Moderne Gesamtmeliorationen verbinden landwirtschaftliche Produktion und Natur

06.04.2022

Grundlagen für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion schaffen und gleichzeitig für die Zukunft der Natur sorgen. Das ist das Ziel von modernen Gesamtmeliorationen wie jener in der Gemeinde Blauen. An einer Medienorientierung des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) konnten sich BLW-Direktor Christian Hofer und der Baselbieter Regierungspräsident Thomas Weber davon überzeugen, dass diese vielseitigen Zielsetzungen in der Gemeinde Blauen zukunftsweisend umgesetzt wurden.

Moderne Gesamtmeliorationen sind umfassende gemeinschaftliche Massnahmen. Sie bringen die Anliegen der landwirtschaftlichen Produktion, von Natur- und Landschaftsschutz wie auch der Raumplanung zusammen. «Solche Strukturverbesserungen sind wichtig für die Landwirtschaft von morgen. Sie schützen die natürlichen Ressourcen und sichern die Produktivität», hielt BLW-Direktor Christian Hofer fest. Die Gesamtmelioration Blauen umfasst 382 Hektaren in der Gemeinde Blauen und das Gebiet Blatten in Nenzlingen. In diesem Perimeter verbessert die Gemeinde Blauen seit 2006 sowohl die natürlichen Ressourcen wie auch die Produktivität der Landwirtschaftsbetriebe nachhaltig.

Die Anzahl der Grundbuchparzellen konnte auf weniger als einen Viertel reduziert werden. Viele Eigentumsverhältnisse wurden entflechtet, die Dienstbarkeiten reduziert und das Grundbuch aktualisiert. Für die Landwirtschaft ergab sich mit der Arrondierung von Eigen- und Pachtland eine Verbesserung der Produktionsmöglichkeiten, welche mit der Sanierung und Optimierung des Wegnetzes noch zusätzlich gefördert wurden. Eine letzte Bauetappe sowie die definitive Restkostenverteilung stehen noch an, bis dieses Jahrhundertwerk der Gemeinde Blauen abgeschlossen werden kann. «Die gute Zusammenarbeit ist der Schlüssel des Erfolgs. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement», hielt Christian Hofer weiter fest.

Ökologie: wichtiges Standbein der Gesamtmelioration
Die Erhaltung und Aufwertung von ökologisch wertvollen, naturnahen Flächen ist eines der Hauptziele einer modernen Gesamtmelioration. Im Blauen wurden die natürlichen Gegebenheiten von Anfang an miteinbezogen. Die Eigenarten der Kulturlandschaft wurden erhalten und gestärkt. Oberhalb des Dorfes wurden die vorhandenen Hochstammobstbäume durch Neupflanzungen ergänzt. Die Parzellen wurden Eigentümern und Bewirtschaftern zugeteilt, welche Interesse an der Nutzung und am Erhalt der Kirschbäume haben. Im Usserfeld wurde ein Vernetzungsstreifen für die Feldlerchen realisiert. Zudem wurde der Feuerwehrweiher saniert und ökologisch aufgewertet sowie das Usserfeldbächli renaturiert und mit einem Weiher ergänzt. Für sämtliche baulichen Eingriffe wurden ökologische Ersatzmassnahmen realisiert.

Alle ökologisch wertvollen Objekte wurden ins Eigentum der Gemeinde überführt und durch Aufnahme in den Zonenplan unter Schutz gestellt. «Der Kanton legt einen grossen Wert auf Wirtschaftlichkeit und gleichzeitig auf Ökologie und eine standortangepasste Bewirtschaftung», betonte Thomas Weber, Vorsteher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion Basel-Landschaft.

Partizipative Erarbeitung mit modernen Visualisierungstechniken
Die Melioration in Blauen wird von der Einwohnergemeinde und nicht von der Grundeigentümerschaft durchgeführt, wie dies vielerorts üblich ist. Viel Wert wurde auf den Einbezug der Bevölkerung gelegt. Erstmals bei einer Gesamtmelioration in der Schweiz wurde in Blauen zusammen mit der ETH Zürich eine Visualisierung für die Landschaftsentwicklung erarbeitet. Die Bevölkerung konnte sich so aktiv einbringen und zum Ausdruck bringen, welche Landschaft sie sich für Blauen künftig vorstellt. Der vorbildliche Einbezug aller Beteiligten und Interessengruppen zeigt sich auch darin, dass ein Grossteil der üblichen Einsprachen während eines Meliorationsverfahrens gütlich erledigt werden konnten.

Gesamtmeliorationen werden von Bund und Kanton gemeinsam unterstützt. Sie sind ein wichtiges agrarpolitisches Instrument für die Entwicklung im ländlichen Raum zur Förderung der Landwirtschaft und der Biodiversität. Die Gesamtmelioration in Blauen wird rund 4,4 Millionen Franken kosten. Rund 2,9 Millionen Franken übernehmen Bund und Kanton, die restlichen Kosten teilen sich die Gemeinden und die Grundeigentümer, welche zirka 12 Prozent der beitragsberechtigten Kosten zu tragen haben.