Neues Sammlungszentrum Augusta Raurica

Mit dem neuen Sammlungszentrum werden die heutigen Standorte der Arbeitsplätze und Depots der Römerstadt Augusta Raurica, die teils in improvisierten, auch prekären Räumlichkeiten untergebracht sind, aufgehoben und zentral zusammengeführt. Im April 2021 wurde die erste Etappe mit den Arbeitsplätzen und den Archiven fertiggestellt. Ende Mai erfolgte der Umzug des ganzen Teams. Parallel dazu erfolgte der Baustart der zweiten Etappe für die Depots der archäologischen Sammlung.

Hintergrund und Geschichte
Mit einer Sammlung von 44‘000 Objekten wurde 1957 das Römermuseum in Augst eröffnet. Dieser Bestand ist durch die Notgrabungstätigkeit der letzten Jahrzehnte auf 1.9 Mio. inventarisierte Artefakte angewachsen. Analog dem Wachstum der Sammlung entwickelte sich auch die wissenschaftliche, kulturelle und touristische Bedeutung der Römerstadt. Augusta Raurica zählt heute mit rund 150'000 Gästen jährlich zu den 50 grössten Museen der Schweiz.

Aufgrund der raschen Entwicklung mussten in der Vergangenheit immer wieder provisorische Lösungen für den benötigten Raum bereitgestellt werden. So ist heute die Sammlung auf acht Standorte in Bauernhöfen, Scheunen, Fracht-Containern und andere zugemietete Objekte verteilt. Die Kapazitäten sind ausgeschöpft und die Lagerung in den teils ungeeigneten Provisorien ist aus konservatorischer Sicht problematisch. Auch die Arbeitsplätze waren bis zum Umzug in acht verschiedenen Liegenschaften untergebracht, teilweise in ehemaligen Ställen oder provisorischen Baracken.

Auf der Grundlage einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2009 wurde dem Landrat des Kantons Basel-Landschaft im Jahr 2012 ein Projektierungskredit für den Neubau des Sammlungszentrums beantragt. Der Landrat hat dem Projektierungskredit am 29. November 2012 zugestimmt. Gegen diesen Beschluss wurde das Referendum ergriffen. Schlussendlich hat der Souverän des Kantons Basel-Landschaft an der Volksabstimmung vom 9. Juni 2013 dem Projektierungskredit zum Durchbruch verholfen. Der Ja-Stimmenanteil betrug satte 58 Prozent.

Das Sammlungszentrum wurde in zwei Etappen realisiert. Das Raumprogramm umfasst in der ersten Etappe die Arbeitsplätze und die damit unmittelbar verbundenen Nutzungen wie die Bibliothek oder das Archiv. Die zweite Etappe umfasst die Depots für die Sammlung sowie die Lagerflächen des Werkhofs.

Bauen über den Ruinen: eine anspruchsvolle Aufgabenstellung
Der Standort für das Sammlungszentrum befindet sich etwas ausserhalb der Siedlung auf der Flur Schwarzacker in der Gemeinde Augst. Vom Hof Schwarzacker her erstreckt sich das Gelände entlang der Autobahn hin zu den Ruinen des Osttors und zum Tierpark. Das bis heute überwiegend landwirtschaftlich genutzte Terrain ist kaum ausgegraben. Aus Luftbildern und Georadar-Prospektionen sind jedoch die wesentlichen Strukturen der verborgenen archäologischen Reste des Südostquartiers von Augusta Raurica bekannt. Entlang der von Westen nach Osten durchlaufenden Strasse, die das Zentrum der Stadt mit dem Osttor und der Ausfallstrasse nach Vindonissa verband, reihten sich einfache, längliche Häuser, die vermutlich vom 1. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. vorwiegend von Handwerks- und Gewerbetreibenden als Wohnbauten mit Ökonomieteil genutzt wurden.

Aus archäologischer Sicht soll die Gesamtheit der im Boden konservierten Strukturen erhalten bleiben. Diese Vorgabe stellt spezielle Anforderungen an das Projekt, insbesondere im Bereich der Fundation und Statik. Der Neubau wurde über die Ruinen hinweg auf einer Aufschüttung und einer Bodenplatte aus Beton mit einer Stahlkonstruktion realisiert. So konnten die Eingriffe in den Untergrund auf ein absolutes Minimum reduziert werden.

Zusammen mit dem Geotechnischen Institut Basel werden mittels Sondier-, Mess- und Überwachungstechniken die langfristigen Auswirkungen des «Bauen über den Ruinen» untersucht.

Zusatzinformationen

Bauherrschaft

Bau- und Umweltschutzdirektion Kanton Basel-Landschaft, vertreten durch das Hochbauamt
Planung: Jonas Wirth, Judith Kessler, Marcel Weber, Marco Fabrizi
Realisierung: Stefanie Thomann, Jean-Pierre Hueber, Roland Borer

Nutzer

Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion
Amt für Kultur, Römerstadt Augusta Raurica, 4302 Augst

Planer

ARGE Sammlungszentrum
Karamuk Kuo Architekten GmbH, Zürich
Rapp Architekten AG, Münchenstein

Projekt

Römerstadt Augusta Raurica: Arbeitsplätze, Lager, Depots, Werkstätten

Etappe 1
Landratsvorlage 2016/291 vom 27. September 2016
Protokoll Landratssitzung 1423 vom 4. Mai 2017

Etappe 2
Landratsvorlage 2018/955 vom 20. November 2018
Landratsbeschluss 2494 vom 31. Januar 2019
Jurybericht Projektwettbewerb

Gesamtkosten

Etappe 1: CHF 19’325’000.–
Etappe 2: CHF 14’100’000.–

Termin

Projektierung: 2014–2015
Realisierung Etappe 1: 2019–2021
Realisierung Etappe 2: 2021–2022

Auszeichnungen

Acknowledgement prizes, LafargeHolcim Awards 2017 for Europe
für Karamuk Kuo Architekten GmbH mit dem Sammlungszentrum Augusta Raurica