v1990-243

Landrat / Parlament


Dringliche Motion von Ruth Heeb-Schlienger: Empirische Untersuchung in der kantonalen Verwaltung, im Schulbereich und in den Spitälern zur analytischen Arbeitsplatzbewertung sowie zur Neubewertung von typischen Frauenberufen



Geschäfte des Landrates || Hinweise und Erklärungen



Autor: Ruth Heeb-Schlienger, SP (U. Bischof, F. Deppeler, R. Frei, Dr. U. Halder, M. Hunziker, U. Kaufmann, R. Laube, K. Lauper, H. Portmann, Dr. E. Rüetschi, L. Schelble, H. Schwob, A. Strasser Köhler)

Eingereicht: 29. Oktober 1990


Nr.: 1990-243





Arbeitsbewertungssysteme sind nie streng objektiv.

Dass Arbeiten, die traditionellerweise hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden, schlecht bezahlt sind hat System. Der Grund liegt nicht darin, dass sich Frauenarbeit durch weniger Qualität, weniger Anforderungen oder eine geringere Belastung auszeichnen würde.


Im öffentlichen Dienst wirkt sich das beispielsweise bei der Arbeitsplatzbewertung aus: etwa wenn sogenannt weibliche Fähigkeiten und Fertigkeiten diskriminierend gewichtet und traditionell hauptsächlich von Frauen ausgeübte Berufe dadurch deutlich niedriger eingestuft werden als vergleichbare Männerberufe.


Diese Bewertungssysteme bilden Grundlage und Rechtfertigung für die niedrigen Löhne in typischen Frauenberufen - aber auch für eine nicht diskriminierende Einstufung. Bereits anfangs 1983 habe ich die Regierung darauf aufmerksam gemacht, dass selbst bei Anwendung von analytischen Arbeitsplatzbewertungsmethoden ein mögliches Diskriminierungspotential verbleiben kann.


Die Regierung bestritt dies dannzumal.


Die Vermutung, dass bei Berücksichtigung der lohnbestimmenden Faktoren Ausbildung, Berufserfahrung und Gesundheitszustand sowie bei Einbezug der unterschiedlichen Erwerbsquote von Frauen und Männern (Selektionskorrektur) immer noch eine Lohndifferenzierung besteht, hat eine Untersuchung von Prof. Kugler bestätigt und belegt.


Angesichts der jüngsten prozessualen Erfolge, die streitbare Frauen in Lohndiskriminierungssachen in verschiedenen Kantonen sowie vor Bundesgericht erzielten, stellt sich die Frage der Revison des Besoldungssystems und der Stelleneinreihungen bzw. Ämterklassifikationen vordringlich:


Für den Kanton entsteht nun zwingend ein Handlungsbedarf, (der meines Erachtens allerdings schon vor sieben Jahren bestanden hätte!)


Die analytische Arbeitsplatzbewertung beinhaltet - neben der Diskriminierungsmöglichkeit - auch Chancen. Voraussetzung ist jedoch, dass


- die Auswahl und Gewichtung der Anforderungsmerkmale keine Geschlechtsdiskriminierungen beinhalten,


- eine qualifizierte Kontrolle und Mitbestimmung der Beschäftigten und ihrer Vertreterinnen und Vertreter bei der Gestaltung und Durchführung der analytischen, aber auch der summarischen Arbeitsbewertungssysteme gewährleistet ist.


Auch die Regionalkonferenz der Regierungen der Nordwestschweiz anerkennt in ihrer Vernehmlassung zuhanden des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (Basel/Liestal 12. April 1989), dass öffentliche Arbeitgeber in Sachen Gleichstellung eine besondere Verantwortung tragen (Seite 8 der Vernehmlassung).


Die Unterzeichneten fordern deshalb eine Untersuchung zur bestehenden analytischen oder allenfalls summarischen Arbeitsplatzbewertung (Istzustand) sowie eine Neubewertung der zu gewichtenden Arbeitsmerkmale 1. bezüglich Auswahl und 2. bezüglich Gewichtung der beschriebenen Anforderungen unter Beteiligung der Beschäftigten sowie ihrer Vertreter, insbesondere der Vertreterinnen der Berufsverbände.


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