HIV

Das HI – Virus (Humanes Immundefizienzvirus) ist ein Vertreter der Familie Retrovirus und gehört zur Gattung Lentiviren. Eine unbehandelte Infektion führt nach längerer symptomfreien Latenzphase in der Regel zu AIDS (acquired immunodeficiency syndrome = erworbenes Immundefizienzsyndrom). Nach hohen Fallzahlen in den 1980er-Jahren nahm die Zahl von HIV-Diagnosen stetig ab und bleibt seit der Jahrtausendwende relativ stabil. Bis heute ist eine HIV-Infektion nicht heilbar, doch durch moderne, wirksame Medikamente ist die Lebensqualität betroffener Personen stark angestiegen und das Ansteckungsrisiko drastisch gesunken. Eine Impfung gegen HIV ist bis heute nicht vorhanden. Nach Risikosituationen kann eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) vor der Infektion schützen.

Die Bedeutung von HIV heute

Sinkende Zahlen von Neuinfektionen und gute Behandlungsmöglichkeiten liessen HIV in der Schweiz in den letzten Jahren immer mehr in den Hintergrund treten. Dennoch erhielten im Jahr 2016 schweizweit 542 Personen die Diagnose HIV positiv, 78% davon waren männlich. Bei 80% der Betroffenen wurde der Zeitpunkt der Infektion auf weniger als ein Jahr vor Diagnosestellung datiert. Bei Männern, die sexuelle Kontakte zu anderen Männern haben, wird HIV im Allgemeinen in früheren Krankheitsstadien diagnostiziert. Dies ist auf regelmässigere Testung in dieser Risikogruppe zurückzuführen. In der Anzahl an AIDS-Erkrankter zeigt sich über die Jahre ein abnehmender Trend. Rund 70 bis 100 Personen erkranken jährlich an AIDS.

Die Ansteckungswege unterscheiden sich zwischen Männern und Frauen deutlich, wobei die grösste Anzahl durch Männer mit sexuellen Kontakten zu Männern gebildet wird.

Weltweit lebten im Jahr 2016 36.7 Millionen mit HIV infizierte Menschen, 2.1 Millionen davon waren Kinder. Nur rund 57% der Erkrankten haben Zugang zu einer wirksamen Therapie. Täglich infizierten sich 5‘000 Menschen mit dem Virus. Die höchsten Zahlen von Neuansteckungen sind in Afrika südlich der Sahara zu verzeichnen. Ungenügende Aufklärung und ein fehlender Zugang zu medizinischen Einrichtungen und wirksamen Medikamenten lässt die Ansteckungsrate in diesen Ländern weiter steigen.

Weiterhin sterben 1 Million Menschen jährlich an den Folgen von AIDS. Die Krankheit forderte seit ihrem Ausbruch rund 35 Millionen Menschenleben

Wie man sich mit HIV infiziert

Das Virus wird hauptsächlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner, der nicht unter wirksamer Therapie steht, und intravenösem Drogenkonsum mit kontaminierten Nadeln übertragen. HIV-positive Mütter können das Virus während der Schwangerschaft und der Geburt auf ihre Kinder übertragen. Auch über die Muttermilch kann eine Infektion erfolgen.

Blutspenden werden heutzutage auf den HIV-Status kontrolliert. Dadurch finden in der Schweiz keine transfusionsbedingten Ansteckungen mehr statt.

Die grösste Risikogruppe bilden in der Schweiz Männer, die ungeschützte, gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen führen. Sie machen über 60% der jährlich neu diagnostizierten HIV-Fälle aus.

Wirksame Therapie vermindert Ansteckungsrisiko

Im Jahr 2008 sorgten Schweizer Forscher für Furore. Sie stellten fest, dass Patienten unter wirksamer antiretroviraler Therapie auch bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht infektiös sind. Dies gilt jedoch nur unter folgenden Voraussetzungen:
  • Die antiretrovirale Therapie wird eingehalten und durch einen Arzt kontrolliert
  • Die Viruslast liegt seit mindestens sechs Monaten unterhalb der Nachweisgrenze
  • Der Betroffene leidet nicht zusätzlich an anderen sexuell übertragbaren Krankheiten

Sind diese Bedingungen erfüllt, so beläuft sich das Risiko einer Ansteckung durch ungeschützten Geschlechtsverkehr auf unter 1:100‘000. Dennoch empfehlen die Forscher: Keine HIV-negative Person soll bei einer sexuellen Begegnung auf den Selbstschutz verzichten!

Wie finde ich meinen HIV-Status heraus?

Die HIV-Diagnose wird mittels einer Blutprobe gestellt. Seit Juni 2018 ist in der Schweiz auch ein HIV-Selbsttest zugelassen (weitere Informationen hierzu finden Sie bei der Swissmedic). Dieser kann in Apotheken oder auch über das Internet bezogen werden. Dabei sollte auf die CE-Kennzeichnung geachtet werden (sichtbar auf der Verpackung oder der Packungsbeilage). Dieses Siegel wird nur zuverlässigen, aussagekräftigen Tests vergeben. Fällt der HIV-Test positiv aus, suchen Sie unverzüglich einen Arzt auf.

Beachten Sie, dass bei einer frischen HIV-Infektion der Test erst drei Monate nach der Ansteckung positiv ausfällt. Ein negatives Testresultat bis drei Monate nach möglicher Ansteckung ist also nicht aussagekräftig.

Richtiges Verhalten nach einer Risikosituation

Bei ungeschütztem vaginalen oder analen Geschlechtsverkehr mit einer HIV-positiven Person, die nicht unter wirksamer HIV-Therapie steht, kann eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) eingenommen werden. Dies sind antiretrovirale Medikamente, welche das Risiko einer allfälligen HIV-Infektion senken. Die PEP muss innerhalb von 48 Stunden nach der Risikosituation gestartet werden. Die Medikamente werden über vier Wochen eingenommen. Die Kosten der PEP werden von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen.

Die PEP ist keine Alternative zum Safer-Sex!

Klären Sie schnell Ihr persönliches Risiko ab. Führen Sie auf www.lovelife.ch/hiv den Risiko-Check durch.

Falls Sie in einer Hochrisikosituation waren, sollten Sie sich innerhalb 48 Stunden in einer PEP-Stelle beraten lassen und mit der PEP beginnen. 

PEP-Notfallnummer für die Region Basel: 061 265 25 25 (Zentrale des Universitätsspital Basel).

PEP-Notfallnummern für weitere Regionen sind auf www.aids.ch zu finden.

 

Weitere Informationen bezüglich HIV finden Sie beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).