Krätze (Scabies)

Die Krätze (Scabies) ist eine parasitäre Hautinfektion, welche durch Sarcoptes scabiei var. hominis, einer Milbenart, ausgelöst wird.  Adulte Krätzmilben sind ca. 0.4mm lang und ernähren sich von menschlichen Hautzellen. Sie sind auf Sauerstoff angewiesen, daher dringen sie nur in die oberste Hautschicht ein. Die Übertragung der Milben geschieht durch längeren und kontinuierlichen direkten Hautkontakt. Dieser sollte in der Regel für 5- 10 Minuten bestehen, damit eine Infektion möglich ist. Seltener erfolgt die Infektion durch das Tragen der gleichen Kleidung, das Teilen des Handtuches oder das Schlafen im selben Bett.
Die Scabies tritt weltweit auf. Man findet sie aber gehäuft in tropischen Regionen und Ländern mit niedrigen hygienischen Standards.

 

Ausbreitung
Grundsätzlich kann jeder Mensch an Scabies erkranken. Gehäuft tritt die Krankheit jedoch bei Kindern und älteren Menschen auf. Enger menschlicher Kontakt wie er in Familien, Wohngemeinschaften, Schulen, Alters- und Pflegeheimen besteht, erhöht das Risiko einer Ansteckung. Durch schlechte Hygieneverhältnisse können sich die Milben einfacher ausbreiten. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind ebenfalls einem erhöhten Risiko ausgesetzt. 

 

Lästiger Juckreiz
Besiedelt eine weibliche, begattete Milbe die menschliche Haut, bohrt sie tunnelartige Gänge in die oberste Hautschicht, in welche sie ihre Eier legt. In den Gängen finden sich auch Kotballen der Milbe. Aus den Eiern entwickeln sich innerhalb von 2-3 Tagen Larven, welche später als Nymphen bezeichnet werden, bis sie zu komplett geschlechtsreifen Milben ausgewachsen sind.
Die ersten Symptome treten erst 2-5 Wochen nach der Besiedelung der Milben auf. Im Falle einer Reinfektion (Erneute Infektion von Personen, welche schon einmal mit Scabies infiziert wurden) können die Symptome deutlich früher auftreten. Die Milben befinden sich hauptsächlich in Hautfalten, so z.B. zwischen den Fingern und Zehen, am Handrücken, an Handgelenken und Knöcheln, Leisten, in der Brustfalte und am Penisschaft. Das menschliche Immunsystem reagiert auf die abgelegten Eier, Kotballen und abgestorbenen Milben mit einem starken Juckreiz. Bis auf Kopf und Nacken kann der ganze Körper davon betroffen sein. Typischerweise verstärkt sich der Juckreiz in der Nacht. Auf der Haut findet sich ein Gemisch aus Kratzspuren und kleinen roten Punkten, welche durch den Eingang in die Milbengänge gebildet werden.

 

Wenn Krätze gefährlich wird
Durch das Kratzen können kleine Wunden in der Haut entstehen, welche durch Bakterien besiedelt werden, und sich entzünden können. Dies nennt man eine bakterielle Superinfektion, welche mit Antibiotika behandelt werden muss.
Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem können sich die Milben nahezu ungehindert vermehren. Sind bei einem Immunkompetenten durchschnittlich 12 Milben zu finden, so können Immungeschwächte von hunderten bis tausenden Milben befallen sein. Aufgrund der fehlenden Reaktion des Immunsystems verspüren die Betroffenen nur einen schwachen bis überhaupt keinen Juckreiz. Dieses Krankheitsbild wird Scabies crustosa genannt. Im Gegensatz zur gewöhnlichen Scabies kann sie auch Gesicht und Nacken befallen. Wegen der hohen Anzahl Milben ist diese Krankheitsform hochansteckend.

 

Diagnostik
Zur Diagnosestellung reicht oftmals die ausführliche Befragung und körperliche Untersuchung des Patienten. Der verstärkte Juckreiz in der Nacht und der typische Hautausschlag lassen den Arzt auf Scabies schliessen. Zur Bestätigung der Diagnose kann eine oberflächliche Hautprobe entnommen und unter dem Mikroskop, wo Milben, Eier und Kotballen sichtbar sind, untersucht werden. 

           

Unbehandelt bleibt die Krätze über Monate bis Jahre bestehen
Durch eine adäquate Therapie ist die Krätze heilbar. Die Therapie erfolgt durch eine Hautcreme, welche auf die gesamte Körperoberfläche mit Ausnahme des Gesichts aufgetragen werden muss. Besonders gut einzucremen sind Finger und Zehen (auch unter Finger- und Zehennägeln), Handgelenke, Ellenbeugen, Achselhöhlen, äussere Genitalien und Gesäss. Die Creme soll mindestens 8 Stunden auf der Haut bleiben. Danach kann der Wirkstoff abgeduscht werden. Nach einmaliger adäquater Behandlung besteht keine Ansteckungsgefahr mehr, sodass bereits am Folgetag Kinder wieder zur Schule und Erwachsene zur Arbeit gehen können. Nach ein bis zwei Wochen soll die Therapie wiederholt werden. Der Juckreiz kann trotz erfolgreicher Therapie noch für einige Wochen fortbestehen.
Um gegenseitige Wiederansteckungen zu vermeiden sollen Familienmitglieder, Sexualpartner und andere Kontaktpersonen des Erkrankten mitbehandelt werden.  Alternativ gibt es auch die Möglichkeit einer oralen, systemischen Therapie mittels Ivermectin. Dies ist insbesondere bei der Krustenscabies oder auch bei erfolglos mittels Hautcreme vorbehandelten Personen.

 

Hygiene Empfehlungen

Für Privatpersonen

  • Alle weichen Materialien, wie Tücher, Handtücher, Plüschtiere etc. waschen und im Tumbler aufbereiten. Alternativ, wenn dies nicht möglich ist, in einem Plastiksack für 14 Tage luftdicht verschliessen und draussen aufbewahren
  • Harte Materialien wie Stifte etc. bergen nur eine sehr geringe Gefahr und müssen nicht aufbereitet werden
  • Die benutzten Stühle abwaschen, eine Desinfektion ist wenig zielführend

 

Für Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen

  • Zusätzlich zu den Empfehlungen für Privatpersonen sollten Sie folgendes beachten:
  • Eine Schliessung ist nicht notwendig
  • Ein Kammerjäger ist nicht notwendig
  • Ein betroffenes Kind darf erst nach Freigabe durch den behandelnden Arzt wieder zugelassen werden
  • Die Kinder sollten in den Zwischenfingerräumen nach eventuellen Symptomen abgesucht werden
  • Eine Information an die Eltern der Kinder der Spielgruppe erscheint sinnvoll