Die Ausgrabungen in Augusta Raurica im Jahr 2021 (Teil 1)

Das Jahr 2021 war für Augusta Raurica einmal mehr ereignisreich. In Augst wurden zahlreiche Tiefbauprojekte archäologisch begleitet. Die dabei gemachten Entdeckungen führten zu einem besseren Gesamtverständnis der römischen Stadt.

An der Curiastrasse in Augst führten die Entdeckung einer zur Forumsanlage gehörenden Mauer sowie zahlreicher römischer Strassenschichten zu einem besseren Gesamtbild der römischen Stadt. Der Hauptfokus des Jahres lag jedoch im sogenannten Nordwestgräberfeld an der römischen Ausfallstrasse in Richtung Basel. Auf diesem Areal befinden sich der ehemalige Gasthof Rheinlust sowie die Sägerei Ruder, welche im strategischen Entwicklungsgebiet Salina Raurica liegen und durch private Investoren überbaut werden sollen. Im Rahmen von zwei Notgrabungen wurden auf den Gräberfeldern insgesamt 61 Brandbestattungen und 20 Körperbestattungen aus dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. entdeckt, minutiös dokumentiert und geborgen.

Andere Geldbeutel, andere Sitten
Das Gräberfeld im Areal Rheinlust erstreckt sich in einem Abstand von ungefähr 10 Metern zur Strasse, während dasjenige des Areals Ruder 20 bis 50 Meter nördlich der Strasse liegt. Da sich Gräber wohlhabender Bevölkerungsschichten in der Regel dicht an der Strasse befanden, lässt sich daraus schliessen, dass im Areal Rheinlust eine eher privilegierte Bevölkerungsschicht bestattet wurde. Davon zeugen auch fünf Grabmonumente, reiche Beigaben und drei gut erhaltene Glasurnen.

Entsprechend wurde im Gräberfeld des Areals Ruder eine eher ärmere Bevölkerungsschicht bestattet. Eine auffällige räumliche Organisation der Bestatteten lässt ebenfalls spannende Beobachtungen zu. So legt die Konzentration der Körperbestattungen nahe, dass bestimmte Bereiche des Areals für diese Form der Bestattung gegenüber anderen bevorzugt wurde. Ein eher seltenes Vorkommnis sind hier auch die 15 Gräber von Säuglingen und Kleinkindern: diese wurden in der Regel im eigenen Hof oder Garten beerdigt.

Am östlichen Grabungsrand konnten ferner die Fundamente einer gut 31 Meter langen Mauer gefasst werden, die einen Gräberfeldbereich umrandete. Schliesslich wurde auch zum ersten Mal in diesem Gräberfeld ein Kremationsplatz entdeckt.

Text: Cédric Grezet, Römerstadt Augusta Raurica