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Flavio Gross – Fernziel Olympische Winterspiele

07.03.2018 08:42

Flavio Gross ist 16 Jahre alt, wohnt in Münchenstein und besucht seit August 2017 die Matur-Sportklasse am Gymnasium Liestal. Mit 4 Jahren begann Flavio mit Speedinlineskating und fand anschliessend ebenfalls gefallen auf dem Eis. Er ist einer der wenigen regionalen Wintersportler, die den Traum „Olympia“ verfolgen und dafür reist er jährlich rund 35000 Kilometer, um gute Trainingsbedingungen zu haben.

Flavio Gross, Eisschnelllauf ist eine Sportart, die man vor allem von den olympischen Spielen kennt und in den meisten Fällen steht am Ende eines Rennens ein Niederländer zuoberst auf dem Podest. Wie bist du als Baselbieter auf diese Sportart aufmerksam geworden?
In der Trainingsgruppe um Caoch Kalon Dobbin durfte ich schon früh mit den Profiskatern mittrainieren und zu ihnen hochschauen. Nichts ging an mir vorbei - natürlich schon gar nicht wovon auch sie träumten: Olympia. Da Speedinline (noch) nicht olympisch ist, betreiben viele Speedinliner auch Eisschnelllauf und wie die Athleten um mich herum, wollte auch ich diese Sportart kennenlernen. Meine Eltern schenkten mir auf meinen 10. Geburtstag eine Schnupper-Eisschnelllauf Lektion auf Basler Eis (Margrethen-Kunsti). Ich drehte meine ersten Runden hinter Marcel Bosker, der heute als schweizerischniederländischer Doppelbürger in den Niederlanden lebt und skatet und vor kurzem niederländischer Allround-Meister wurde. Richtig Gefallen am Eisschnelllauf fand ich vor drei Jahren, als meine Trainingsgruppe erstmals einen Winter in Inzell/Deutschland auf dem Eis verbrachte und ich mit den heutigen Olympiateilnehmern von Pyeongchang, Livio Wenger (SUI) und Peter Michael (NZL) erste Trainingsweekends verbringen durfte.

Speedinlineskating und Eisschnelllauf: Inwiefern ergänzen sich die Sportarten und in welchen Bereichen müssen gezielt Trainingseinheiten für die eine bzw. andere Sportart stattfinden?
Ich empfinde die Belastung in beiden Sportarten ähnlich. Obwohl auch die Bewegungen ähnlich aussehen, sind die technischen Ansprüche an uns Athleten unterschiedlich. Somit muss die Technik gezielt differenziert geschult werden. Das Switchen zwischen den beiden Sportarten ist dementsprechend nicht ganz einfach. Als junger Athlet sehe ich es als Vorteil, dass ich bereits früh mit beiden Sportarten in Kontakt gekommen bin und somit den Wechsel von der einen zur anderen Sportart schneller lernen kann.

Welche Fähigkeiten muss ein Sportler mitbringen, um im Eisschnelllauf erfolgreich sein zu können? Was sind deine Stärken?
Ich denke, es ist von Vorteil, wenn man als Athlet eine gute Körperwahrnehmung, einen starken Willen und Trainingsfleiss als Fähigkeiten mitbringt. Alles andere, wie Schnelligkeit, Ausdauer und Technik sind meiner Meinung nach erlernbar. Dementsprechend schätze ich meine eigenen Stärken ein. Ich habe Durchhaltevermögen, ich will unbedingt meine Ziele erreichen, obwohl ich weiss, dass der Weg dahin lang und schwierig sein wird. Dabei darf ich mich nicht um mangelndes Talent beklagen, was mir vor allem technisch hilft.

 In der Region gibt es weder eine Inline- noch eine Eisbahn. Wie weit musst du jeweils fahren, um eine Trainingseinheit absolvieren zu können?
Ja, richtig. Randsportarten sind mit Aufwand verbunden! Einerseits bezüglich Infrastruktur, andererseits bezüglich Trainingspartner und Trainingsgruppe. Deshalb trainiere ich Zuhause viel alleine, entweder auf dem Fahrrad, auf den Inlineskates auf Fahrradwegen oder schlicht Off-Skate-Krafttraining im Keller. Inlineskating-Einheiten absolviere ich immer noch einmal wöchentlich bei meinem Verein RSC Liestal (30km Hin- und Rückweg) und 2-3 Einheiten pro Woche in Geisingen/Deutschland (230km Hin- und Rückweg). Dort trainiere ich mit meinem Team ARMA Racing und Coach Kalon Dobbin. Während den Wintermonaten findet zusätzlich einmal wöchentlich ein Kaderzusammenzug des Schweizer Rollsportverbands in der Halle des Schweizer Paraplegiker Zentrums in Nottwil (160km Hin-und Rückweg) statt. Eisschnelllauf trainiere ich einmal wöchentlich (Oktober bis März) in Zürich auf dem Dolder (200km Hin-und Rückweg) und in 2 bis3 Trainingsblocks jährlich in Inzell/Deutschland (1000km Hin-und Rückweg).

Mit 16 Jahren darfst du noch nicht Autofahren. Wie sind du und dein Umfeld organisiert, damit du Schule, Training und die verschiedenen Wettkämpfe Woche für Woche erfolgreich bewältigen kannst?
Ich habe das Glück, dass ich Eltern habe, die mir und meinen beiden jüngeren Brüdern (Nevio, 11 Jahre und Leandro, 14 Jahre alt) alles ermöglichen und uns maximal unterstützen; Mama ist unser „Trainingstaxi“. Zwischendurch läuft so die eine oder andere Woche auch mal etwas chaotisch ab, so dass Grosseltern und meine Paten ebenfalls unterstützend eingreifen. Manchmal kann ich mich meiner Teamkollegin Nadja Wenger aus Schenkon anschliessen. Dann fahre ich mit dem Zug bis nach Brugg und von da nimmt sie mich mit dem Auto mit. Auf halbem Weg nach Hause holt mich in Koblenz jeweils wieder einer meiner Eltern ab. In Trainingsblocks bin ich dann mehr auf mich alleine gestellt. Da unterstützen mich meine WG-und Trainingspartner, zum Beispiel Livio Wenger, mein erstes und immer noch grosses Vorbild, wie ältere Brüder. Wettkampfwochenenden, vor allem des Europa Cups, verbringen wir meist als ganze Familie.

 

Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Wie sieht dein Karriereplan bis zur Matur aus und wie soll es wunschgemäss danach weitergehen?
Diese Jahr ist es mein Ziel, erste Erfahrungen an Welt- und Europameisterschaften zu sammeln. Im besten Fall reichen die Resultate gar für eine Teilnahme an den Youth Olympic Games in Buenos Aires (Oktober 2018), wo Inlinespeedskating das erste Mal dabei ist. Ein weiteres grosses Ziel sind die Winter Youth Olympic Games 2020 in Lausanne. Als Eisschnellläufer will ich an diesen Heimspielen das Schweizerkreuz vertreten. Des Weiteren will ich mich bis zur Matur jährlich für Europa- und Weltmeisterschaften qualifizieren und weitere Erfahrungen sammeln.

Nach der Matur soll es so richtig losgehen. Ich stelle mir vor, dass ich dann das ganze Jahr hindurch mit meiner Trainingsgruppe wohnen, trainieren und Wettkämpfe bestreiten kann. Mein grösster Traum ist es, dass ich als Eisschnellläufer und Inlinespeedskater an Olympia teilnehmen könnte. Wäre doch schon cool, wenn irgendwann mal andere Farben als das niederländische Orange das Eisschnelllaufpodest zuoberst zieren würden...

 Wo finden die nächsten Rennen statt?
Da meine Eissaison bereits vorbei ist, sind die nächsten Wettkämpfe Inlinespeedskating-Wettkämpfe. Saisonbeginn für mich ist Mitte April in Geisingen (D), mit dem grössten internationalen Wettkampf des Inlinespeedskating, dem AGI (arena geisingen international). Anschliessend folgen Schlag auf Schlag die Europacuprennen in Gross-Gerau (D), Heerde (NL) und Wörgl (A). 

Name:     Flavio Gross
Alter:    16 Jahre
Wohnort:     Münchenstein
Sportarten:  Eisschnelllauf und Speedinlineskating
Grösste Erfolge: 

3. Platz Dobbin Sprint am AGI 2017
1. Platz 1000m Europacup Wörgl 2017

Lieblingsdisziplin/distanz 5000m Points, Dobbin Sprint
Langfristige Ziele:  Olympiateilnahmen Eisschnelllauf und Inlinespeedskating

 

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