Verbreitung

Hohe Fallzahlen in Entwicklungsländern

Weltweit geht man davon aus, dass ein Drittel der Weltbevölkerung mit Mycobacterium tuberculosis infiziert ist. Im Jahr 2015 erkrankten 10.2 Millionen Menschen an einer aktiven Tuberkulose, bei rund 1.3 Millionen führte die Erkrankung zum Tod. Davon litt etwa die Hälfte an einer Infektion mit antibiotikaresistenten Mykobakterien. Der grösste Anteil der Erkrankungen ist dabei auf Länder in Afrika südlich der Sahara, in Süd- und Südostasien und in postsowjetischen Staaten, wie Russland, Kasachstan oder der Mongolei zurückzuführen. Von der Krankheit betroffen sind aber auch Länder in Europa wie die Ukraine, Rumänien, Moldawien oder Weissrussland.

Beim Betrachten der Weltkarte wird deutlich, dass vor allem Länder mit tiefem und mittlerem Einkommen von der Tuberkulose betroffen sind. Dies liegt hauptsächlich daran, dass in diesen Ländern viele Risikofaktoren, die zu einem Ausbruch der Krankheit führen, weit verbreitet sind. So leidet in gewissen Ländern ein Grossteil der Bevölkerung an Unterernährung oder anderen Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen. In der Subsahara führt vor allem die grosse Anzahl an HIV-/ AIDS-Erkrankungen zu vielen Tuberkulosefällen. Zudem haben viele wegen Umweltfaktoren, wie Luftverschmutzung, eine geschwächte Lunge. Dies nicht nur in grossen Städten, die ein Smogproblem haben, sondern auch in ländlichen Gebieten aufgrund der Benutzung von offenen Feuerstellen zum Kochen, die zu einer Luftverschmutzung innerhalb des Wohnraums führen. Auch spielen schlechte Arbeitsbedingungen ohne genügende Durchlüftung eine wichtige Rolle. Ferner können sich die Bakterien in dicht besiedelten Gebieten mit prekären Wohnbedingungen schneller verbreiten. Sozioökonomische Faktoren spielen somit nach wie vor eine wichtige Rolle in der Verbreitung der Krankheit. 

In der Schweiz sinkt die Zahl der Neudiagnosen seit Jahren

In der Schweiz ist die Tuberkulose eine meldepflichtige Krankheit. Nachdem die Fallzahlen Mitte der 1940er-Jahre nach dem zweiten Weltkrieg aufgrund der verbesserten Lebensverhältnisse und der neuen Antibiotikatherapie stark sanken, kam es Ende der 1980er-Jahre aufgrund der HIV-/ AIDS-Epidemie zu einem erneuten Anstieg der Krankheit. Seit dem Rückgang der HIV-/ AIDS-Erkrankungen sinken auch die Tuberkulosefälle wieder und haben sich in den letzten Jahren auf etwa 550 Neudiagnosen jährlich stabilisiert. Die meisten Neudiagnosen betreffen immigrierte Personen, die aus einem Land mit hohen Tuberkulose-Fallzahlen stammen. Daher werden diese Menschen auch in Empfangszentren durch Pflegefachpersonen zu den typischen Symptomen einer Tuberkulose befragt, gegebenenfalls wird eine weitere ärztliche Abklärung eingeleitet. Bei Personen, die aus einem Endemiegebiet kommen, sind vor allem junge Erwachsene von der Tuberkulose betroffen. Bei in der Schweiz aufgewachsenen Personen hingegen tritt die Krankheit eher in der zweiten Lebenshälfte auf. Häufig wurden diese Personen vor langer Zeit infiziert. Die Krankheit bricht jedoch erst aufgrund einer Schwächung des Immunsystems (Chronische Grunderkrankung, immunsupprimierende Medikamente, Andere) aus.