Webartikel vom 29.06.2022, Energiestatistik 2020

Energieverbrauch sinkt um 4,4%

Der Energieverbrauch 2020 ist im Vergleich zu 2018 um rund 4,4% gesunken. Hauptgründe für den Rückgang sind die Corona-Pandemie und die wärmere Witterung. Gleichzeitig nahm die Stromproduktion durch Photovoltaik weiter zu. Auch 2020 wurden noch zwei Drittel der Baselbieter Wohngebäude mit den fossilen Energieträgern Heizöl und Erdgas beheizt.

Der Energieverbrauch im Kanton Basel-Landschaft lag im Jahr 2020 bei rund 7’600 Gigawattstunden (GWh). Gegenüber 2018 reduzierte sich der Energieverbrauch um 4,4% (–349 GWh). Den mengenmässig stärksten Rückgang verzeichnet das Heizöl: Im Vergleich zu 2018 wurden im Jahr 2020 rund 151 GWh bzw. 11,4% weniger Heizöl verbraucht. Diese Reduktion erklärt sich hauptsächlich durch die wärmere Witterung im Jahr 2020 sowie durch Heizungswechsel hin zu anderen Energieträgern. Ein deutlicher Rückgang zeigt sich auch bei der Energiegewinnung aus Industrieabfällen: Diese reduzierte sich um 107 GWh bzw. 22,6% gegenüber 2018. Diese Reduktion erklärt sich in erster Linie durch einen geringeren Verbrauch von Gewerbe und Industrie (u.a. auch Veränderungen in der Branchenstruktur sowie Unterbrüche in der Produktion im Jahr 2020).

Der rückläufige Elektrizitätsverbrauch (–62 GWh bzw. –4,1%) ist primär auf die Coronakrise zurückzuführen: Die zwei Lockdowns führten insgesamt zu einer geringeren industriellen Produktion. Der Verbrauch von Treibstoffen reduzierte sich im Vergleich zu 2018 um rund 92 GWh oder 4,1%. Hier gilt es jedoch zu beachten, dass coronabedingte Effekte nicht berücksichtigt sind (siehe methodische Anmerkungen unten). Zum Vergleich: Schweizweit reduzierte sich der Treibstoffverbrauch unter Berücksichtigung von Corona-Effekten um 8,1% (siehe Medienmitteilung Bundesamt für Energie).

Ausbau der Photovoltaik beschleunigt sich
In den Jahren 2019 und 2020 wurden im Baselbiet gut 950 neue Photovoltaik-Anlagen installiert. Zum Vergleich: Im Zeitraum 2017–2018 kamen rund 900 neue Anlagen hinzu. Damit waren im Jahr 2020 rund 4‘700 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 85 Megawatt Peak (Definition Megawatt Peak siehe Methode) installiert. Die installierte Leistung hat seit 2018 um 28% bzw. 18,4 Megawatt Peak zugenommen. Zwischen 2016 und 2018 wurden rund 13,1 Megawatt Photovoltaik-Leistung hinzugebaut.

Die Produktion durch Photovoltaik nahm gegenüber 2018 um rund 25% von 59 GWh auf 73 GWh zu. Damit wurde im Jahr 2020 rund 16,5% der Baselbieter Stromproduktion durch Photovoltaik erzeugt (2018: 13,1%). Der Anteil der Photovoltaik am gesamten Elektrizitätsverbrauch betrug 2020 3,9%.

Wohngebäude zwischen 1919 und 1980 zu über 80% fossil beheizt
Im Kanton Basel-Landschaft standen im Jahr 2020 rund 65‘500 Wohngebäude. Je ein Drittel der Wohngebäude wird durch Heizöl und Erdgas beheizt. Danach folgen Wärmepumpen (15,2%) und Fernwärme (8,0%). Die Betrachtung nach Bauperiode zeigt, dass insbesondere zwischen den Baujahren 1919 und 1980 die fossilen Energieträger Erdgas und Heizöl deutlich dominieren: Über 80% der rund 30'900 Wohngebäude aus dieser Zeit werden fossil beheizt. In den nachfolgenden Bauperioden steigt der Anteil der erneuerbaren Heizsysteme kontinuierlich an. Insbesondere der Anteil der Wärmepumpen nimmt seit den Achtzigerjahren stetig zu. Zwischen 2011 und 2020 wurden rund zwei von drei neu erstellten Wohngebäuden mit einer Wärmepumpe ausgestattet.

Wie werden die Gebäude in Ihrer Gemeinde beheizt?
Finden Sie anhand der nachfolgenden Abbildung heraus, wie die Gebäude in Ihrer Gemeinde beheizt werden. Die Grafik zeigt den Energieträger-Mix der Heizungen aller Baselbieter Gemeinden. Die gewünschte Gemeinde kann via Dropdown und Tastatureingabe des Gemeindenamens abgefragt werden:

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Methodische Grundlagen der Energiestatistik

Die Energiestatistik ist eine Synthesestatistik, bei der die Ergebnisse aus vielen unterschiedlichen Quellen gewonnen werden und sowohl auf Erhebungen als auch Schätzungen beruhen. Bei den leitungsgebundenen Energieträgern (Elektrizität, Erdgas, Fernwärme) werden die Verbräuche bei den Elektrizitäts- und Gaswerken sowie den Lieferanten von Fernwärme erhoben. Ebenfalls erhoben werden die Energiezahlen von Betreibern von grossen oder speziellen Anlagen (Energiegewinnung aus Industrieabfällen, Stromproduktion mittels Wärmekraftkoppelungsanlagen, etc.). Geschätzt werden hingegen die Verbräuche von nicht leitungsgebundenen Energieträgern (Heizöl, Holz, Umweltwärme) für die Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser sowie der Verbrauch von Treibstoffen im Verkehr.

Hinweis Corona: Der Verbrauch von Treibstoffen wird basierend auf dem Gesamtverkehrsmodell der Region Basel geschätzt. Dieses wurde 2019 letztmals aktualisiert. Darum sind coronabedingte Effekte beim Treibstoffverbrauch nicht berücksichtigt. Für alle anderen Energieträger sind allfällige Veränderungen aufgrund der Coronakrise in den Daten 2020 abgebildet.

Die Schätzung wird seit 2010 auf das Gebäude- und Wohnungsregister abgestützt. Dank diesem Register ist der Gebäudepark bekannt, für den es den Energieverbrauch zu schätzen gilt. Mit den ebenfalls bekannten Erdgasverbräuchen werden spezifische Werte pro Gebäude berechnet, mit denen der Energiebedarf der mit Heizöl, Holz oder Wärmepumpen beheizten Gebäude hochgerechnet wird. Die Struktur der Energiestatistik wurde gegenüber früheren Jahrgängen jedoch nicht geändert. Auf der Bruttoseite wird die Energie so dargestellt, wie sie in den Kanton importiert wird oder im Kantonsgebiet aus verschiedenen Quellen gewonnen wird. Auf der Endenergieseite wird sie so dargestellt, wie sie vom Konsumenten bezogen wird. In der dazwischenliegenden Umwandlungsstufe wird die Erzeugung von Elektrizität und Fernwärme im Kantonsgebiet dokumentiert (siehe auch Energieflussdiagramm). Seit 2010 wird auch die in Wärmeverbünden erzeugte und verteilte Wärme als Fernwärme ausgewiesen.

Masseinheiten
Als Masseinheit des Energieverbrauchs wird in der kantonalen Energiestatistik die Gigawattstunde (GWh) verwendet. Eine GWh entspricht einer Million Kilowattstunden (kWh). In der Schweizerischen Gesamtenergiestatistik wird der Energieverbrauch in Terajoule (TJ) angegeben. Eine GWh entspricht 3,6 TJ. Die Angaben in GWh können durch Multiplikation mit 3,6 in TJ umgerechnet werden. Eine GWh entspricht ungefähr dem Energiegehalt von 100’000 Litern Heizöl.
Beispiele:
1 kWh = eine Stunde bügeln
1 MWh = ca. 7’000 km elektrisch Autofahren
1 GWh = Jährlicher Elektrizitätsbedarf von ca. 200 Haushalten

Megawatt Peak
Die Leistung von Photovoltaik-Anlagen wird in der Energiestatistik in Kilowatt Peak (kWp) erfasst. Die Peakleistung oder auch Spitzenleistung (englisch peak = Spitze) bezeichnet die elektrische Höchstleistung einer Photovoltaik-Anlage bei optimaler Einstrahlung der Sonne. Dadurch wird die elektrische Leistung von Photovoltaik-Anlagen vergleichbar.

Links

Tabellen
Grafiken
Energiestatistik Basel-Stadt
Energiestatistiken Schweiz

Kontakt

Luca Hüsler
Raum und Umwelt
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Statistisches Amt des
Kantons Basel-Landschaft
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