Museen im Schüttelbecher - 2 Jahre Corona im Kulturbetrieb

Ziemlich genau vor zwei Jahren hat der Bundesrat angesichts der Ausbreitung des Coronavirus die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung weiter verschärft und neben Läden, Restaurants und Coiffeursalons auch Freizeitbetriebe wie Museen geschlossen. Der Leiter des Museums.BL, Marc Limat, erzählt im Interview, wie er die letzten zwei Jahre erlebt hat.

Bild Legende:

Herr Limat, was ging in Ihnen vor, als das Museum.BL am 14. März 2020 seine Tore schloss?
Das war ein einschneidendes Erlebnis – etwas, das meine Generation so noch nie erlebt hat. Am Abend vor der Schliessung hätten wir die Vernissage unserer neuen Sonderausstellung «La, la, la. Eine Ausstellung zum Mitsingen» gefeiert. Diese fiel ins Wasser. Zwei Jahre Arbeit unseres Teams, die nun nicht der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte. Das war ein sehr trauriger Moment.
Mit dem Singen haben wir wohl auch eines der schwierigsten Themen in Zeiten von Covid-19 gewählt: Da Singen lange Zeit nicht möglich war, musste unsere Ausstellung länger geschlossen bleiben als das Museum. Und als Singen wieder möglich wurde, mussten wir die Ausstellung nachrüsten: seither führt eine spezielle Entlüftungsanlage die Aerosole gefahrlos nach draussen ab.
Insgesamt waren die letzten zwei Jahre auch für die Kultur eine belastende Zeit. Im Vergleich zu anderen kulturellen Institutionen durften wir unsere Ausstellungserlebnisse in einem geschützten Rahmen relativ lange anbieten. Das ist schön.

Welchen Herausforderungen musste sich das Museum.BL in den vergangenen zwei Jahren stellen? Und wie hat sich Ihre Arbeit durch die Corona-Pandemie verändert?
Die beiden mehrmonatigen Schliessungen und die vielen Änderungen der Schutzmassnahmen haben unseren Alltag stark beeinflusst und viel zusätzliche Arbeit verursacht. Das Ermöglichen eines Besuchs in einem sicheren Umfeld ist für uns ein zentrales Anliegen: Wir haben sage und schreibe 16 verschiedene Schutzkonzepte verfasst und unsere Abläufe immer wieder darauf abgestimmt.
Die Zeiten, in denen wir schliessen mussten, haben wir genutzt, um die Ausstellungen technisch auf den neusten Stand zu bringen. Personal, das sonst im öffentlichen Bereich des Museums gearbeitet hätte, haben wir zum grossen Teil in den Sammlungen eingesetzt. Ich bin sehr dankbar, ein so engagiertes Team um mich zu haben, das mit viel positiver Energie unser Museum auch in diesen turbulenten Zeiten vorangebracht hat.
Das Museum.BL bildet zusammen mit der Archäologie Baselland, die auch die Burgen und Ruinen des Kantons betreut, eine Hauptabteilung. Die archäologischen Stätten wurden im Gegensatz zu den zeitweise geschlossenen Museen stark frequentiert. Das Outdoor-Programm unseres Kantons wurde sehr geschätzt, was sich nicht zuletzt auch an einem viel grösseren Abfallvolumen an diesen Orten ablesen liess…

Inzwischen wurden die schweizweiten Schutzmassnahmen weitgehend aufgehoben. Wird die Kultur nun mehr wertgeschätzt? Immerhin merken die Menschen jetzt doch, was ihnen gefehlt hat.
Gerade in Krisenzeiten leisten Museen als zentrale Orte der Bildung und der kulturellen Vielfalt einen wichtigen Beitrag. Sie können ein Stück Normalität im schwierigen Alltag anbieten. Seit den Lockerungen kommen allmählich wieder mehr Besuchende ins Museum. Es scheint fast, als müssten sich die Menschen erst wieder an ein kulturelles Leben gewöhnen. Ich bin überzeugt, dass das Erlebnis mit einem Originalobjekt – sei es ein Hanro-Kleidungsstück, ein altpaläolithischer Faustkeil oder ein Luchs-Präparat – durch keine noch so gut aufgearbeitete Online-Präsentation und keine virtuelle Führung ersetzt werden kann. Die vielen positiven Rückmeldungen des Publikums bestärken mich in meiner Haltung.

Ihre Prognose: Wie geht es weiter?
Wir werden mit Covid-19 leben müssen, denn dieses Virus geht nicht einfach wieder weg. Derzeit erleben wir eine entspanntere Phase, aber niemand weiss, wie sich die Lage entwickelt. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren einiges gelernt und erarbeitet, auf das wir bei Bedarf wieder zurückgreifen können.

Was planen Sie als nächstes?
Wir haben einiges vor: vom 3. April bis zum Ostersonntag bieten wir eine Osterwerkstatt an, in der man Eier bemalen kann. Ab dem 22. Mai werden wir unsere neue Sonderausstellung «Musighanneli. Die Volksmusik-Sammlerin Hanny Christen» präsentieren. Ein zweites musikalisches Thema, unsere Ausstellung zum Thema Singen, haben wir verlängert - sie läuft parallel noch bis Januar 2023. Im November wird unser Museumsfoyer dem Baselbieter Abschnitt des Rheins gewidmet. Die Ausstellung erfolgt im Rahmen eines trinationalen Projekts, an dem sich rund 30 Museen beteiligen. Gleichzeitig läuft hinter den Kulissen viel Sammlungsarbeit. Wir werden jedenfalls unser Publikum auch in diesem Jahr wieder mit so manchem überraschen.


Zur Person
Marc Limat wurde in Basel geboren und schloss 1997 an der Uni Basel sein Biologiestudium ab. Nach einer Weiterbildung zum Kulturmanager ist er seit 2011 Leiter des Museum.BL in Liestal. Er wohnt in Therwil und ist Vater von zwei Kindern.