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Naturstrukturen
Naturstrukturen

Zahlreiche Strukturen können naturnahe Gärten und Grünräume bereichern und einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten. Sie sind wichtige Trittsteine und ermöglichen die Vernetzung der einzelnen Kleinlebensräume im Siedlungsraum. Tiere finden dort auf ihren Wanderungen Schutz und Unterschlupf. Anders als im Offenland oder im Wald ist es im Siedlungsraum meist wichtig, eine Struktur so zu bauen, dass sie optisch schön aussieht und sich in die vom Menschen gestalteten Grünräume einpasst. Manche Strukturen, wie z.B. eine Trockensteinmauer, erfüllen eine Mehrfachfunktion: Sie ist Gestaltungselement, Sitzgelegenheit, Beobachtungsmöglichkeit und Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
Allgemein ist folgendes zu beachten:
· Die meisten Strukturen sollten an ungestörten Stellen angelegt werden, damit die Tiere nicht zu sehr gestört werden.
· Gewisse Strukturen sollten von zu starkem Bewuchs freigehalten werden, damit sie weiterhin den gewünschten Lebensraum bieten. Dazu gehören z.B. die Trockenmauern, Ruderalflächen und Sandlinsen oder Sandböschungen.
· Wo immer möglich können Ecken auch mal unaufgeräumt bleiben. Diese "Wilden Ecken" sind enorm wertvoll.
In unserem Kursgarten haben wir Beispiele dieser Strukturen angelegt. Sie können diese gerne jederzeit vor Ort anschauen.
Situationsplan Strukturengarten
Wir bieten auch Kurse im Bau von Naturstrukturen an:
Weitere Tipps für wildtierfreundliche Gärten
- Wilde Nachbarn beider Basel: Wildtierfreundlicher Garten
- Pro Natura Baselland: Igelfreundliche Gärten
Nachfolgend finden Sie Informationen zu Bau und Pflege der einzelnen Strukturen.
Reptilienburg

Eine Reptilienburg sollte in der Sonne liegen, denn die grob geschichteten Steine bieten wechselwarmen Reptilien, wie Eidechsen oder Blindschleichen, die Möglichkeit sich morgens aufzuwärmen. Steinhaufen bieten zudem Unterschlupf für Iltis, Igel oder Mäuse. In der mit Sand gefüllten Vertiefung können Reptilien ihre Eier ablegen und überwintern.
Holzstapel gedeckt

In den Zwischenräumen von klassischen Brennholzstapeln finden viele Tiere einen trockenen und windgeschützten Unterschlupf als Brutplatz oder zum Überwintern. Totholz ist ideal für viele holzfressende Insekten, wie Wildbienen, Wespen und Spinnen. Diese sind für Vögel, Fledermäuse, Amphibien und Reptilien eine wichtige Nahrungsquelle. Auch als Sichtschutz fördern Holzstapel die Biodiversität.
Wasserstelle / Tümpel / Teich

Naturnahe Wasserstellen oder Tümpel bieten Amphibien und Insekten einen wichtigen Lebensraum. Mit abgestuften Tiefenzonen, Uferstruktur und heimischen Wasserpflanzen entsteht ein ökologisches Gleichgewicht. Ohne Besatz von Fischen entwickeln sich Wasserinsekten, wie Libellen und Wasserläufer und siedeln sich Amphibienarten an. Zusätzlich dient der Tümpel als Trinkstelle.
Wildhecke aus einheimischen Sträuchern

Eine naturnahe Hecke besteht aus einheimischen, blühenden und fruchttragenden Sträuchern und Bäumen. Sie fördert Artenvielfalt durch unterschiedliche Vegetationszonen, bietet Nektar, Beeren, Schutz und Brutplatz und für Vögel, Insekten und Kleinsäuger. Mit wildem Krautsaum ist sie Lebensraum, Nahrungsquelle und ein wichtiges
Vernetzungselement im Siedlungsraum.
Käferwiege / Mullhaufen

Die Käferwiege ist eine speziell gestaltete Struktur zur Förderung von Totholz- und holzmulmbewohnenden (Gemisch aus zersetztem Holz und Kot) Insektenarten. Durch die Zersetzung von Totholz werden Nährstoffe frei, die in den Kreislauf zurückgeführt werden. Auch ein ungedeckter Komposthaufen mit genügend Holzschnitt kann als Mullhaufen angelegt werden.
Stehendes Totholz

Vertikal stehende, abgestorbene Holzstämme, dienen als Lebensraum für holzbewohnende Insekten, Pilze und Flechten. Vögel nutzen sie als Sitzwarte oder finden dort ihre Nahrung. Totholzstämme schaffen einzigartige Mikrohabitate durch ihre Struktur und Ausrichtung und tragen zur Vernetzung von Lebensräumen bei.
Steinhaufen

Steinhaufen aus grösseren und kleineren Steinen gehörten früher zum Landschaftsbild. Sie dienen als Versteck und Schlafplatz, mit einer Vertiefung auch als Eiablageplatz oder für die Winterruhe. Vögel jagen hier nach Käfer und Spinnen. Geeignet ist ein ungestörter Standort. Je nachdem, ob der Bereich sonnig oder schattig ist, profitieren andere Arten. Steinhaufen können auch mit Totholz kombiniert werden.
Nisthilfen

Die Schweiz zählt 220 Brutvogelarten, die teilweise auch im Siedlungsgebiet brüten. Viele Arten haben in den letzten Jahren stark abgenommen, weil alte Baumbestände und alte Häuser mit Nischen und Spalten verschwinden. Für diese Arten bieten unterschiedliche Nisthilfen einen Brutplatz. Sind zudem beerentragende Hecken und insektenreiche Blumenwiesen vorhanden, finden die Vögel auch genug Nahrung.
Trockenmauer

Trockenmauern bestehen aus übereinander geschichteten Steinen ohne Mörtel. Sie bieten zahlreichen Tieren Verstecke und Nistplätze, verbessern die Bodenstabilität und fördern das ökologische Gleichgewicht. Der Einsatz von Recyclingmaterial unterstützt zudem nachhaltiges Bauen und schont Ressourcen. In früheren Zeiten waren Trockenmauern fester Bestandteil des Landschaftsbildes.
Totholz liegend

Liegendes Totholz ist ein wertvoller Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Es bietet Unterschlupf und Nistplätze für Amphibien wie den Feuersalamander, Reptilien, Insekten und Vögel. Durch die Ansiedlung von Pilzen, Flechten und Moosen entstehen Artgemeinschaften mit komplexen Nahrungsketten, die zur natürlichen Zersetzung und Unterstützung der Bodenbildung beitragen.
Holzstapel ungedeckt

Ein ungedeckter Holzstapel besteht aus locker aufgeschichteten, unbehandelten Holzstämmen und Ästen, die offen der Witterung ausgesetzt sind. Die offene Bauweise fördert Sonnenwärme und Feuchtigkeitsregulierung, was ideal für wärmeliebende Arten ist. Diese Struktur schafft wertvolle Lebensräume für Insekten, Spinnen und Amphibien und trägt zur natürlichen Verrottung bei.
Benjeshecke

Beim Baum- und Heckenschnitt fallen Äste und Zweige an. Sie können zur Errichtung einer Benjeshecke verwendet werden. Sie ist eine gestalterisch vielseitige und ökologisch wertvolle Alternative zum einfachen Asthaufen. In der Hecke leben allerlei Insekten. Vögel, Mäuse, Igel sowie Amphibien und Reptilien finden hier Versteckmöglichkeiten und Nahrung.
Sandböschung

Sandböschungen sind ideale Nistplätze für zahlreiche Wildbienenarten, die ihre Nester in sandigem, lockerem Boden anlegen. Ein sonniger, geschützter Standort ist entscheidend für den Erfolg der Brut. In der Schweiz gibt es rund 600 Wildbienenarten, zu denen auch unsere Hummeln zählen. Wildbienen sind den Honigbienen zahlenmässig überlegen und für die Bestäubung unserer Nahrungspflanzen enorm wichtig.
Lebender Weidenzaun

Weiden sind einheimische Wildgehölze. Weidenkätzchen blühen früh im Jahr und sind deshalb besonders wertvolle Nektar- und Pollenlieferanten für Bienen, Schmetterlinge und viele weitere Insekten. Ein Zaun aus lebenden Weidenruten kann als Abgrenzung oder grüner Sichtschutz verwendet werden. Ein lebender Weidenzaun wächst weiter und braucht deshalb jährliche Pflege.
Dachbegrünung

Flächen, die am Boden fehlen können der Natur auf dem Dach zurückgegeben werden. Für kleine Flächen eignet sich eine extensive Dachbegrünung, die mit wenig Substrat und ohne künstliche Bewässerung auskommt. Sie bietet wertvollen Lebensraum für flugfähige Tiere und fördert ein gutes Mikroklima. Trockenresistente Pflanzen wie Moose, Fetthennen, Dachwurze oder Kräuter eignen sich hier sehr gut.
Weidenpavillon

Ein Weidenpavillon schafft einen kühlen Rückzugsort auf Grünflächen und lässt sich mit etwas Geschick leicht selber anlegen. Er besteht aus zusammengebundenen Weidenruten, die austreiben und bald darauf ein grünes Dach bilden. Er liefert dank seiner früh blühenden Weidenkätzchen wertvolle Nahrung für Insekten im zeitigen Frühjahr, wenn das Blütenangebot noch mager ist.
Ast-Laubhaufen

Ein Ast-Laubhaufen ist eine naturnahe Struktur aus Laub und Ästen. Er bietet Versteck und Nistmöglichkeit für Wildbienen, Käfer, kleine Säugetiere, Reptilien und Vögel. Der Standort sollte ungestört sein. Grosse Mengen an Laub isolieren den Unterschlupf gegen Kälte und Feuchtigkeit und machen ihn als Winterquartier für den Igel geeignet.
Triste aus Heugrad

Tristen waren eine traditionelle Möglichkeit, Heu für den Winter aufzubewahren. Auch im Siedlungsraum kann Schnittgut so genutzt statt entsorgt werden. In Tristen finden unzählige Tierarten Unterschlupf und Schutz vor Feinden. Da nur die äussere Schicht nass wird, bleibt das Innere immer schön trocken und warm.
Wildbienenhaus

Durch zunehmende Bebauung und aufgeräumte Gärten verschwinden die natürlichen Lebensräume für Wildbienen. Dabei kommt ihnen eine ökologische Schlüsselrolle zu, denn sie bestäuben unzählige Wild- und Nutzpflanzen. Ein Wildbienenhaus dient den Hohlraumnistern, die auf bereits vorhandene Gänge angewiesen sind. Das Haus sollte in der Nähe von blütenreichen Lebensräumen stehen.
Ruderalfläche / Trockenstandort

Trockenstandorte aus Mergel oder Kies, mit Feinanteilen gemischt, nennt man Ruderalflächen. Es sind Standorte mit offenen, nährstoffarmen Böden. Dies sind wichtige Lebensräume für spezialisierte Pionierpflanzen und seltene Tierarten, die auf trockene Standorte angewiesen sind. Solche Flächen fördern die Biodiversität durch ihre spezielle Vegetation und offene Bodenstruktur.
Blumenwiese

Unversiegelte Wege bestehen aus natürlichen Materialien, wie Kies oder Mergel und ermöglichen eine gute Versickerung von Regenwasser, wodurch das Grundwasser geschützt wird. Sie fördern Bodenlebewesen, sind wichtige Vernetzungselemente und schaffen zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Sie heizen sich im Sommer weniger auf, als versiegelte Wege.
Wege unversiegelt

Unversiegelte Wege bestehen aus natürlichen Materialien, wie Kies oder Mergel und ermöglichen eine gute Versickerung von Regenwasser, wodurch das Grundwasser geschützt wird. Sie fördern Bodenlebewesen, sind wichtige Vernetzungselemente und schaffen zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Sie heizen sich im Sommer weniger auf, als versiegelte Wege.
Wilde Ecken

Ungenutzte Ecken im Garten dürfen auch mal wild und unaufgeräumt bleiben. Sie dienen als Versteck, Nistplatz und Überwinterungsplatz und sind sehr wertvoll. Solche Ecken benötigen weniger Pflegeaufwand und bieten schöne Beobachtungsmöglichkeiten. Wichtig: Auf keinen Fall invasive Neophyten gedeihen lassen, sondern diese vor der Blüte mitsamt der Wurzel entfernen.
