Geschichte

Schon die alten Ägypter waren mit Mykobakterien infiziert

Die Tuberkulose ist eine sehr alte Krankheit. Bereits bei ägyptischen Mumien aus dem Jahr 3000 v. Chr. fand sich eine tuberkulöse Zerstörung der Knochen. Forscher vermuten sogar, dass die ersten Menschen, die den Kontinent Afrika verliessen, schon mit Mykobakterien infiziert waren. Die ersten Aufzeichnungen über die Krankheit und deren Verlauf stammen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. und wurden von Hippokrates verfasst. Im Mittelalter trat die Krankheit immer mal wieder in Ballungsgebieten auf und befiel selbst Angehörige von Kaiserhäusern. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert galt die Tuberkulose dann hauptsächlich als Krankheit der unteren sozialen Schichten der Städte. Da die Krankheit in dieser Zeit sehr verbreitet war, infizierten sich aber auch Menschen aus besseren Schichten. So gab es Zeiten, in denen in gewissen Regionen jeder zweite Todesfall auf eine Tuberkulose zurückzuführen war. Als Therapie der Wahl entwickelte sich in dieser Zeit die Luftkur, bei der Erkrankte sechs Stunden täglich in Decken eingewickelt an freier Luft liegen mussten. Eigens dafür vorgesehene Tuberkulose-Sanatorien wurden eröffnet. Das erste Sanatorium in der Schweiz nahm 1868 in Davos seinen Betrieb auf. Im Laufe der Zeit wurde Davos zu einem Kurort mit grosser Strahlkraft, den die Leute aus ganz Europa aufsuchten. 1898 folgte das Sanatorium auf der Schatzalp, welches sich in der Weltliteratur im Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann verewigte. Das Gebäude steht bis heute noch, jedoch beheimatet es unterdessen Hotelgäste aus der ganzen Welt. Anderen Sanatorien in Davos erging es ebenso. Von einst mehreren Tausend Klinikplätzen sind heute noch knapp 500 für Asthmatiker und Allergiker übriggeblieben. Erhalten hat sich jedoch der hervorragende Ruf von Davos im Bereich Lungenkrankheiten.

Robert Koch und der erste Nachweis des Bakteriums

Bereits vor der Entdeckung des Tuberkulose-Erregers erkannte man in Grossbritannien, dass es sich bei der Tuberkulose um eine ansteckende Krankheit handeln muss. 1880 erfolgte dort die Einführung der Meldepflicht für Tuberkulosefälle und das Spucken auf öffentlichen Plätzen wurde untersagt.

Eine zentrale Rolle in der Geschichte der Tuberkulose spielte Robert Koch, einer der Begründer der modernen Bakteriologie und Mikrobiologie. Neben seiner klinischen Tätigkeit als Landarzt interessierte er sich sehr für die Forschung, so dass er in seiner Praxis ein kleines Labor einrichtete, das nur durch einen Vorhang von seinem Sprechzimmer getrennt war. Koch beeindruckte mit seinen Forschungsresultaten so sehr, dass er 1880 im Alter von 37 Jahren Leiter der bakteriologischen Abteilung des Kaiserlichen Gesundheitsamts in Berlin wurde. Dort begann seine Forschung am Tuberkulose-Erreger. 1882 gelang es ihm, das Bakterium Mycobacterium tuberculosis nachzuweisen. Nach dessen Entdeckung setzte sich Koch zum Ziel, ein Heilmittel gegen die Tuberkulose zu finden. An Meerschweinchen erzielte er gute Resultate mit Tuberkulin, welches er aus einem Extrakt aus Bakterienkulturen herstellte. 1890 stellte er Tuberkulin als Therapie gegen Tuberkulose der Öffentlichkeit vor. Bei tuberkulose-erkrankten Menschen zeigte sich aber unter Tuberkulin ein dramatischerer Krankheitsverlauf, worunter Kochs Ruf litt. Später zeigte sich, dass Tuberkulin nicht zu einem Absterben der Bakterien führt, wie von Koch vermutet, sondern zu deren Reaktivierung.

Der Tuberkulintest als erstes diagnostisches Mittel

Erst später wurde Tuberkulin als wichtiges diagnostisches Mittel erkannt. Beim sogenannten Tuberkulintest wird Tuberkulin unter die Haut gespritzt und die Bildung von Hautknötchen als positives Testergebnis angesehen. Die Bildung von Hautknötchen resultiert dabei aus einer Reaktion von Immunzellen auf das gespritzte Tuberkulin. Reagiert das Immunsystem auf den Extrakt, kann man davon ausgehen, dass den Immunzellen das Bakterium schon vorher bekannt war, die Testperson also mit Mykobakterien infiziert ist. Eine Weiterentwicklung des Tuberkulintests ist bis heute in Gebrauch, der Mantoux-Test. Anstelle eines Rohextraktes von Bakterienkulturen werden heutzutage allerdings aufgereinigte bakterielle Proteine verwendet, die nach standardisierten Verfahren hergestellt werden. Obwohl der Test nicht besonders spezifisch ist, wird er noch häufig in Entwicklungsländern benutzt, da er sehr einfach in der Handhabung ist und keine teure Laboreinrichtung benötigt.

Die erste Impfung erfolgte schon in den 1920er Jahren

1906 gelang die erste Immunisierung im Tierversuch. Am Menschen wurde der Impfstoff erstmals jedoch erst 1921 in Frankreich eingesetzt und kam erst nach dem zweiten Weltkrieg zu einer breiten Anwendung. Weltweit ist die Impfung gegen Tuberkulose die meist verbreitete Impfung. Dies vermutlich auch darum, da sie auch gegen Lepra wirksam ist, eine Krankheit, die von verwandten Mykobakterienstämmen verursacht wird. In der westlichen Welt wird der Impfstoff heutzutage jedoch nur noch äusserst selten verwendet.

Die Entwicklung einer ausgeklügelten Antibiotikatherapie

Als 1943 das Antibiotikum Streptomycin entwickelt wurde, gab es plötzlich neben der Prävention auch eine aktive Therapie. Leider zeigte sich, dass Mykobakterien schnell Resistenzen gegen Streptomycin entwickeln und das Antibiotikum nicht mehr wirkte. Der grosse Durchbruch gelang dann in den 1960er-Jahren, als eine Therapie mit vier verschiedenen Antibiotika tatsächlich Patienten heilen konnte. Der massive Rückgang von Tuberkuloseerkrankungen in der westlichen Welt ist jedoch nicht nur der Antibiotikatherapie zu verdanken, sondern hauptsächlich dem sprunghaften Anstieg des sozioökonomischen Status vieler Menschen und den damit verbundenen besseren Lebens- und Hygieneverhältnissen, welche die Verbreitung der Bakterien minimierten. 

1996 erklärte die WHO den 24. März zum Welt-Tuberkulosetag - in Erinnerung an den 24. März 1882, dem Tag als Robert Koch die Identifizierung des Tuberkulose-Erregers gelang.