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Europapremiere im Kantonsspital Liestal

10.11.2008
Das Kantonsspital Liestal ist jetzt im Besitz eines ultramodernen Geräts, das auch bisher Verborgenes sichtbar macht und die herkömmlichen Diagnosemöglichkeiten bei verschiedenen Er­krank­ungen verbessert. Das Gerät, ein Siemens Symbia T16, ist das erste dieser Art, welches in Europa ausgeliefert wurde.

Die neue Technologie verbindet die Leistungsfähigkeit von SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography) mit der Präzision der Mehrschicht-CT (Computed Tomography). Mit dem neuen Siemens Symbia T16 mit integrierter SPECT-Kamera lässt sich auch bisher Verborgenes sehen und Krankheiten können noch vor deren sichtbarem Ausbruch erkannt werden. Zudem wird die Lebensqualität von Patienten, die durch Krebs oder Herzerkrankungen gefährdet sind, spürbar verbessert.

Herkömmliche diagnostische Verfahren können immer nur eine Momentaufnahme der „Baustruktur“ des Körpers darstellen, nicht aber die Funktionen des Körpers (z. B. Stoffwechsel). Dafür sind weitere Verfahren nötig. SPECT und SPECT-CT spüren Gammastrahlen auf, die aus radioaktiv markierten Verbindungen zur nuklearmedizinischen Diagnostik stammen. Dabei  werden Schnittbilder von einzelnen Organen oder des ganzen Körpers erzeugt. Bei SPECT-CT wird die SPECT mit anatomischen Informationen der diagnostischen Mehrschicht-CT in einem Gerät kombiniert. Man erhält also  in einer einzigen Untersuchung Aussagen über Funktionsstörungen, z. B. Knochenstoffwechsel, und deren genaue dreidimensionale anatomische Zuordnung.

Das bildgebende Verfahren von SPECT bildet vorwiegend die Funktion eines Organs oder Organsystems ab, im Gegensatz zu dem morphologischen bildgebenden Verfahren der CT, die hauptsächlich hochauflösende anatomische Strukturen zeigt. Während bei SPECT der leicht radioaktive Tracer in der Regel intravenös verabreicht und von aussen erkundet  wird, wird bei der Computertomographie der Körper von aussen mit Röntgenstrahlen durchleuchtet und die dadurch bedingte Schwächung in einem Bild dargestellt.

Da nuklearmedizinische Untersuchungen in der Vergangenheit oft zu anatomisch nicht eindeutigen Befunden führten (d.h. der Untersucher sieht zwar eine Abweichung von der Norm, kann sie aber nicht genau einer speziellen Körperstruktur zuordnen) stehen seit wenigen Jahren Kombinationsgeräte (Hybridgeräte) zur Verfügung, bei denen eine nuklearmedizinische SPECT-fähige Gammakamera mit einem mechanisch fest verbundenen Computertomographie-Gerät kombiniert wird. Dabei können in einem Gang ohne Umlagerung sowohl funktionelle, als auch anatomische Daten erhoben und in einem Bilddatensatz fusioniert werden. Dies verbessert die Anschaulichkeit und die Diagnose.

In der Orthopädischen Klinik des Kantonsspitals Liestal wird das SPECT-CT-Gerät immer mehr zum Standard für die rechtzeitige Diagnose von degenerativen Gelenkserkrankungen, wie z. B. der Arthrose im Bereich der Fussgelenke. Vor der Anschaffung des Siemens Symbia T16 standen hierfür das herkömmliche Röntgen sowie ein Computertomographie-Gerät und ein Magnetresonanztomographie-Gerät zur Verfügung. Diese Untersuchungsmodalitäten geben jedoch die Anfänge degenerativer Veränderungen im Knorpel nur beschränkt wieder. Die Fusion der Datensätze von Informationen über erhöhten Knochenstoffwechsel und dem hochauflösenden Computertomographie-Gerät erlaubt nun schon früh degenerative Veränderungen zu erfassen und damit eine frühzeitige,  gezielt konservative oder operative Therapie einzuleiten. Ein weiteres mögliches  Einsatzgebiet ist die Infektdiagnostik mit dem Ziel einer genauen Lokalisation der Ausdehnung von Infekten.

Markante Fortschritte in der Diagnostik dank der Kombination von SPECT und CT vermelden auch die Fachärzte der Kardiologie des Kantonsspitals Liestal.
Die SPECT-Methodik zur Diagnose von Durchblutungsstörungen im Herzmuskel wird seit Jahren weltweit angewendet und hat sich in der Alltagsroutine gut etabliert. Wie bei jedem diagnostischen Test bestehen auch bei der SPECT-Untersuchung Einschränkungen. Gerade bei übergewichtigen Patienten, welche meist auch ein erhöhtes Risikoprofil für Herzerkrankungen aufweisen, ist die Aussagekraft durch darüber liegende Weichteile problematisch und eingeschränkt. Da zum Beispiel die Hinterwand der linken Herzkammer durch das hoch stehende Zwerchfell überlagert wird, wird das Messsignal in diesem Gebiet häufig erheblich abgeschwächt, manchmal sogar vollständig aufgehoben. Dies kann zu Fehlinterpretationen führen. Der entscheidende Vorteil der Hybridtechnik besteht nun darin, dass durch den Einsatz der CT eine exakte Ausrichtung der Detektoren gelingt, wodurch  Falschmessungen erheblich verringert werden können. Die verbesserte Aussagekraft hilft dem Kardiologen den für den Patienten optimalen Behandlungspfad zu finden, um seine Langzeitprognose bezüglich einer Herzerkrankung zu verbessern.

In Zukunft kann durch die CT einerseits der Zustand der Herzkranzgefässe und ihre Verkalkung dargestellt und durch die Integration der SPECT-Untersuchung die entsprechende Gefässdurchgängigkeit abgebildet werden. Laufende und künftige Studien werden zeigen, dass nicht nur für das Auge schöne Bilder entstehen, sondern sich zum Vorteil des Patienten auch weitere klinische Anwendungen ergeben.

>>> weitere Bilder [PDF]

Weitere Informationen:
Ferdinand Thanhofer, Chef der MTRA-Equipe, Tel. 061 925 21 21
10. November 2008

Weitere Informationen.

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