Noroviren

Noroviren sind die Erreger von unangenehmen Brechdurchfällen. Die Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung beträgt oft nur wenige Stunden. Erbrechen ist häufig, Fieber fehlt meistens.

Bereits wenige Viren reichen aus, um die Krankheit auszulösen

Noroviren werden meist über Stuhl oder Erbrochenes  direkt von Mensch zu Mensch übertragen,. Eine Infektion über Speisen, Getränke oder kontaminierte Gegenstände ist möglich. Durch die hohe Infektiosität - bereits 10 bis 100 Viren genügen für eine Ansteckung - kommt es leicht zu einer „lawinenartigen“ Ausbreitung der Krankheit. Selbst nach Abklingen der Symptome werden die Viren teilweise noch bis zu ca. zwei  Wochen über den Stuhl ausgeschieden. Dies geschieht zwar in viel geringeren Mengen als während der Krankheitsphase. Das Risiko einer Ansteckung besteht aber weiterhin. Die Erkrankung hinterlässt allenfalls eine sehr kurze Immunität, so dass man sich erneut mit dem Norovirus anstecken kann. Die höchste Infektiosität besteht in der akuten Phase, dauert danach aber noch an. Die Viren können bis zu 14 Tage auf kontaminierten Gegenständen überleben.

Die Situation in der Schweiz

Die Noroviren kommen weltweit vor. Man geht davon aus, dass Noroviren für 50% der nicht-bakteriellen Durchfallerkrankungen bei Erwachsenen und 30% bei Kindern verantwortlich sind. Schätzungsweise
erkranken in der Schweiz jährlich 400‘000 Personen am Norovirus. Genaue Zahlen sind jedoch nicht bekannt, da dem BAG nur zeitliche und örtliche Häufungen des Norovirus zu melden sind. Die Noroviren treiben gehäuft in den Wintermonaten ihr Unwesen. Durch die hohe Infektiosität sind vor allem Gemeinschaftseinrichtungen mit engem Zusammenleben (Schulen, Kindergärten, Alters- und Pflegeheime) von Ausbrüchen betroffen. Besonders häufig treten die Noroviren bei Kindern unter 5 Jahren und bei älteren Personen über 70 Jahren auf.

Explosionsartiges Erbrechen und Durchfall als Leitsymptome

Zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Erkrankung vergehen 12 bis 50 Stunden. In der Regel beginnt die Krankheit mit explosionsartigem Erbrechen und/oder Durchfall. Oft wird die Krankheit von massiver Übelkeit, Bauchschmerzen, Bauchkrämpfen oder Muskelschmerzen begleitet. Fieber ist selten, wenn dann kommt es nur zu leicht erhöhten Temperaturen. Die Krankheit dauert in der Regel 1 bis 3 Tage.

Besonders gefährdet sind Kinder und ältere Personen

Durch das häufige Erbrechen und den starken Durchfall verlieren die Erkrankten innerhalb kurzer Zeit eine grosse Menge an Flüssigkeit und Elektrolyten. Gesunde Erwachsene haben verschiedene Kompensationsmechanismen, um diese Verluste auszugleichen. Bei Kindern und älteren Personen sind diese Kompensationsmechanismen weniger deutlich ausgeprägt. Deshalb können sie wegen des Flüssigkeitsverlusts ein Herz-Kreislauf-Versagen oder ein akutes Nierenversagen erleiden.

Therapie ist symptomorientiert

Für das Norovirus gibt es keine spezifische Therapie. Bettruhe und Flüssigkeitszufuhr (WHO-Lösung)  in kleinen Mengen über den Tag verteilt sind empfohlen. Stuhlregulierende Präparate (wie z.B. Immodium ®) sind während der Krankheit nicht empfohlen, da es für die Genesung wichtig ist, dass die Viren schnell über den Stuhl ausgeschieden werden können.

Prophylaxe

Die Infektion wird sehr leicht weitergegeben. Die Viren haften nicht nur an Lebensmitteln, Händen oder Oberflächen von Türfallen und Telefonen. Beim Erbrechen wird auch ein Aerosol freigesetzt, so dass die Infektion auf dem Atemweg übertragen werden kann.

Einer Norovirus-Infektion kann durch das strikte Einhalten hygienischer Massnahmen vorgebeugt werden. Dies beinhaltet eine konsequente Hände- und Flächendesinfektion. Bei Ausbrüchen sind Patienten zu isolieren, um den Ansteckungsweg zu unterbrechen.

Massnahmen bei Noroviren-Infektion

Kontroll- und Hygienemassnahmen müssen schnell und zielgerichtet eingeleitet werden. Ziel ist der Schutz gesunder Personen.

Sollten Sie oder Ihre Familie zu Hause erkranken gelten folgende Empfehlungen:

  • Waschen Sie sich gründlich Ihre Hände (mindestens eine Minute) mit Flüssigseife. Verwenden Sie ausschliesslich Papierhandtücher oder waschen Sie die Handtücher nach jedem Gebrauch bei 60°C. Händedesinfektion ist nur sinnvoll, wenn Sie ausreichend Desinfektionsmittel mindestens 30 Sekunden auf der ganzen Hand und den Handgelenken verteilen.
  • Halten Sie strikte Händehygiene ein, vor allem nach dem Toilettengang. Achten Sie darauf, dass auch Ihre Angehörigen die Händehygiene strikt einhalten und häufig durchführen. Unterstützen Sie Kinder und hilfsbedürftige Personen dabei.
  • Zur Desinfektion der Toilette zu Hause eignet sich Javel-Wasser. Beachten Sie, dass dabei keine anderen Reinigungsmittel, auch keine Toilettenduftsteine oder ähnliches, in der Toilette angewendet werden dürfen.
  • Entfernen Sie, wenn möglich, alle nicht waschbaren Gegenstände wie z.B. lose Teppiche aus den Räumen.
  • Wäsche soll bei mindestens 60° gewaschen werden. Für Geschirr ist eine Wäsche in der Geschirrwaschmaschine bei Temperaturen über 60°C ausreichend.
  • Geben Sie hilfsbedürftigen Angehörigen schluckweise zu trinken. Es eignen sich isotonische Getränke, Wasser, Bouillon,  Cola oder die  WHO-Lösung
  • Falls Sie das Gefühl haben, Sie oder ihre Angehörigen sind mit sehr wenig Flüssigkeit versorgt und zeigen erste Anzeichen von Bewusstseinstrübung, sollten Sie einen Arzt kontaktieren, insbesondere wenn Ihr Kind noch sehr klein ist oder Ihre Angehörigen sehr alt oder gebrechlich sind. Bitte rufen Sie vorher bei Ihrem Arzt oder der behandelnden Einrichtung an und teilen Sie den Verdacht auf Noroviren mit, damit diese Vorsichtsmassnahmen zum Schutz von anderen Patienten treffen können.

Die Viren führen regelmässig zu Krankheitsausbrüchen in Alters- und Pflegeheimen, Spitälern, Ferienlagern oder auf Kreuzfahrtschiffen. Empfehlungen für Eltern, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Angehörige in Pflegeheimen und Spitex finden Sie in den folgenden Merkblättern:

 

Weitere Informationen bezüglich Noroviren finden Sie beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).