Funktionsweise

Wie wirken Impfungen?

Impfungen sind eine präventive Massnahme, um sich vor Infektionskrankheiten zu schützen. Dabei werden abgeschwächte oder sogar abgetötete Krankheitserreger, welche keine oder nur sehr schwache Krankheitssymptome auslösen können, dem Impfling verabreicht. Dadurch läuft im Körper bereits eine Immunreaktion gegen das jeweilige Antigen ab und Gedächtniszellen werden gebildet. Kommt man dann auf natürliche Weise mit dem Krankheitserreger in Kontakt, so kann er schnell unschädlich gemacht werden und es entwickeln sich keine oder nur wenig Symptome. Impfungen ahmen daher eine natürliche Infektion nach. Zur Krankheitsprävention gibt es die aktive und die passive Immunisierung.

Aktive Immunisierung

Das Ziel der aktiven Immunisierung ist die Befähigung des körpereigenen Immunsystems zur raschen und wirksamen Reaktion auf einen Erreger, so dass keine oder nur eine abgeschwächte Infektionskrankheit resultiert. Dabei wird ein Antigen appliziert, um das körpereigene Immunsystem zu stimulieren und Antikörper gegen das verabreichte Antigen zu bilden. Eine messbare und wirksame Immunität ist erst nach 7 bis 10 Tagen vorhanden. Manchmal sind mehrere Injektionen in gewissen Zeitabständen nötig, um eine ausreichende Immunität zu erreichen. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche aktive Immunisierung ist die intakte Immunkompetenz resp. Fähigkeit zur Antikörperbildung. Die aktive Immunisierung wird je nach Erreger durch einen Lebend- oder Totimpfstoff durchgeführt.

Lebendimpfstoff
Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, noch vermehrungsfähige Erreger, welche die Krankheit beim immunkompetenten Impfling nicht auslösen. Sie imitieren eine natürliche Infektion. Die Reaktion auf Lebendimpfstoffe ist meist so stark, dass eine langanhaltende Immunität ohne Auffrischimpfungen aufgebaut wird. Nach einer Impfung mit einem Lebendimpfstoff tritt der Schutz nicht sofort auf. Es benötigt mehrere Tage, bis die Immunreaktion aufgebaut ist. Vor der Verabreichung von Lebendimpfstoffen muss eine krankhafte Abwehrschwäche ausgeschlossen werden. Obwohl die Virulenzfaktoren der Impferreger ausgeschaltet wurden, besteht die Gefahr, dass bei einer Abwehrschwäche eine Rückmutation geschieht und die Krankheit ausgelöst werden kann.  

Beispiele für Lebendimpfstoffe sind Masern, Mumps, Röteln, Varizellen und Gelbfieber.

Totimpfstoff
Bei Totimpfstoffen werden abgetötete Erreger oder sogar nur Erreger-Bruchstücke verabreicht. Diese sind nicht mehr vermehrungsfähig. Da ein Teil des injizierten Totimpfstoffes relativ schnell abgebaut wird, reicht eine einmalige Impfung in der Regel nicht aus. Totimpfstoffe werden meist mit Impfverstärkern, sogenannten Adjuvantien, angereichert. Diese Impfverstärker sind sehr wichtig, da sie das Immunsystem zusätzlich stimulieren und dadurch den Aufbau einer Immunantwort verbessern. Sie können aber auch lokale Entzündungsreaktionen auslösen, die sich teilweise durch schmerzhafte Rötung und Schwellung bemerkbar macht.

Beispiele für Totimpfstoffe sind Grippe, Poliomyelitis, Keuchhusten, Hepatitis, Tollwut und Cholera.

Passive Immunisierung

Die passive Immunisierung ist keine „klassische“ Impfung, denn es erfolgt lediglich die Gabe von Antikörpern. Das Immunsystem des Impflings wird nicht aktiviert. Eine passive Immunisierung ist nur in seltenen Fällen indiziert. Zum Beispiel bei Verletzungen bei Personen, welche nicht gegen Tetanus geimpft sind. Zum Vorbeugen der Krankheit kann dann eine passive Immunisierung durchgeführt werden, da sie sofortigen Schutz bietet, dieser aber nur für einige Tage bis Wochen anhält. Eine weitere Indikation stellt die Geburt eines Kindes einer Hepatitis-B-infizierten Mutter. Bei Geburt erfolgt die sofortige Gabe von Antikörpern gegen Hepatitis B Viren (HBV) zusammen mit der HBV-Impfung. Somit wird ein sofortiger Schutz durch die passive Immunisierung und ein langanhaltender Schutz durch die aktive Immunisierung erreicht.

Die Antikörper werden aus dem Blutserum von Blutspendern gewonnen. Man unterscheidet homologe (menschliche) von heterologen (tierischen) Antikörpern. Da es sich bei tierischen Antikörpern um nicht-menschliches Material handelt, kann es bei den Empfängern in gewissen Fällen zur Antikörperbildung gegen die tierischen Antikörper führen. Daher werden heute fast nur noch homologe Antikörper eingesetzt.