Wie entwickelt sich der Sport im Baselbiet bis 2040?

12.08.2022
50 Teilnehmende aus Gemeinden, Sportorganisationen und Schulen setzten sich an der Sportamt-Tagung im «Baselbieter Sporthuus» vertieft mit der bisherigen, gegenwärtigen und künftigen Sportförderung im Kanton auseinander.

Das «Baselbieter Sporthuus» mitten im Festgelände des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (ESAF) Pratteln im Baselbiet war Austragungsort einer Netzwerktagung des Sportamts Baselland mit 50 Teilnehmenden aus Gemeinden, Sportverbänden, Sportvereinen und Schulen. Regierungs-Vizepräsidentin Monica Gschwind zitierte zur Einführung den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl: «Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten». «Nur aus dem Wissen darum, wo unsere Wurzeln liegen und welchen Verlauf unsere Geschichte genommen hat, können wir Lehren fürs Hier und Jetzt ziehen. Und nur auf dieser Basis können wir es wagen, Annahmen für die Zukunft zu treffen», stellte die Vorsteherin der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion klar. 

«Versportung der Gesellschaft»
Markus Lamprecht, der mit seinem Team der Lamprecht&Stamm Sozialforschung und Beratung AG regelmässig Studien zum Sportverhalten der Schweizer und auch der Baselbieter Bevölkerung erstellt, erklärte, dass vor 50 Jahren die Sportförderung auf die jungen Männer in klassischen Sportarten und mit dem Fokus auf Leistung und Wettkampf ausgerichtet war und dass Sport in Turnhallen und auf Sportplätzen praktisch nur abends im Verein oder tagsüber in der Schule ausgeübt wurde. Die Aufnahme der Mädchen und jungen Frauen bei Jugend+Sport im Jahr 1972 hatte auch Auswirkungen auf die Sportaktivitäten der Bevölkerung. Neue Sportarten und Sporträume kamen dazu. Der Sportbegriff dehnte sich aus. «Früher wurde Wandern nicht als Sport bezeichnet. Das ist heute anders. Wandern ist die mit Abstand beliebteste Sportart der Baselbieter Bevölkerung», sagte Markus Lamprecht. Durch die immer stärkere Expansion, Inklusion, Differenzierung sowie Pluralisierung der Sportarten, durch die Ausweitung der Sporträume und Tageszeiten, an denen Sport getrieben wird, resultierte ein regelrechter Sportboom. Vier von fünf erwachsenen Baselbieterinnen und Baselbieter geben in Umfragen an, zumindest ab und zu sportlich aktiv zu sein. Der Anteil der sportlich Innaktiven wird immer kleiner. Gesundheit und Bewegung sind heute als Sportmotive wichtiger als Leistung und Wettkampf. Markus Lamprecht schloss sein Referat zum Wandel des Sportverhaltens mit den Aussagen: «Der Sport wird immer bunter und vielfältiger, aber auch unübersichtlicher und uneinheitlicher. Für die Sportförderung und Sportplanung ergeben sich Chancen und Herausforderungen.»

50 Jahre J+S und der Weg zu J+S 2025
Pierre-André Weber, Leiter der Abteilung Jugend- und Erwachsenensport am Bundesamt für Sport in Magglingen, zeigte als Chef von J+S den Werdegang vom freiwilligen Vorunterricht für männliche Jünglinge zu J+S 1972 bis zum aktuellen J+S-Fördersystem für 5- bis 20-jährige Kinder und Jugendliche auf. Den Werdegang von J+S dokumentierte Weber anhand von zwei Kennzahlen. 1972 waren bei einem Budget des Bundes von 15 Millionen Franken 18 Sportarten bei J+S angeschlossen. Heute sind bei einem Budget von 115 Millionen Franken 86 Sportarten, die von J+S profitieren. J+S wird laufend weiterentwickelt. Aktuell werden Massnahmen zur Umsetzung von J+S 2025 erarbeitet.

Meilensteine der Baselbieter Sportförderung
Wie die Bundesinstitution feiert in diesem Jahr auch das Sportamt Baselland das 50-jährige Bestehen. Sportamt-Leiter Thomas Beugger erläuterte die Meilensteine der Baselbieter Sportförderung, insbesondere das Inkrafttreten des kantonalen Sportgesetzes im Jahr 1991, das kantonale Programm Kinder- und Jugendsportförderung Baselland (KJSBL), das kantonale Sportanlagen-Konzept (KASAK) sowie Massnahmen zur Förderung des Breiten-und Leistungssports.

Gemeinden als grosse Sportförderer
Regula Meschberger, Präsidentin des Verbands Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG), wies auf die Kernaufgaben der Gemeinden in der Sportförderung hin: «Die Gemeinden erstellen die meisten Sportanlagen im Kanton, unterhalten und betreiben die Anlagen, unterstützen die kommunalen Sportvereine.» Die VBLG-Präsidentin ortete Potenzial beim freiwilligen Schulsport, in der Würdigung der Freiwilligenarbeit, welche in den Sportvereinen geleistet wird, bei der Einsetzung von Sportkoordinatoren sowie in der regionalen Zusammenarbeit bei der Sportinfrastruktur. Aktuell tragen bei regionalen Sportanlagen meistens die Standortgemeinden finanziell die grösste Last.
Die Schwerpunkte der Tätigkeitsfelder der demnächst 50-jährigen Dachorganisation IG Baselbieter Sportverbände präsentierte Vorstandsmitglied Jörg Wermelinger. Diese sind: Interessensvertretungen, Kontakte schaffen und Beziehungspflege.

Überlegungen zu Sportaktivitäten im Jahr 2040
Im Anschluss an eine Führung über das ESAF-Festgelände diskutierten die Teilnehmenden in «World Cafés», wie sich der Sport im Baselbiet bis 2040 weiterentwickeln könnte. Dabei kam zum Ausdruck, dass der Vereinssport, der auf der Basis der Freiwilligenarbeit funktioniert, kaum an Bedeutung einbüssen wird. Es dürften in Zukunft weitere neue Sportarten dazukommen, die wie die bisherigen Sportarten auf eine gute Sportinfrastruktur angewiesen sein werden. Die Ausweitung der mobilen Sportanlagen des Sportamts, vermehrte Erstellung multifunktioneller Sportanlagen sowie eine stärkere Koordination des Sportamts bei sportarten- und gemeindeübergreifenden Anliegen waren Wünsche und Forderungen.

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