Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner ist eine Schmetterlingsart. Die Raupen tragen Brennhaare auf sich. Kommt der Mensch damit in Kontakt, löst dies unangenehme, juckend-brennende Hautausschläge aus. In seltenen Fällen können sich auch allergische Reaktionen bis zum allergischen Schock entwickeln.

Die eingewanderten Schmetterlinge

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist eine Schmetterlingsart, die ursprünglich aus Südeuropa stammt. Er liebt milde Winter und heisse Sommer. So hat er sich in den vergangenen Jahrzehnten auch in Mitteleuropa, bis in den Süden Russlands und in Vorderasien ausgebreitet. Wie der Name vermuten lässt, leben die Raupen bevorzugt auf Eichen, die einen sonnigen, warmen Standort geniessen. Ausserdem bewegen sich die Raupen in Prozessionen. Bis zu 30 Tiere gehen dabei dicht nebeneinander und hunderte weitere Artgenossen schliessen sich meterweise hinter ihnen an.

Die Eichenprozessionsspinner sind nachtaktiv und ernähren sich von jungen Eichenblättern. Ist eine Eiche von extrem vielen Tieren befallen, kann es auch zu einem Kahlfrass der Eiche kommen. Eichen sind sehr regenerationsfähig und tragen bei einem einmaligen Kahlfrass keinen Schaden davon.

Der Lebenszyklus

Die Raupen schlüpfen im Frühling aus ihren Eiern. In den kommenden Wochen durchleben die männlichen Raupen fünf und die weiblichen Raupen sechs Entwicklungsstadien. Die Puppenruhe beginnt dann Ende Juni bis Anfang Juli und dauert drei bis fünf Wochen. In dieser Zeit reifen die Raupen zu Schmetterlingen heran. Die Schmetterlinge haben nur eine kurze Lebensphase von drei Tagen. In dieser Zeit gilt es sich zu paaren und Eier auf gesunden Eichen zu legen. Die Eier bleiben den Winter durch auf der Eiche und können Temperaturen bis zu -28°C überleben. Im Frühling schlüpft dann eine neue Generation Raupen aus den Eiern.

Abstand halten

Ab dem dritten Entwicklungsstadium (die Raupen erreichen dieses Stadium normalerweise im Mai/Juni) wachsen den Raupen bis zu 700‘000 feine Brennhaare. Diese Brennhaare sind sehr dünn, 0.1 bis 0.2 mm lang und enthalten ein Eiweiss namens Thaumetopoein. Kommt der Mensch mit diesem Eiweiss in Berührung, löst dies - ähnlich wie nach einem Brennnesselkontakt - unangenehme, juckend-brennende Hautausschläge aus. Diese Hautreaktion kann noch für eine bis zwei Wochen nach dem Kontakt mit Thaumetopoein bestehen. Dies ist zwar unangenehm, hat aber keine weitere gesundheitsschädigende Wirkung. Mit Kortisonsalben und Antihistaminpräparaten können die Symptome gelindert werden.

Es gibt immer wieder Einzelfälle, in denen Menschen nach dem Kontakt mit Thaumetopoein eine schwere allergische Reaktion bis zum allergischen Schock entwickeln. Da in solchen Situationen akute Lebensgefahr bestehen kann, muss unverzüglich über die 144 professionelle Hilfe angefordert werden.

Die Brennhaare können auch über in die eingeatmete Luft in die Lungen gelangen. Als Folge davon kann eine akute Bronchitis, ein schmerzhafter Husten oder ein Asthmaanfall ausgelöst werden. In der Regel lassen sich diese Komplikationen mit Kortisonsprays und der Inhalation von bronchienerweiternden Substanzen behandeln. 

In Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern kommen insbesondere Erholungssuchende im Wald, in Parkanlagen und auf Rastplätzen. Auch Besucher von Freizeitanlagen wie Sportplätzen, Schwimmbädern, Kinderspielplätzen und Campinganlagen sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Besitzer von Eichen in Gartenanlagen und Waldarbeiter in befallenen Waldgebieten sollten sich ebenfalls vor Eichenprozessionsspinnern in Acht nehmen.

Sich schützen

Durch das befolgen folgender Verhaltenshinweisen können Sie das Risiko eines unangenehmen Kontakts mit Eichenprozessionsspinnern möglichst geringhalten.

  • Meiden Sie befallene Gebiete
  • Tragen Sie lange Kleidungsstücke, um die exponierte Hautoberfläche möglichst gering zu halten
  • Berühren Sie die Raupen nicht
  • Halten Sie Abstand zu verlassenen Nestern, da auch in seit Monaten unbewohnten Nestern Überreste der Brennhaare vorhanden sein können
  • Sind sie Besitzer einer Eiche und haben Eichenprozessionsspinner festgestellt, sollten Bekämpfungsmassnahmen nur durch professionell geschulte Personen geschehen

Kontakt mit einem Eichenprozessionsspinner

Nach Kontakt mit einem Eichenprozessionspinner empfehlen wir folgendes Vorgehen:

  • Besteht der Verdacht auf einen allergischen Schock, dann handelt es sich um einen Notfall: Bitte rufen Sie umgehend die Telefonnummer 144 an
  • Gehen Sie nach möglichem Kontakt schnell Duschen, waschen Sie sich auch die Haare und waschen Sie die getragene Kleidung bei mindestens 60°C
  • Reinigen Sie getragene Schuhe
  • Mittels eines Klebebands oder Tape können Brennhaare entfernt werden
  • Vermeiden Sie Kratzen oder Reiben an der berührten Hautstelle
  • Waschen Sie bei Augenbeteiligung das betroffene Auge mit kaltem Wasser aus und suchen Sie danach einen Augenarzt auf
  • Besonders Kinder sollten von Stellen, an denen der Eichenprozessionsspinner gesichtet wurde, ferngehalten werden