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Bettagsmandat 2013

Schneller, höher, stärker – sein Bestes geben

Citius, altius, fortius (lateinisch, zu deutsch: schneller, höher, stärker) lautet das Motto der Olympischen Spiele. Es geht auf die Idee eines französischen Dominikanerpaters zurück. 1894 hat Pierre de Coubertin, der Begründer der modernen olympischen Spiele, dem Gründungskongress des Internationalen Olympischen Komitees diese drei Wörter als für den fairen sportlichen Wettbewerb zweifellos stimmige Devise vorgeschlagen. Ist heute vom olympischen Gedanken die Rede, ist oft „dabei sein ist alles“ gemeint. Eine Aussage, die interessanterweise in klarem Gegensatz zum klassischen Motto steht, welches den Wettbewerb und den Siegeswillen in den Vordergrund stellt. Dabei sein ist alles bedeutet, dass es nicht das Wichtige an diesen Spielen sei zu siegen, sondern daran teilzunehmen; ebenso wie es im Leben unerlässlich ist nicht zu besiegen, sondern sein Bestes zu geben. Auch diese Devise hat ein Vertreter des geistlichen Stands formuliert.

Während es wichtig ist, dass die Kirche ihre Stimme in allen für unsere Gemeinschaft wichtigen Themenfeldern erhebt, sich einbringt und engagiert, ist staatliche Einmischung in religiöse Fragen weder vorgesehen noch erlaubt. Dem Staat kommt vielmehr die Rolle als Garant der Religionsfreiheit in allen ihren Ausprägungen unter Respektierung unserer gesellschaftlichen Werte zu. Heute aber, wie jeden dritten Sonntag im September seit dem Jahr 1832, ist wieder eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag - der älteste nationale Feiertag unseres Bundesstaates und gleichzeitig ein ökumenischer kirchlicher Feiertag. Er ist Ostern, Karfreitag, Pfingsten und Weihnachten gleichgestellt. An diesem Tag steht der politischen Regierung das Privileg zu, mit dem Bettagsmandat für diesen speziellen kirchlichen Anlass einen aktuellen Bezug herzustellen und ihn auf diese Weise immer wieder neu zu begründen. Aber ist ein staatlich verordneter Feiertag um zu danken, Busse zu tun und zu beten in unserer Welt überhaupt noch zeitgemäss? In einer Welt, in der sich viele Menschen als konfessionslos bezeichnen und mit den Worten Busse tun und beten nicht mehr viel anfangen können? Und wozu, wem und wofür soll man überhaupt danken?

Immer schneller, immer mehr von allem und dies wenn nötig auch ohne Rücksicht auf andere und gar mit unlauteren Mitteln - unsere Welt ist in den letzten Jahren spürbar hektischer geworden. Veränderungsdruck zwingt viele Menschen, immer schneller zu reagieren, ihnen Wichtiges und Liebgewordenes loszulassen, sich gar gänzlich neu zu orientieren. Und moderne Kommunikationsmittel versetzen uns in die Lage oder fordern von uns, beinahe immer und überall erreichbar zu sein. Richtig Abschalten ist fast nicht mehr möglich, ob werktags oder sonntags, teilweise sogar in der Ferienzeit. Je effizientere Kommunikationsmittel uns zur Verfügung stehen, desto mehr droht die Gefahr, dass die wahrhaftige Kommunikation von Angesicht zu Angesicht in den Hintergrund gerät.

Vielen Mitmenschen stellt sich die bange Frage, wie sie auch morgen mit dieser anspruchsvollen Situation und Entwicklung noch Schritt halten können. Mit einer Entwicklung, die bei allem Wohlstand auch zunehmend Hektik und Zukunftsängste mit sich bringt. Deren Auswirkungen finden ihren Niederschlag in Statistiken, die von vermehrter Vereinsamung, dem Abtauchen in virtuelle Welten, Überforderung und sich ausweitenden psychischen Problemen sowie Suchtmittel-Missbräuchen, steigenden Burn-Out-Raten und einem bedenklichen Anstieg von Selbsttötungen berichten. Was in Statistiken in einer banalen Kurve oder blossen Zahl zum Ausdruck gelangt, sind in der Realität jeweils traurige und bedauernswerte Schicksale. Schicksale, die über die direkt betroffene Person hinaus auch stark ihr familiäres und gesellschaftliches Umfeld betreffen.

Der Dank-, Buss- und Bettag bietet uns allen, egal ob im christlichen Glauben verankert oder nicht, Anlass und Gelegenheit, bewusst inne zu halten und in der Hektik des Alltags Ruhe zu finden.

Er ist Danktag, an dem wir dankbar und bewusst die Schöpfung wahrnehmen können, die uns umgibt, die Sicherheit und Wohlfahrt, in der wir in unserem Land nach wie vor leben dürfen.

Er ist Busstag, der uns erlaubt umzukehren und Solidarität zu zeigen, der uns einlädt, dass wir aus Fehlern lernen, unser Tun und Unterlassen hinterfragen, Eigen- und Mitverantwortung in Familie und Gesellschaft übernehmen und dass wir unsere Augen vor Missständen und Not nicht verschliessen. Und der uns aufruft, wach und bereit zu bleiben, um aktiv zu handeln und unserem Nächsten die Hand zu reichen oder Gutes zu tun.

Er ist Bettag, der uns bestärkt, mit Worten zu formulieren, was uns beschäftigt und bewegt, es damit anzunehmen und nicht anzuklagen sondern Lösungen zu suchen, sich als Teil einer Schicksalsgemeinschaft zu verstehen und auf etwas uns Übergeordnetes zu vertrauen.

Und ist er nicht eigentlich Alltag, weil diese Dankbarkeit, die Bereitschaft zur Busse im Sinne von besserer Einsicht und Umkehr sowie demütiges Vertrauen uns täglich begleiten und wir im guten Sinne und eingedenk unserer irdischen Begrenztheit als Teil der Gemeinschaft unser Bestes geben sollten?

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