Warum impfen

Individual- und Kollektivschutz

Durch Impfungen können Infektionskrankheiten vorgebeugt werden. Daraus ergibt sich ein klarer Nutzen für den Einzelnen (Individualschutz), indem man durch die Impfung vor schweren Krankheiten mit teilweise invalidisierenden bis tödlichen Folgen geschützt ist.

Durch die Immunität des Einzelnen können Infektionsketten unterbrochen werden. Geimpfte Personen können selbst bei Kontakt mit dem Krankheitserreger diesen nicht weitergeben. Daraus resultiert ein Kollektiv- oder Herdenschutz. Durch eine Impfung schützt man also nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen. Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können oder ein geschwächtes Immunsystem haben (Neugeborene, Schwangere, chronisch kranke Menschen, Organtransplantierte), sind daher auf diesen Kollektivschutz zur Krankheitsvermeidung angewiesen.

Um einen wirksamen Herdenschutz zu erreichen, sind hohe Durchimpfungsraten nötig. Wie das Beispiel der Pocken zeigte, sind gewisse Krankheiten durch flächendeckende Impfungen sogar ausgelöscht worden.

Der fehlende Herdenschutz: Masernausbruch in der Schweiz 2006-2009

Die Masern sind in der Schweiz seit 1999 meldepflichtig. Bis ins Jahr 2006 wurden dem BAG durchschnittlich 50 Fälle pro Jahr gemeldet. Zwischen November 2006 und 2009 stiegen die Melderaten jedoch massiv an, so dass in diesem Zeitraum in der Schweiz insgesamt 4‘371 Fälle registriert wurden. Die Schweiz erreichte sogar die höchste Maserndichte in ganz Europa.

Von 3850 Patienten war der Impfstatus bekannt. Davon waren 93% überhaupt nicht, 4.9% ungenügend (nur einmal) und 2.1% vollständig gegen Masern geimpft. Generell waren Kantone mit den tiefsten Durchimpfungsraten am meisten betroffen.

Um das Ziel der Masernausrottung in der Schweiz zu erreichen, wäre eine landesweite Durchimpfungsrate von 95% notwendig.

2019: Masern in der Schweiz

Allgemeine Lage, Mai 2019

Von Anfang Januar bis 6. Mai 2019 wurden in der Schweiz 166 Fälle von Masern verzeichnet, fast achtmal mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (21 Fälle). Von den 166 bislang gemeldeten Personen waren 14% Einzelfälle, die verteilt über zehn Kantone auftraten. Die Mehrheit der Fälle (59%) gehörte zu einem Ausbruch, wobei ein solcher als ‘mindestens zwei epidemiologisch zusammenhängende Fälle’ definiert ist. Unabhängig vom Klassierungsstatus wurde etwa die Hälfte aller Fälle (81 Fälle, 49%) aus dem Kanton Bern gemeldet.

Im genannten Zeitraum sind 62% der Fälle endemisch aufgetreten, 14% wurden importiert, 8% standen in Zusammenhang mit importierten Masern, und 16% konnten nicht zugeordnet werden. 93% der 138 Fälle mit bekanntem Impfstatus waren nicht oder nicht ausreichend geimpft. 35 Fälle (21% der 165 Fälle, für die eine Arztmeldung vorlag) mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Dem BAG wurden seit Anfang Jahr zwei Todesfälle gemeldet, welche in Zusammenhang mit Masern stehen.

Angesichts der detaillierten Surveillance-Daten hat die WHO im 2017 zum ersten Mal bestätigt, dass die endemische Zirkulation des Masernvirus in der Schweiz 2016 unterbrochen werden konnte. Sie hat dies auch für 2017 bestätigt. Die Daten für 2018 weisen in dieselbe Richtung. Dieser Erfolg basiert im Wesentlichen auf tendenziell zunehmenden Durchimpfungszahlen (87 % bei den 2-Jährigen, 93 % bei den 16-Jährigen; Werte für 2 Dosen). Die Situation ist jedoch fragil: Die Masernelimination kann nur erreicht bzw. gesichert werden, wenn mindestens 95 % der Kinder sowie alle nach 1963 geborenen Erwachsenen mit zwei Dosen geimpft werden.

Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG)

Der Nutzen von Impfungen übersteigt die potentiellen Risiken und Nebenwirkungen bei weitem

Jede medizinische Intervention bringt einen Nutzen, aber auch die Möglichkeit von Nebenwirkungen. Der Nutzen der Impfung besteht in der Prävention vor gefährlichen Infektionskrankheiten und ihren teilweise verheerenden Folgen. In einigen Fällen kann die Erkrankung jedoch dennoch auftreten, der Krankheitsverlauft ist aber dann dank der Impfung deutlich abgeschwächter und komplikationsärmer.

Häufige Nebenwirkungen von Impfungen sind lokal Schmerzen, Rötung und Schwellung, welche durch die lokale Entzündungsreaktion ausgelöst werden. Bei der Zulassung werden die Impfstoffe ausführlich auf ihre Sicherheit geprüft. Ärzte melden mögliche Impfnebenwirkungen dem schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic, sowie auch die Pharmafirmen zur Meldung verpflichtet sind. Dadurch werden alle zugelassenen Impfungen monitorisiert, gegebenenfalls kann Swissmedic zeitnah eingreifen.

Nach gewissen Impfungen kann ein leichtes Krankheitsgefühl als Zeichen der Immunreaktion auftreten. Das häufigste Beispiel sind die Impfmasern, welche ca. 10 Tage nach einer Masernimpfung auch in Verbindung mit Fieber auftreten können. Die voll ausgeprägte Erkrankung tritt jedoch nicht auf und die Betroffenen sind auch nicht ansteckend. 

Die Zahl der Impfungen hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Moderne Impfstoffe sind hoch gereinigt und enthalten teilweise Zusatzstoffe, welche trotz weniger Antigene zu einer adäquaten Immunantwort verhelfen können. Dadurch konnte die Anzahl der verabreichten Antigene deutlich verringert werden. So waren früher bei einer Dosis Keuchhusten-Impfstoff rund 3‘000 Antigene enthalten, heute sind es noch rund 150.

Impfungen sind wirksam und sicher. Der Nutzen von Impfungen übersteigt die potentiellen Risiken und Nebenwirkungen bei weitem.