Der Anfang

1971 bis 1985 - Die therapeutische Gemeinschaft

Chronik3

Der Start der neuen Einrichtung gestaltet sich, wie es nicht anders zu erwarten war, ziemlich holprig. Ursprünglich für "leichte Fälle" vorgesehen, müssen aufgrund der veränderten gesellschaftlichen Lage auch Täter, welche schwere Delikte verübt haben, aufgenommen werden. Das anfänglich konzipierte Betriebskonzept passt folglich nicht mehr zur Klientel. Ganz allgemein ist man sich auch in Fachkreisen in der Behandlung von Personen, welche sich in derart schweren adoleszenten Krisen befinden, nicht einig.

Zahlreiche Fluchten verunsichern zudem die Bevölkerung, und so müssen auf politischen Druck hin, und ganz entgegen dem Konzept der offenen Institution, an einem Pavillon Gitter angebracht werden. In einem 1973 erstellten Untersuchungsbericht werden weitere Mängel aufgedeckt.

Max Abt legt daraufhin sein Amt als Direktor des Arxhofs nieder und René Lötscher übernimmt im Jahre 1974 die Leitung der Institution, zunächst interimistisch und im Jahre 1977 definitiv. Er macht es sich zur Aufgabe, das einzigartige Konzept der offenen Anstalt in die Praxis umzusetzen. Als Schlüsselfaktor für die Weiterentwicklung ist die im Jahr 1977 erfolgte Anstellung des ersten vollamtlichen Arztes und Psychiaters, Dr. Roberto Lobos, anzusehen. Dieser beginnt, die Anstalt in eine grosse therapeutische Gemeinschaft zu überführen, was aus heutiger Sicht als revolutionär gilt.

Es folgen ruhigere Jahre, in denen der Arxhof aus dem Schussfeld der Medien und Politik kommt und ohne grosse Schlagzeilen seinen Auftrag erfüllen kann. Dies ändert sich erst im Jahre 1985 wieder. Am Anfang war die Vision – eine offene Arbeitserziehungsanstalt für delinquente junge Männer, ganz ohne Mauern und Gitterstäbe vor den Fenstern - Diese visionäre Idee haben einige Mitglieder der Baselbieter Regierung, als um 1960 die Frage behandelt wird, wie es mit der baufällig gewordenen Strafanstalt in Liestal weitergehen soll. Ganze sechs Jahre ziehen ins Land, bis aus der Idee ein konkretes Bauprojekt wird, welches 1966 mit der veranschlagten Kostensumme von 9.8 Millionen Franken die Genehmigung erlangt.

Dass fortschrittliche Ideen schon in den 60er Jahren nicht einfach zu realisieren sind, zeigt die Tatsache, dass Projektgegner das Referendum ergreifen. In der darauffolgenden Volksabstimmung genehmigt der Souverän das Projekt dennoch. Allerdings müssen aufgrund der Debatten massive Kürzungen in baulicher und konzeptioneller Art hingenommen werden. Der lange Atem der Befürworter zahlt sich jedoch aus. Rund elf Jahre nach der Vision wird 1971 die Arbeitserziehungsanstalt Arxhof unter der Leitung von Max Abt, vormaliger Direktor des Gefängnisses Liestal, eröffnet.