v1990-252

Landrat / Parlament


Motion von Max Kamber: Änderung der Lohnklasse für Kindergärtnerinnen (Beamtengesetz)



Geschäfte des Landrates || Hinweise und Erklärungen



Autor: Max Kamber, CVP (P. Geiser, K. Hiltmann, P. Kuhn, O. Stöcklin, B. Weishaupt)

Eingereicht: 29. Oktober 1990


Nr.: 1990-252





Als Vater von drei Kindern, Ehemann einer Schulpflegepräsidentin und Gemeindeverwalter von Allschwil wurde ich während Jahren immer wieder mit den Freuden und Sorgen rund um den Kindergarten konfrontiert. Dabei wurde mir klar, was für hohen Anforderungen unsere Kindergärtnerinnen gerecht werden müssen.

Heute noch ist die Meinung verbreitet, die Kindergärtnerin sei eine Art "Spiel-Tante", eine bessere Kinderhüeti. Auch die Arbeitszeiten entsprächen nicht einer Vollzeitbeschäftigung. Wenn man aber die Anforderungen an den Beruf der Kindergärtnerin genauer ansieht, bleibt von diesen Vorurteilen nichts mehr übrig.


Die gesellschaftliche Bedeutung der Arbeit der Kindergärtnerin ist heute im Erziehungssektor unbestritten. Der Kindergarten leistet wertvolle Dienste zur Sozialisation der Kinder, hier wird grosse Vorarbeit zum Funktionieren der nachfolgenden Schulstufe geleistet; ohne die grosse Arbeit der Kindergärtnerin im Bereich der interkulturellen Erziehung und der Förderung der Deutschkenntnisse von Ausländerkindern wären diese unbestritten vorhandenen Probleme noch grösser. Gerade auf dem letztgenannten Sektor haben die Kindergärtnerinnen in den letzten Jahren grosse Arbeit geleistet, denn sie sind die ersten, die beim Eintritt der Kinder in den Kindergarten mit diesen fundamentalen Problemen konfrontiert werden. Heute weiss man auch, je kleiner die Kinder, desto grösser die Verantwortung, die der Betreuungsperson obliegt.


Damit die angehenden Kindergärtnerinnen in der Lage sind, diesen wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, wurde vor ca. 10 Jahren die Dauer der Seminarausbildung von 2 auf 3 Jahre erhöht. Doch diese verlängerte Ausbildung führte nicht zu einer Neuklassifizierung der Löhne der Kindergärtnerinnen.


Obwohl die Kindergärtnerin unbestrittenermassen ein notwendiger Bestandteil unseres Bildungssystems ist, wird dies in ihrer Entlöhnung keineswegs berücksichtigt. Die aktuelle Lohneinstufung zeigt zweifellos, dass es sich bei dieser Berufsgruppe um eine typische, unterbewertete Frauenfunktion handelt. Bei einer Überprüfung der geltenden Ämterklassifikation aus dem Jahre 1972 stellte sich heraus, dass diese Kriterien und Gewichtungen enthält, die sich für die Kindergärtnerin diskriminierend auswirken.


Da die Kindergärtnerinnen im Kanton BL Gemeindeangestellte sind, der Kanton jedoch die Besoldungsrichtlinien erlässt (RRV über die Lehrer/innenfunktionen vom 16.5.82 und Ämterklassifikation), beantrage ich dem Regierungsrat, die Kindergärtnerinnen neu in die Lohnklasse 14 einzustufen.


Das Begehren um eine besoldungsmässige Neueinstufung der Kindergärtnerinnen hat zum Ziel, dem verfassungsmässig garantierten Anspruch "Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit" zum Durchbruch zu verhelfen und somit diesen typischen Frauenberuf nicht länger zu diskriminieren.


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