Gewalt

Sexuelle Belästigung und Gewalt sind sehr weit verbreitet. Sexuelle Belästigungen finden vielerorts statt – während der Ausbildung oder am Arbeitsplatz. Gewalt betrifft Menschen unterschiedlich: Männer werden häufiger im öffentlichen Raum Opfer, Frauen im privaten Bereich. LGBTIQ-Personen erfahren Gewalt aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Geschlechtsidentität oder ihres Geschlechtsausdrucks.

Gewalt betrifft viele. Dabei lässt sich unterscheiden zwischen körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt. Die Tatbestände sind vielfältig: Belästigung, Stalking, Vergewaltigung, Erpressung, Drohung bis hin zu Körperverletzung. 

Unterschiedliche Betroffenheit je nach Kontext 

Insgesamt fallen laut Polizei-Statistik mehr Männer Gewalt zum Opfer. Relevant ist der Kontext: Die Opfer im privaten Bereich sind grossenteils weiblich (laut einer Studie haben 42 % der Frauen und 24 % der Männer bereits Gewalt in Paarbeziehungen erlebt). Hingegen trifft Gewalt im öffentlichen Raum mehrheitlich Männer. Opfer-Identität verträgt sich schlecht mit stereotyper Männlichkeit. Dass auch Männer Opfer werden, ist daher vielfach ein Tabu. Auch Gewalt gegen Menschen aufgrund der sexuellen Orientierung, der Geschlechtsidentität oder des Geschlechtsausdrucks geschieht häufig im öffentlichen Raum (sog. Hate Crimes).

Bei den Tatpersonen dominieren Männer. Insgesamt verüben sie rund vier Fünftel der Gewalt-Straftaten. Abhängigkeit und Machtverhältnisse können Gewalt hervorbringen. Entsprechend hilft Gleichstellung, der Gewalt den Nährboden zu entziehen.

Sexualisierte Gewalt mit hoher Dunkelziffer

Auch sexualisierte Gewalt ist häufig ein Tabu. Jede fünfte Frau in der Schweiz hat bereits einen sexuellen Übergriff erfahren – dies ergab eine Studie der gfs.bern im Auftrag von Amnesty International. 12 Prozent mussten Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen erleben, 7 Prozent wurden mit Gewalt zu Sex gezwungen. Zur Anzeige gebracht werden nur 8 Prozent aller sexuellen Übergriffe. Die Dunkelziffer im Vergleich zu diesen angezeigten Straftaten ist daher hoch. Ein Grund dafür sind Vorurteile: Falsche Annahmen wie «Gewisse Opfer von Vergewaltigungen tragen eine Mitschuld», «Das Opfer hat sich nicht genug gewehrt» oder «Männer können nicht von sexualisierter Gewalt betroffen sein» sind weit verbreitet und belastend für Opfer. Schuld an einem Übergriff ist die Tatperson.

Mit der Revision des Sexualstrafrechts gilt in der Schweiz künftig die «Nein heisst Nein»-Lösung. Neu zählt jede sexuelle Penetration, die gegen den Willen einer Person erfolgt als Vergewaltigung. Zudem berücksichtigt das Gesetz auch den möglichen Schockzustand, das sogenannte Freezing: Gerichte können diesen ebenfalls als Ablehnung deuten.


Gleichstellung in Zahlen

Frauen werden häufiger im privaten Bereich Opfer von Gewalt: 2017-2019 waren 448 Frauen und 262 Männer betroffen. Im öffentlichen Raum ist das Verhältnis etwa umgekehrt: 671 männliche Opfer stehen da 313 weiblichen Geschädigten gegenüber.