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Erster Gleichstellungsbericht Kanton Basel-Landschaft

25.08.2016
Grundlage für zukünftige Baselbieter Gleichstellungspolitik

Erstmals präsentiert «Gleichstellung für Frauen und Männer Kanton Basel-Landschaft» in einem Bericht die Entwicklung der Gleichstellung seit Einführung des Verfassungsauftrags 1981 und des Gleichstellungsgesetzes vor 20 Jahren. Aus der Perspektive eines Lebensverlaufs macht sie die Tragweite der gleichstellungspolitischen Rahmen-bedingungen für ein einzelnes Leben im Kanton statistisch sichtbar. Anschauliche Grafiken und Aussagen von Baselbieter/-innen zwischen 6 und 90 Jahren illustrieren die langfristigen Auswirkungen von individuellen Entscheidungen in den verschiedenen Lebensphasen.

Das gesellschaftliche Zusammenleben und die Gesetzgebung haben die Lebensverläufe von Frauen und Männern im Kanton seit den 1980er-Jahren stark verändert. Hinsichtlich der Gleichstellung von Frauen und Männern zeigt der Bericht neben grossen Fortschritten gleichzeitig auch klare Defizite auf. Damit bietet er der Politik und der kantonalen Verwaltung die Daten und Fakten für die künftige Baselbieter Gleichstellungspolitik und motiviert zur Entwicklung und Abstimmung von konkreten Massnahmen.

Die Berufs-, Schul- und Fächerwahl bleibt stark geprägt vom Geschlecht
Die Leistungen von Buben und Mädchen unterscheiden sich in der Schule durchschnittlich nicht. Auch die Geschlechterverhältnisse sind ausgeglichen.

Bei der Berufs- und Fächerwahl bestehen jedoch weiterhin deutliche geschlechterspezifische Unterschiede. Junge Männer entscheiden sich häufiger für technische Berufe und Studiengänge wie zum Beispiel Ingenieurwesen, Baugewerbe, Technik und IT. Junge Frauen finden sich häufiger in Berufsausbildungen und Studiengängen des Gesundheitswesens, der Geistes- und Sozialwissenschaften, der sozialen Arbeit und der pädagogischen Ausbildung wieder.

Gleichstellungsrelevant bleiben auch die Zahlen zum Lehrpersonal: Im Kindergarten unterrichteten 2015 beinahe ausschliesslich weibliche Lehrpersonen (99%). In der Primarschule waren 84% der Lehrpersonen weiblich. Bei den Professuren ist das Geschlechterverhältnis umgekehrt: 2015 betrug der Männeranteil an der Universität Basel 78%.

Im Berufsalltag bestehen weiterhin grosse Ungleichheiten
Nach der Ausbildung beteiligen sich Frauen und Männer im gesamten Lebensverlauf unterschiedlich stark am Erwerbsleben. Die Erwerbsquote der 15- bis 64-jährigen Frauen hat seit 1990 von 61% auf 74% (2011/2013) zwar zugenommen und diejenige der Männer im gleichen Zeitraum von 91% auf 85% abgenommen. Der Frauenanteil am Total des Beschäftigungsvolumens betrug 2013 dennoch nur 35%. Im kantonalen Vergleich hat Baselland damit einen sehr tiefen Wert und befindet sich auf Rang 24. Hauptgründe sind Teilzeitpensen sowie das Leisten von unbezahlter Haus- und Familienarbeit. Von den erwerbstätigen Frauen waren 2011/2013 56% in einem Teilzeitpensum beschäftigt; bei den Männern waren es rund 12%.

Stark beeinflusst wird das Erwerbsleben somit von der familiären Situation und den Rahmenbedingungen. Dazu gehört beispielsweise der nur eintägige Vaterschaftsurlaub (gesetzlich zugesichertes Minimum). Die Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit hat wiederum Einfluss auf die Entwicklungsmöglichkeiten, beispielsweise bezüglich beruflicher Stellung und Lohn. So hat sich das Geschlechterverhältnis in Kaderpositionen in den letzten Jahren im Kanton Basel-Landschaft kaum verändert. Männer machen rund 70% aller Erwerbstätigen in Kaderpositionen aus. 2014 betrug der Medianwert des monatlichen Bruttolohns bei den Frauen in der Nordwestschweiz 6014 Franken und derjenige der Männer 6934 Franken. Dies entspricht pro Monat rund 900 Franken und einem Lohnunterschied von 13%. Diese Differenz beeinflusst beispielsweise den Zugang zu Konsum und Sparen.

Die Unterschiede aus dem Erwerbsleben wirken sich auf den Ruhestand aus
Die Logiken der Sozialversicherungen folgen teilweise noch der Norm des traditionellen Familienmodells mit einem männlichen Ernährer in lebenslanger Ehe. So verfügen beispielsweise Männer heute durchschnittlich über nahezu doppelt so hohe Altersrenten der zweiten Säule als Frauen. Neben ihren oft tiefen Pensen ist ein lohnunabhängiger fixer Koordinationsabzug von Pensionskassen dafür verantwortlich.

Stark geschlechtsspezifisch hat sich auch der Pflegebereich entwickelt. Während Männer häufiger und länger auf innerfamiliäre Pflege zählen können, sind Frauen mit einem Anteil von 67% heute häufiger auf Spitex-Dienste angewiesen. Mit einem Anteil von 65% sind sie auch in den Alters-, Pflege- und Behindertenheimen überrepräsentiert. In diesem Zusammenhang müssen die Bedeutung, der Wert und die soziale Absicherung von Care-Arbeit beachtet werden. Sowohl die bezahlte als auch die unbezahlte Pflegearbeit nehmen durch den demografischen Wandel weiter zu, weil mehr Menschen im pflegebedürftigen Alter im Kanton Basel-Landschaft wohnen werden. Oft ist es schwierig, mit Pflegearbeit ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen. Dies betrifft mehrheitlich Frauen – viele mit Migrationshintergrund.

Mit Blick auf den ganzen Lebensverlauf
Mit Blick auf die gleichstellungsrelevanten Rahmenbedingungen folgt der Bericht Lebensphasen von der Geburt bis ins hohe Alter. Diese Lebensverlaufsperspektive veranschaulicht auf 152 Seiten und mit 53 Grafiken Zusammenhänge und Auswirkungen von individuellen und politischen Entscheidungen. Um dies zu unterstreichen, werden die statistischen Grundlagen mit Aussagen von elf Baselbieterinnen und Baselbieter illustriert. In Gruppengesprächen haben die 6- bis 90-Jährigen miteinander auf verschiedene Lebensphasen voraus- und zurückgeschaut.

Der Bericht kann im PDF-Format über den untenstehenden Link kostenlos heruntergeladen werden.
 
> Gleichstellungsbericht
> Rede Regierungsrat Dr. Anton Lauber
  • Jana Wachtl, Projektleitung Gleichstellungsbericht, 061 552 82 86
  • Sabine Kubli Fürst, Leiterin Gleichstellung für Frauen und Männer BL, 061 552 82 84

Weitere Informationen.

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