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Weiterhin Trockenschäden im Wald

24.06.2020

Aktueller Waldzustand und Mittel für den Wald im Klimawandel

Die Sommer-Trockenheit von 2018 verursacht weiterhin Waldschäden. Extreme Trockenereignisse wie jenes vor zwei Jahren werden in Zukunft häufiger auftreten und auf die Waldbäume wirken. Damit der Wald seine Funktionen für die Öffentlichkeit langfristig erfüllen kann, unterstützt der Kanton Massnahmen für die Waldpflege im Klimawandel. Auch Einwohnergemeinden und Waldbesitzende sind gefordert.

Der Blick in die Wälder zeigt aktuell viel Grün. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt abgestorbene Baumkronen, Flächen mit vertrockneten Fichten, abgebrochene Äste. Auch wenn der Juni bis jetzt eher kühl und regnerisch war, wirken die Schädigungen durch die Trockenheit im Sommer 2018 weiterhin. Bäume wachsen sehr langsam und können sich nicht einfach nach ein paar Regentagen regenerieren. So bewirkt eine starke Trockenheit wie 2018 noch zwei bis drei Jahre nach dem Ereignis eine erhöhte Mortalität der Bäume.

Aktueller Waldzustand
Dieses Wissen in Verbindung mit einer sehr ähnlichen Wetterentwicklung wie 2018 (starke Winterstürme sowie Trockenheit im März und April) liessen weitere grosse Wald-Schäden für dieses Jahr befürchten. Das Bild, das sich derzeit im Wald zeigt, ist aber nach Einschätzung der Waldfachleute besser als erwartet. Es sind bei den Laubbäumen wenige neue Schäden dazu gekommen und Buchen mit teilweise abgestorbenen Kronenteilen zeigen Ansätze der Erholung. Ob diese dauerhaft sind, wird sich noch zeigen. Die Beobachtungen der Förster werden durch Fernerkundungsdaten ergänzt: Mit Hilfe von Satellitendaten möchte man einen objektiven Überblick über das Ausmass der Mortalität im Zusammenhang mit der Trockenheit bekommen. Die aktuellsten Daten zeigen im Vergleich zu den letzten zwei Frühlingen keinen alarmierenden Zustand. Bei dieser Beurteilung bleiben jedoch noch Unsicherheiten. Eine Aussage wie: «Die Wälder der Region leiden gegenwärtig kaum unter Trockenstress» ist deshalb trügerisch. Der Zustand ist ausgesprochen labil. Nach wie vor sind die Nadelhölzer stark durch Borkenkäfer und die durch Trockenheit geschwächten Laubbäume durch andere Schadorganismen (z. B. Russrindenkrankheit und verschiedene Käfer) gefährdet. Für eine Entwarnung ist es deshalb zu früh, auch weil die heisstesten Monate noch bevorstehen. Die derzeitige Entspannung ist jedoch sehr willkommen. Sie ermöglicht, den Fokus auf die zukünftige Entwicklung und Ziele zu richten.

Wiederinstandstellung von Trockenschäden
Die Waldfunktionen zugunsten der Öffentlichkeit wie Schutz vor Naturgefahren, Wasserreinigung oder Erholung sollen langfristig erhalten bleiben. Der Kanton beteiligt sich deshalb an den Kosten für die Instandstellung von grösseren Waldschäden durch die Trockenheit 2018 oder als Folge des Eschentriebsterbens. Seit 2019 wurden rund 1.2 Millionen Franken an die Pflanzung von klimataug-lichen Baumarten wie Eichen, Linden, Speierlingen oder Elsbeeren und deren Schutz vor Wildverbiss an die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer ausbezahlt. Wo vorhanden und sinnvoll, wird die Naturverjüngung des Waldes gefördert und gepflegt. Aus ökologischen Gründen braucht nicht jeder abgestorbene Baum entfernt zu werden. Wir werden uns an ein Waldbild mit toten Bäumen gewöhnen müssen. Nicht immer sind es die Waldeigentümer, welche die Verantwortung für die Massnahmen tragen. Wenn es um die Sicherheit von Strassen oder Erholungseinrichtungen geht, liegt die Zuständigkeit häufig bei den Einwohnergemeinden und Werkeigentümern.

Herausforderungen für den Wald im Klimawandel
Eigentlich können intakte Ökosysteme mit den prognostizierten Temperatur- und Niederschlagsveränderungen umgehen, wenn genügend Zeit dafür zur Verfügung steht. Die erwartete Veränderung von drei bis vier Grad Erwärmung innerhalb der nächsten 100 Jahre verläuft für eine natürliche Anpassung des Ökosystems Wald aber viel zu schnell. Deshalb sind Massnahmen notwendig, welche die Anpassung an den Klimawandel beschleunigen. Dabei geht es in erster Linie darum, die vielfältigen Waldleistungen, beziehungsweise die Ansprüche der Bevölkerung, mittel- und langfristig sicherzustellen.

Für einen dauerhaften und vitalen Wald verfolgt der Kanton deshalb folgende Ziele: Eine hohe Baumartenvielfalt zur Risikoverteilung und die Förderung der Biodiversität, um für verschiedene Szenarien vorbereitet zu sein. Eine genetische Vielfalt der Bäume, um natürliche Anpassungsstrategien zu unterstützen. Eine vorzeitige Verjüngung, um genügend Platz für junge Bäume, wenig Wertverlust des Holzes und eine geringe Baum-Mortalität zu haben. Ein vitaler Wald, der mit verschiedenen Dynamiken «mithalten» kann.
Es gibt kein neues Waldsterbensszenario, aber das Waldbild wird sich mit dem Klimawandel verändern. Überstürztes Handeln ist nicht angesagt, es bleibt genügend Zeit zum Handeln für den Wald der Zukunft, wenn wir jetzt beginnen. Alle brauchen den Wald, sei als für Trinkwasser, als Schutz vor Naturgefahren oder zur Erholung, darum sind Investitionen in die Walderhaltung und die Sicherstellung der Waldleistungen essentiell.

Weiterführende Informationen: www.bl.ch/waldwandel

Ist es gefährlich in den Wald zu gehen? 

Wald ist ein Naturraum. Das unterscheidet ihn von Gärten und Parks und macht ihn auf seine Art besonders wertvoll. Wo «Natur im Spiel» ist kann keine vollständige Sicherheit gewährleistet wer-den. Herunterfallende Äste oder bei Wind umstürzende Bäume gehören zum Wald wie Zecken oder giftige Pflanzen. Wer also Erholung im Wald sucht, sollte dies selbstverantwortlich und im Bewusstsein der vorhandenen Risiken tun. Naturbedingte Unfälle und Vergiftungen im Wald sind glücklicherweise seltene Ereignisse. In Bezug auf die persönliche Sicherheit wird trotzdem empfohlen:

  • Auf den Wegen bleiben – die Bäume entlang von Waldwegen werden regelmässig geprüft.
  • Absperrungen respektieren und Umleitungen befolgen.
  • Vor dem Verweilen an einem Ort einen Blick nach oben richten und hängende oder dürre Äste in Baumkronen beachten.
  • Wald bei starkem Wind und Gewitter unbedingt meiden bzw. möglichst rasch verlassen.

> Medienmitteilung Amt für Wald beider Basel vom 24.6.2020

Für Rückfragen:
Ueli Meier, Vorsteher Amt für Wald beider Basel, Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD), 061 552 56 51 (erreichbar am 24.6.2020 ab 11 bis 15.30 Uhr)

Weitere Informationen.

Bild Legende:
Der für den Wald zuständige Regierungsrat Thomas Weber erläutert die Ziele des Kantons für den Wald der Zukunft. Dazu gehört die Förderung von Baumarten, die mit einem trockeneren und heisseren Klima zurecht kommen, wie beispielsweise Traubeneichen.
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Verena Walpen-Wolf, Präsidentin des Bürgerrats Pratteln, weist auf die Wichtigkeit der Information der Bevölkerung hin, damit Massnahmen wie Neupflanzungen verstanden und akzeptiert werden.
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Ueli Meier, Leiter des Amts für Wald beider Basel, zeigt ein Beispiel eines verjüngten Waldes mit vielen verschiedenen Baumarten.
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Stephan Burgunder, Gemeindpräsident von Pratteln, zeigt am Beispiel eines Grillplatzes die Aufgaben und Herausforderungen von Einwohnergemeinden im Bereich der Wald-Erholung. Zum Beispiel, dass die Feuerwehr zunehmend für Waldbrände gerüstet sein muss.
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Der Wald ist eine Verbundaufgabe: Vertreter von Kanton, Bürgergemeinde und Einwohnergemeinde haben unterschiedliche Rollen, die geklärt und eingespielt sein müssen.

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