Krankheitsbild

Kommt es zu einer Erkrankung, so werden im Wesentlichen drei unterschiedliche Krankheitsbilder unterschieden. Die abortive Poliomyelitis, die nichtparalytische Poliomyelitis (aseptische Meningitis) und die paralytische Poliomyelitis.

Die abortive Poliomyelitis ist gekennzeichnet durch unspezifische Symptome wie Gastroenteritis, Fieber, Halsschmerzen, Übelkeit, Muskel oder Kopfschmerzen, welche nach einer kurzen Inkubationszeit auftreten. Dabei werden Zellen des zentralen Nervensystems in der Regel nicht betroffen.

Nichtparalytische Poliomyelitis (aseptische Meningitis): Dieses Krankheitsbild ist geprägt von Fieber, Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen und Muskelspasmen, welche etwa 3-7 Tage nach einer abortiven Poliomyelitis auftreten. Im Liquor (Hirnflüssigkeit) findet sich eine lymphozytäre Pleozytose (erhöhte Zahl der weissen Blutzellen), normale Glukosespiegel und normale oder etwas erhöhte Proteinspiegel.

Paralytische Poliomyelitis: Es kommt hierbei zu Rücken-, Nacken- und Muskelschmerzen, sowie einer rein motorischen Parese (Lähmung). Es wird hier ein biphasischer (2-gipfliger) Verlauf beschrieben. Ca. 2-3 Tage nach initialer Besserung der Symptome einer aseptischen Meningitis, kann es nach einem erneuten Fieberanstieg zum Auftreten von Paresen (Lähmungen) kommen. Dieser rasche Verlauf ist bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen zu bemerken. Die motorische Schwäche tritt üblicherweise asymmetrisch auf und kann Bein- (am häufigsten), Arm-, Bauch-, Thorax- oder Augenmuskeln betreffen, welche sich aber auch typischerweise zurückbilden können. Eine weitere Form wäre die «bulbäre Form», welche selten auftritt, und durch Schädigung von zerebralen bzw. vegetativen Nervenzentren eine schlechte Prognose aufweist.

Postpolio-Syndrom: Nach Jahren nach einer Erkrankung kann es zu einer Zunahme der Parese (mehr oder weniger ausgeprägter Teilausfall der motorischen Funktion eines Muskels, einer Muskelgruppe oder einer Extremität) mit Muskelschwund kommen. Ursächlich hierfür könnte eine chronische Überlastung und nachfolgende Degeneration der ursprünglich nicht durch die Krankheit geschädigten Motoneurone sein.