Übertragung und Krankheitsbild

Die Kleinsten haben das grösste Risiko

Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen, beispielsweise durch Anhusten, Niesen oder Küssen. Die Übertragungsrate ist dabei abhängig von der Dauer und der Intensität des Kontakts. Am häufigsten betroffen sind Säuglinge und Kleinkinder, gefolgt von Kindern und Jugendlichen. Unter den Säuglingen sind heutzutage besonders die betroffen, die unter sechs Monate alt sind. Dies liegt daran, dass in diesem jungen Alter noch kein vollständiger Impfschutz möglich ist, weil das Immunsystem noch weniger aktiv ist. Auch die Sterblichkeit ist bei den unter 1-Jährigen besonders hoch. In der Schweiz führte die Infektion bei 16% dieser Gruppe zum Tode. Bei Erwachsenen kommt die Krankheit selten vor, ausser sie gehören zu einer der Risikogruppen. Zu diesen zählen Personen, welche unter einer Immunschwäche leiden, keine Milz haben, mit Meningokokken in einem Labor arbeiten oder in Endemiegebiete (hauptsächlich Subsahara) reisen.

 

Krankheitsbild

Die Inkubationszeit der Infektion dauert 2 bis 10 Tage, meist zwischen 3 und 4 Tagen. Häufige Symptome sind eine rasche Verschlechterung des Allgemeinzustandes, hohes Fieber, Kopfweh, Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und rote stecknadelgrosse Flecken auf der Haut (Purpura). Bei Kleinkindern kommt es zusätzlich zur Trinkverweigerung und schlaffer Körpermuskulatur. Je nach Erkrankung, welche durch die Bakterien ausgelöst wird, können sich die Symptome unterscheiden. Bei einer Meningitis (Gehirnhautentzündung) kommt es zusätzlich zu Nackensteifigkeit (Meningismus) und Lichtempfindlichkeit (Photophobie) bis hin zu Bewusstseinsstörungen (Koma).

 

Komplikationen

Eine invasive Infektion mit Neisseria meningitidis kann zu unterschiedlichen Krankheitsbildern führen. Welches Krankheitsbild sich entwickelt, hängt davon ab, wo sich die Bakterien nach dem Passieren der Nasen-Rachen-Schleimhaut ansiedeln und vermehren. Eine starke Vermehrung der Bakterien im Blut führt zu einer Sepsis (Blutvergiftung). Gelangen sie ins Gehirn, löst dies eine Meningitis (Gehirnhautentzündung) aus. Eine Infektion kann sich aber auch in beiden Krankheitsbildern gleichzeitig manifestieren. In der Schweiz werden Sepsis und Meningitis etwa gleich häufig diagnostiziert, bei etwa 6% der Infektionen kommt es gleichzeitig zu einer Sepsis und einer Meningitis. Bei etwa einem Drittel kommt es zu Blutgerinnungsstörungen, welche sich in roten bis braunen Flecken auf der Haut äussern (Purpura). Blutgerinnungsstörungen kommen sowohl bei Sepsis- wie auch Meningitisfällen vor.

Die verschiedenen Manifestationen sind unterschiedlich gefährlich

Fast alle Erkrankten müssen hospitalisiert werden. In endemischen Gebieten in der Subsahara, wo meist lange Wege auf sich genommen werden müssen, um ein Spital zu erreichen, führt die Erkrankung darum häufig zum Tod. Aber auch in der Schweiz sterben 5-10% der Infizierten an der Erkrankung. Besonders gefährlich sind Erkrankungen, welche sich durch eine Sepsis und/oder Purpura manifestieren. Hirnhautentzündungen sind weniger gefährlich. Die höchste Letalität weist aber das seltene Waterhouse-Friderichsen-Syndrom auf, an welchem etwa 10 – 15% der Sepsispatienten erkranken. Es bezeichnet das Zusammenspiel einer Sepsis und einem akuten Versagen der Nebennierenrinde, welche im Rahmen der Gerinnungsstörung zerstört wird. Die Nebennierenrinde produziert die sogenannten Stresshormone. Durch ihr Versagen kommt es zu einem akuten Cortisolmangel, was zu einem drastischen Abfall des Blutdruckes und einer Unterzuckerung führt. Der Körper ist zur Bewältigung von Stresssituationen nicht mehr in der Lage. Unbehandelt führt das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom fast ausnahmslos zum Tod.