Sanierung und einen bedürfnisgerechten Um- und Ausbau sollen alle angeführten baulichen und räumlichen Mängel behoben werden. Mit polyvalent nutzbaren und übersichtlichen Pflege- und Behandlungseinheiten wird erreicht, dass unterschiedliche Patientengruppen in einem adäquaten Milieu behandelt werden, welches ohne Luxus den gegenwärtigen und heute absehbaren therapeutischen Erfordernissen und Ansprüchen der Bevölkerung an einen Klinikaufenthalt genügt.


Die räumlichen Verhältnisse müssen auch ein flexibles Reagieren auf Veränderungen der Belegung, der Behandlungsbedürfnisse, bzw. des Leistungsauftrages ermöglichen.


3.3.3 Anforderungen an die künftige Nutzung


a) Vorgaben für die Pflegeabteilungen im Haus 5 :


- Die sechs Abteilungen (Erdgeschoss, 1. und 2. Obergeschoss von Haus 5) sind so umzubauen, dass sie durchgehend über Einer- und Zweierzimmer mit Nasszellen und über hinreichende Aufenthalts- und Nebenräume verfügen.


- Diese Vorgaben bedingen eine Kapazitätsreduktion , welche gemäss Konzept verantwortbar und ökonomisch sinnvoll ist. Gegenüber dem Bettenstand von 120 Betten (1.9.1999 Abschluss des Bauprojektes 3. Akutstation) sind nach der Gesamtsanierung noch 107 Betten vorgesehen.


- Die vier alten Abteilungen des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses sollen in gleicher Weise zu polyvalent nutzbaren Abteilungen umgebaut werden, d.h. sie müssen den Anforderungen der Akutpsychiatrie (Schliessbarkeit, Übersicht), der Alterspsychiatrie (Pflegeinfrastruktur, Aktivierung) und der Rehabilitationspsychiatrie (Wohnlichkeit, Gemeinschaft) genügen können. Mit geringem Zusatzaufwand muss sich eine Privatstation einrichten lassen.


- Die zwei Abteilungen im zweiten Obergeschoss werden zu Abteilungen, die für jede Art der offenen Führung vorgesehen sind.


Künftige Nutzung Haus 5: Total 107 Betten
(zum Vergleich: Ist-Zustand total 120 Betten, siehe Seite 8)

Alterspsychiatrische Abteilungen


Gemäss den Behandlungs- und Pflegeerfordernissen sind hauptsächlich folgende Gruppen vorgesehen:


- Aufnahme, Aktubehandlung, Krisenintervention für demente Patientinnen und Patienten.


- Rehabilitation bei Demenz in beginnendem oder mittlerem Stadium.


- Langzeitbehandlung für Demente mit schweren andauernden Verhaltensauffälligkeiten.


- Langzeitbehandlung für betagte Patienten mit chronischer psychischer Erkrankung, ohne
Demenz.


- Langzeitbehandlung für Patienten mit schwerstem psychoorganischem Handicap und
Verhaltensstörungen (z.B. bei fortschreitender neurologischer Erkrankung).


- Kurzfristige Entlastungshospitalisationen.


Rehabilitationsabteilungen


Will man im Haus 5 eine Privatstation einrichten, so geht das nur auf Kosten des Reha-Bereiches. Es bleiben noch 43 von den 57 Betten.


Der deutliche Kapazitätsschnitt ist ohne Nachteil für Patientinnen und Patienten nur realisierbar, wenn ausserhalb der Klinik genügend zusätzliche Heimplätze für psychisch Behinderte zur Verfügung stehen. Dabei stützt sich unsere Planung vor allem auf das Projekt des Vereins für Sozialpsychiatrie für ein drittes Wohnheim mit zwölf Plätzen im unteren Kantonsteil, wie es die Folgeplanung vorsieht.


Folgende Angebots-Gruppen sind vorgesehen:


- Erweiterte stationäre Abklärung.


- Rehabilitation mit psychotherapeutischem Schwerpunkt.


- Rehabilitation mit sozialpsychiatrischem Schwerpunkt.


- Langzeitrehabilitation bei schwerstem psychischem Handicap und bei Mehrfachbehinderungen
(voraussichtlich grösste Gruppe).


- Entlastungsaufenthalte.


b) Künftiges Zentrum für körperbezogene Therapien :


Die Ausgangslage ist von einem Nachholbedarf für den Bereich der körperbezogenen Behandlungen gekennzeichnet, der auch im Vergleich mit anderen psychiatrischen Kliniken sichtbar wird. (Kantonale Kliniken Münsingen (BE), Herisau (AR), Wil (SG) können als Referenz dienen.) Zudem gewinnen diese Methoden in den stationären Behandlungen zunehmende fachliche Bedeutung und sind von Patientinnen und Patienten besonders geschätzt. Dieses Argument erscheint für eine Privatabteilung besonders wichtig.


Die Infrastruktur für die körperbezogenen Behandlungen soll zeitgemäss ausgebaut und in einer Raumeinheit zusammengefasst werden. Damit erscheint dieser Bereich nicht mehr als Reihe verstreuter Aktivitäten, sondern als ein klar umrissener Behandlungsschwerpunkt mit fachlichem Entwicklungspotential und atmosphärischer Ausstrahlung. Eine erhebliche Wirkungssteigerung wird durch angemessene Raumstruktur und Synergieeffekte ermöglicht und erfordert kein zusätzliches Fachpersonal.


Diese Einheit kann in einer Zone des Sockelgeschosses (1. UG) untergebracht werden und sollte mit angemessener technischer Installation und Raumeinteilung folgende Funktionen umfassen:


- Bewegungstherapie, Gymnastik, Altersturnen, Turnierspiele (kann in einer Mehrweckeinheit
zusammengefasst werden).


- Physiotherapie als geschlossener Behandlungsbereich.


- Wellness.


- Nassbereich mit verschiedenartiger Nutzung für Physiotherapie, therapeutische Bäder etc.


- anschliessender Aussenplatz für Aktivitäten im Freien.


c) Kreative Aktivierung :


Sicher werden Aktivierung durch kreatives Werken und Kunsttherapie weiterhin ein obligater Bestandteil jeder stationären psychiatrischen Behandlung bleiben. Bei jeder heute denkbaren Ausrichtung wird auf allen Stationen Raum für Aktivierung benötigt, sonst ist die Polyvalenz nicht gegeben. Daneben braucht es in jedem Haus speziell eingerichtete Ateliers für diejenigen Patienten, die mit anspruchsvollerem Werken und künstlerischen Techniken gefördert werden sollen. Im Haus 5 braucht es für den Bereich der drei offenen Abteilungen und für den Bereich der vier polyvalenten Abteilungen je ein grosses Atelier mit flexibler Unterteilungsmöglichkeit. Ergänzend sind kleine Räume vorzusehen für Projektarbeit (inkl. musiktherapeutische Aktivität) in kleineren Gruppen.


d) Zukunft der Produktionswerkstätten (Beschäftigungsstätte BSV) :


Der allgemeine Bedarf an Plätzen in psychiatrisch spezialisierten Beschäftigungsstätten wird in absehbarer Zeit eher zunehmen, solange die freie Wirtschaft reduziert leistungsfähige Menschen in die Arbeitslosigkeit, bzw. die "geschützte Ökonomie" abdrängt.


Die hier zu betreuenden schwer Behinderten wären zwar kaum je an eine ungeschützte Arbeitsstelle zu vermitteln. Aber der Ausgrenzungsprozess im Arbeitsmarkt führt zu einem allgemeinen Druck im geschützten System, das dann zu geringe Kapazitäten aufweist.


Der Bedarf für stationäre Patientinnen und Patienten dürfte leicht rückläufig sein, weil die Zahl der Dauerpatienten, welche die Produktionsateliers nutzen, weiter sinken wird. Aber diese Menschen werden zum Teil in Heimen in der Umgebung wohnen und von dort aus diese Beschäftigung brauchen. Insgesamt darf man mit einem etwa konstanten Bedarf an Plätzen rechnen. Das Konzept einer internen, kleinen Beschäftigungsstätte hat sich bewährt. Es wird weiterhin für besonders leistungsschwache Behinderte, die in der Klinik oder bezüglich Selbständigkeit und geographisch kliniknahe leben, benötigt.


e) Entwicklung des Bedarfs an Büroarbeitsplätzen :


In Abschnitt 3.2.5 wurde aufgezeigt, dass bereits heute in der gesamten Klinik erhebliche zusätzliche Büroflächen benötigt werden: 9 Plätze.


Zudem sind Büroflächen, die zu Gunsten der Pflegeabteilungen in Haus 5 aufgegeben werden müssen, zu ersetzen: 17 Plätze.


Darüber hinaus bringt die künftige Entwicklung eine Intensivierung der Leistung mit sich, so dass trotz verringerter Pflegetage das ärztlich-therapeutische Personal vermehrt werden muss, während man mit einem - allerdings nicht proportionalen - Abbau an Pflegepersonal rechnen kann. Daraus ergibt sich zusätzlicher Bürobedarf: ca. 10 Plätze.


Für die Planung ergibt sich ein Bedarf von total 36 Büroarbeitsplätzen.


3.4 Bisherige Planungsschritte


Die bisherigen Planungsschritte der baulichen Entwicklung der Psychiatrischen Klinik basieren auf dem Psychiatriekonzept von 1980 und der darauffolgenden Ziel- und Gesamtplanung von 1990/91.


Ausser dem im Rahmen des Projektes "dritte Akutstation" ausgebauten Dachgeschoss und dem Mittelteil des 2. Obergeschoss ist das Haus 5 aus bautechnischer wie betrieblicher Sicht sanierungsbedürftig. Um bauliche wie betriebliche Massnahmen zu koordinieren, erstellte die Klinikleitung im Dezember 1997 ein Konzeptpapier über die "künftige Ausrichtung der Angebote der Kantonale Psychiatrischen Klinik im Hinblick auf den Umbau bzw. die Sanierung des Altbaus Haus 5." Auf dieser Grundlage wurde die Vorprojektplanung in Angriff genommen mit dem Ziel, im Haus 5 wieder einen baulich und betrieblich einheitlichen Zustand mit zeitgemässem Standard zu erreichen.


Im Laufe der Projektierung wurde ersichtlich, dass der Einbezug eines erweiterten Bedarfs an Infrastrukturen in den Bereichen Therapien, Beschäftigung und Büros nötig ist.


3.5 Alternativen


3.5.1 Projektvarianten


Vorgaben:


Grundlegend gilt der Leistungsauftrag gemäss genehmigten Psychiatriekonzept und dessen Folgeplanung.


Für alle Projektvarianten gleich bleibt die bauliche Vorgabe des neu ausgebauten Dachgeschosses im Haus 5. Dieses wird ohne bauliche Veränderungen weitergenutzt. Es beeinflusst mit seiner Aufteilung die statische und installationstechnische Struktur der tieferliegenden Geschosse.


Die bautechnische Sanierung (Gebäudehülle, Haustechnik, Brandschutz) von Haus 5 muss ebenfalls Bestandteil aller Varianten sein.


Variante ohne Neubauvolumen:


Bei einer Beschränkung des Projektes auf das Volumen von Haus 5 müsste eine starke Bettenreduktion gegenüber der Konzeptgrundlage in Kauf genommen werden. Anstelle einer Patientenstation müssten Büros eingerichtet werden. Zudem bliebe die beengte, unzureichende Situation des Therapie-/Ateliersbereiches im Sockelgeschoss ungelöst.


Der Leistungsauftrag der KPK kann ohne Neubauvolumen nicht gelöst werden.


Variante mit Neubauvolumen:


Um das künftige Leistungsangebot der Psychiatrischen Klinik abdecken zu können, müssen im Haus 5 vier polyvalent nutzbare Stationen mit je 16 Betten und drei offene Stationen mit 15 resp. 13 Betten entstehen. Aufgrund der Gebäudestruktur und Ausführung der Stationen in zeitgemässem Standard mit 1- und 2-Bettzimmern, Nasszellen und entsprechenden Flächen für Aufenthaltsräume finden auf den Bettengeschossen keine allgemein nutzbaren Büros (für Ärzte, Psychologen, Pflegedienst etc.) mehr Platz. Die Büros müssen deshalb ausgelagert werden.


Im Sockelgeschoss sollen die verschiedenen heutigen Nutzungen entflochten werden. Der vom Gebäude unabhängigste Bereich, die Produktionswerkstätten, soll zugunsten der Bereiche der körperbezogenen Behandlungen und der Aktivierungsateliers ausgelagert werden.


Mit einem Werkstatt- und Bürogebäude in unmittelbarer Nähe zu Haus 5 und 7 kann der Leistungsauftrag der KPK erfüllt werden.


3.5.2 Sektorisierung


Das Thema Sektorisierung wurde bereits in früheren Planungsphasen (Psychiatriekonzept, Folgeplanung) untersucht und die Vor- und Nachteile abgewogen. Zur Zeit hat die Einführung eines Sektormodelles aus Sicht der Klinik keine Priorität. Eine Sektorisierung ist aber im Rahmen eines allfälligen Auftrages zur Gesamterneuerung der psychiatrischen Versorgungsplanung ("Folgeplanung II") wieder genau zu evaluieren. Deshalb wurde beim Vorprojekt für Haus 5 darauf geachtet, dass die räumlichen Voraussetzungen für eine Unterteilung der Klinik in zwei oder drei Sektoren geschaffen werden. (Siehe Erläuterungen zur Sektorisierung im Anhang dieser Vorlage).



Fortsetzung


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