1997-202


Landrat des Kantons Basel-Landschaft


Motion: Weniger Stickoxidausstoss (NOx) beim Verbrennen von schwach halogenierten Abfalllösungsmittel (bis 1% Chlorgehalt) in nachgerüsteten Schlammverbrennungsanlagen



Zur Systematische Gesetzessammlung (SGS)


Zu Hinweise und Erklärungen







Abfalllösungsmittel sind in unserer Region ein in beträchtlichen Mengen anfallendes Abfallprodukt der chemischen Industrie. Hochchlorierte Lösungsmittel mit mehr als 1% Chlorgehalt zerstören die Metallteile von Schlammverbrennungsöfen und müssen daher nach wie vor in der Lösungsmittelverbrennungsanlage Schweizerhalle oder in der Regionalen Sondermüllverbrennungsanlage von Novartis verbrannt werden.




Die ab 1. Februar 1992 geltende neue Luftreinhalteverordnung (LRV) mit ihren deutlich verschärften Grenzwerten bezüglich Stickoxiden (NOx), Kohlenmonoxid (CO) und Staub erforderte eine technische Nachrüstung der Rauchgasreinigung bei den Schlammverbrennungsöfen von Pro Rheno AG. und der ARA Rhein.




Und Messungen bestätigten den Erfolg. Die NOx-Emissionen lagen 1996 bei Pro Rheno AG. um 55% unter dem Wert von 1992; der Emissionsgrenzwert von 80 mg/m3 wurde deutlich unterschritten. Auch bei ARA Rhein konnten die Grenzwerte eingehalten werden.




Bisher wurden die Schlammverbrennungsöfen in unserer Region mit Schweröl betrieben. Seit kurzem wurde ein Verbrennungsofen der Pro Rheno AG. als Pilotprojekt auf Lösungsmittelbetrieb umgerüstet. Der Ofen kann neu sowohl mit Abfalllösungsmittel als auch mit Schweröl gefahren werden. 400 Liter Lösungsmittel entsprechen etwa dem Heizwert von 200 Liter Schweröl. Der Erfolg ist vielversprechend. Auch im Lösungsmittelbetrieb werden die Grenzwerte deutlich unterschritten. Es ist davon auszugehen, dass nach erfolgreichem Abschluss dieses Versuchs sämtliche Schlammverbrennungsöfen von Pro Rheno AG. sowie der ARA Rhein auf Lösungsmittelbetrieb umgerüstet werden, was sich auch positiv auf die Abwasserrechnung auswirken dürfte und ein nicht mehr erneuerbarer Energieträger (Schweröl) nicht unnötig verheizt werden muss.




Nach meinen Kenntnissen richten sich die Entsorgungskosten von schwach halogenierten Abfalllösungsmittein nach dem Diktat der Zementwerke, obwohl für diese weniger strenge Emissionsgrenzwerte gelten, als für Schlammverbrennungsanlagen. Zementwerke können sich beim Verbrennen von Abfaillösungsmittel einen NOx-Ausstoss von bis zu 800 mg/m3 erlauben - bei Schlammverbrennungsanlagen jedoch muss der Grenzwert von 80 mg/m3 eingehalten werden.




Diesbezüglich ersuche ich den Regierungsrat, im Rahmen des Umweltschutzes dafür zu sorgen, dass bei künftiger Nutzung des vorhandenen Kontingents von schwach halogeniertem Abfalllösungsmittel prioritär die regionalen Schlammverbrennungsanlagen berücksichtigt werden und ein verzerrter Wettbewerb mit den Zementwerken verhindert wird.





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