iPads sei Dank? iPad sei Dank!

Judith Guntern ist Lehrerin an der Sekundarschule Frenke in Liestal und unterrichtet seit 34 Jahren die Fächer Französisch, Geschichte und Deutsch sowie Ethik, Religionen und Gemeinschaft in den Leistungszügen E und P. Sie setzt sich seit Beginn der Pilotphase mit den digitalen Lernbegleitern im Unterricht und zuhause auseinander: Lesen Sie den ersten Teil ihres Erfahrungsberichts mit konkreten Tipps.

Seit dem Sommer 2020 bekommen die neu eintretenden Sekundarschülerinnen und -schüler ein iPad, das sie auch mit nach Hause nehmen. Im nächsten Sommer wird bereits der dritte Jahrgang diese Geräte in Empfang nehmen dürfen. Soviel vorneweg: eine Schule ohne iPads könnte ich mir nicht mehr vorstellen, obwohl ich die längste Zeit meines Berufslebens gut ohne diese technische Errungenschaft klarkam.

Ich war schon bei einem Tablet-Pilotprojekt mit HP-Geräten dabei, die viele technische Pannen hatten. Ständig stieg wieder eines aus – wohl mit ein Grund dafür, dass sich der Kanton letztlich für die Apple-Geräte entschied (diese bewähren sich!). Was können denn nun die Schülerinnen und Schüler mit diesen Wundergeräten machen? Am besten gebe ich ein paar Beispiele aus meiner Praxis – die Reihenfolge entspricht in etwa der Häufigkeit, in der die verschiedenen Möglichkeiten eingesetzt werden. Im nächsten Newsletter können Sie dann meine Erfahrungen mit ein paar Schülervoten vergleichen. 

  1. Die Schülerinnen und Schüler schreiben Texte in Word. Ich lasse ihnen oft die Wahl zwischen Blatt oder Tablet, etwa die Hälfte wählt immer noch Papier und Stift. Manchmal gibt es jedoch keine Wahl, damit sie die Handschrift nicht verlernen. Einige schreiben auch mit dem Stift direkt auf dem Bildschirm.
  2. Sie erstellen eine PowerPoint-Präsentation zu einem Thema. Die Qualität lässt sich sehen, ich staune und freue mich über die schönen, fundierten Darbietungen, kürzlich in Medienkunde zu einem ausgewählten Zeitungsartikel. Die Jugendlichen kennen sich gut aus mit diesem Programm, mit den Möglichkeiten und Grenzen und sie lernen viel voneinander, denn wir besprechen die Resultate und heben die besonderen Highlights hervor.
  3. Sie lösen Aufgaben online auf einer Plattform, zum Beispiel auf mindsteps: entweder arbeiten sie an ihren eigenen Steps und machen Fortschritte in ihrem Tempo, oder ich geben ihnen einen Auftrag mit einem Zeitfenster. Ich kann alle Resultate einsehen und zeige sie ihnen anonymisiert. Wenn jemand sich zu wenig angestrengt hat oder noch Mühe hat mit dem Thema, kann ich seine Resultate nochmals zurücksetzen. Im kommenden März werden die 8. Klassen wieder Checks schreiben, die von den mindsteps-Machern zusammengestellt werden. Deshalb lohnt es sich, die Art des Testens zu kennen und zu üben, die Aufträge genau zu lesen. Wir arbeiten auch mit SchulArena, FrançaisPodcastFaçile und vielen weiteren Plattformen.
  4. Zum Lernen eignen sich auch gute Erklärvideos. Manchmal zeige ich der Klasse ein Video, manchmal können sie sich individuell einen Beitrag ansehen und mit Kopfhörern anhören.
  5. Auf unserer Microsoft Teams-Plattform können wir in den verschiedenen Klassenordnern nach Fächern Aufträge erstellen, Links einfügen, individuell oder mit einer zusammengestellten Gruppe arbeiten und vieles mehr. Zusätzliche Aufträge oder Arbeitsblätter können abgelegt werden. Auch Elternbriefe oder Spezialstundenpläne sind dort deponiert.
  6. Mit den Hilfsmitteln des Internets und mit speziell geprüften Apps, die vom Kanton auf den iPads installiert werden, lassen sich viele spannende und lehrreiche Arbeitsblätter, Kreuzworträtsel, Lückentexte, Suchgitter etc. erstellen und bearbeiten. Wenn im Unterricht eine Frage auftaucht oder ich einen Auftrag gebe, recherchieren meine Klassen im Internet. Ich schätze es sehr, dass die Jugendlichen vielem auf den Grund gehen wollen und manchmal mit Wissen aufwarten, das mich verblüfft. Kürzlich hat jemand gefragt, ab welchem Alter man in den USA wählen darf (wir verglichen das amerikanische Regierungssystem mit der Schweiz). Ein Schüler las vor: Man kann mit 35 Jahren gewählt werden. Moment, erst mit 35? Dann fanden wir heraus, dass es in den USA zwei Alterslimiten gibt: wählen und gewählt werden ist nicht dasselbe.
  7. In der Administrationssoftware werden alle Tests und Noten eingetragen und Absenzen notiert. Die Schülerinnen und Schüler haben jederzeit Zugriff auf diese Informationen, und ihre Eltern hoffentlich auch. Sie können die Lernziele für einen Test nachlesen, was für viel Transparenz sorgt. Das Austeilen der Tests wird entspannter, denn sie wissen ihre Note schon.
  8. Mein Highlight zum Schluss: Kahoot! Das will ich genauer erklären, nicht zuletzt, weil sich dieses Quiz-Tool auch hervorragend für Geburtstage, Hochzeiten und weitere Feste aller Art eignet. Über die Plattform wird ein Quiz erstellt, das von der Klasse gelöst werden darf. Alle loggen sich über einen PIN ein, geben sich einen – meist sehr kreativen – Namen, die passende Musik bringt uns in Stimmung, und los geht’s! Der richtige Tipp gibt Punkte, wobei der oder die Schnellste 1000 Bonuspunkte erhält. Man sieht nach jeder Frage die Rangliste und kann sich nach vorne kämpfen oder zurückfallen. Das Tempo ist beachtlich, da habe ich keine Chance, auch wenn ich die Antworten weiss. Mittlerweile haben die Schülerinnen und Schüler auch gelernt, eine gute Qualität zu erreichen, ihr Produkt mit Bildern zu schmücken und vor allem sorgfältig zu sein – denn wehe, es gibt einen Fehler im Quiz! Die Ehrgeizigen sind kaum zu bremsen, und die Emotionen gehen hoch.

Ich habe Einiges nicht erwähnt, denn manche haben Zeichnungsprogramme entdeckt, auf denen sie gerne etwas entwerfen, andere spielen gegeneinander Schach. Die Jugendlichen zeigen mir auch immer wieder eigene Entdeckungen.

Streiche spielen, das geht mit dem iPad natürlich auch. Ein paar Jungs hatten schnell begriffen, wie man Fotos bearbeitet und dann in den Klassenchat schickt. Ich konnte in den ersten Wochen ein paar Entgleisungen stoppen und klarstellen, dass man niemanden gegen seinen Willen fotografieren darf. Es kam auch schon vor, dass die Klasse auf Office 365 zusammen ein Dokument bearbeitete, ein paar aber blöde Sprüche schrieben und es wahnsinnig toll fanden, anonym zu bleiben… hatten sie gedacht! Es lässt sich jedoch bei jedem Beitrag herausfinden, von wem er stammt. Das waren vor allem Anfängerprobleme, mittlerweile haben wir solche Auswüchse meistens gut im Griff.

Das Interesse an dem, was die Kinder und Jugendlichen mit den iPads anstellen, und das Nachhaken, das Präsentsein sind sicher zentral für das Erlernen eines gesunden Umgangs mit technischen Geräten – aber auch das Erhalten von Vertrauen, die Gewissheit, dass die Kinder mal einen Mist machen dürfen und dafür nicht unfair bestraft werden.

Welche Probleme zu Hause mit diesen Geräten entstehen, erfahre ich nur am Rande. Ich hätte da ein paar Tipps, falls die gefragt sind: Wie mit dem Handy und anderen technischen Geräten ist es auch hier eine Frage des Masses im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten, zur Familienzeit am Tisch, bei Gesprächen in der Familie, beim Musizieren, beim Spielen mit Geschwistern, am besten draussen, beim Sport etc. Das war aber schon früher ein Thema, beispielsweise im Zusammenhang mit Handys, Spielkonsolen und TV.

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