Weiden in Baselland erstmals als Energieholz geerntet

24.03.2011
Das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain hat in einem Pilotversuch erstmals im Kanton Basel-Landschaft 1,6 Hektaren Weiden als Energieholz anbauen lassen. Heute wurden sie geerntet. Fachleute schätzen, dass pro Hektare Weiden 4000 Liter Heizöl ersetzt werden können. Weiden sind im Unterhalt anspruchslos und wachsen schnell nach.

Holz als nachwachsender Rohstoff für Wärme-Energie wächst üblicherweise im Wald. Diese CO2-neutrale Energie wird immer wichtiger – nicht erst seit der nuklearen Katastrophe in Japan. Das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion Basel-Landschaft hat darum bereits 2008 ein Pilotprojekt gestartet mit dem Ziel, Weiden auf Landwirtschaftsland anzubauen, um diese als Energieholz zu nutzen. Dieser schnellwachsende Rohstoff wird in Südschweden und Norddeutschland seit Jahren erfolgreich angebaut.

19'000 Weiden geerntet
Drei Jahre nach dem Start des Versuches ist heute auf einem 1,6 Hektaren grossen Feld der Münchensteiner Landwirte Stefan und Thomas Hofer die Ernte von fast 19'000 Weiden-Stecklingen eingefahren worden. Dazu setzten die Projektverantwortlichen einen speziellen Feldhäcksler aus Deutschland ein. Welche Energiemenge sich aus den Weiden produzieren lässt, ist derzeit schwer zu sagen. Fachmann Kurt Kym schätzt den Ertrag auf acht Tonnen pro Hektare und Jahr, womit etwa 4000 Liter Heizöl ersetzt werden könnten. Das Holzenergie-Unternehmen Kym (Bennwil und Diegten) liefert die geernteten Weiden an eine moderne Schnitzelheizung in der Region.

Weiden seien ziemlich anspruchslos an den Boden und würden hohe Säurewerte ertragen, sagt Kurt Kym. Sie seien weniger anfällig auf Krankheiten und Schädlinge. Im ersten Jahr mussten die Landwirte das Weidenfeld noch mit Pflanzenschutzmitteln vor Unkraut schützen, danach jedoch nicht mehr.

Noch nicht wirtschaftlich
Nach der Ernte treiben die Weidenstöcke wieder aus, so dass alle drei bis vier Jahre geerntet werden kann. Das gleiche Weidenfeld kann maximal während 20 Jahren genutzt werden. Der Anbau dieses Energieholzes ist noch nicht wirtschaftlich, da Weiden vom Bund nicht als beitragsberechtigte Kultur anerkannt sind – im Gegensatz zu Chinaschilf oder anderen nachwachsenden Rohstoffen.

Der Pilotversuch ist auf sechs Jahre angelegt und kostet 90'000 Franken. Das nächste Feld wird im April 2011 in Bennwil angesetzt. Das Projekt wird zu 75 Prozent finanziert von der Stiftung Sur la Croix, zu 15 Prozent vom Kanton Basel-Landschaft und zu 10 Prozent von der Firma Kym. Die Fondation Sur-la-Croix mit Sitz in Basel wurde 2001 gegründet und fördert innovative Projekte aus der Landwirtschaft. Sie führt zu Versuchs-, Forschungs- und Bildungszwecken einen Gutsbetrieb bei St. Ursanne im Kanton Jura.

Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion Basel-Landschaft, Informationsdienst

Auskünfte:
Pascal Simon, Landwirtschaftliches Zentrum Ebenrain, Sissach
Telefon 061 552 21 17 oder 079 457 41 43, E-Mail: pascal.simon@bl.ch

Liestal / Sissach, 24. März 2011