Neue Publikation zum Kultort Büechlihau bei Füllinsdorf

17.01.2024

Der «Keltenschatz von Füllinsdorf» mit seinen 355 Silbermünzen sorgte 2011 für grosses mediales Aufsehen. In den vergangenen Jahren hat sich ein Team von Fachleuten intensiv mit dem Fundort und den Funden – auch aus weiteren Epochen – beschäftigt. Fazit: Hier war über Jahrhunderte ein heiliger Ort der Kelten und Römer. Die detaillierten Resultate liegen nun in der Publikation «Der Büechlihau bei Füllinsdorf» druckfrisch vor.

Ausgangspunkt für das Buch war eine sensationelle Entdeckung der ehrenamtlichen Mitarbeiter Wolfgang Niederberger und Jean-Luc Doppler: Im Lauf von mehreren Suchgängen kam eine stattliche Anzahl keltischer Silbermünzen zum Vorschein, die sie 2011 der Archäologie Baselland meldeten. Inklusive der Nachuntersuchungen liegen insgesamt 355 Exemplare vor – bis heute der grösste weitgehend vollständig erhaltene Edelmetall-Münzhort aus der späten Eisenzeit im Gebiet der heutigen Schweiz.


Ein Münzhort mit Beziehungen
Die Detailuntersuchung der Münzen durch den Experten Michael Nick legte weitreichende Beziehungen in der keltischen Welt offen. Vor allem ostwärts gibt es in den süddeutschen Ansiedlungen in Altenburg und Manching bei Ingolstadt Münzen, die mit den gleichen Stempeln geprägt wurden. Der Hort befand sich möglicherweise im Besitz eines oder mehrerer Soldaten. Niedergelegt wurde er in den unruhigen Zeiten um 90 – 70 vor Christus, einer Phase, in der am Oberrhein mehrere offene Grosssiedlungen zugunsten befestigter Anlagen aufgegeben wurden. Das Fundbild lässt vermuten, dass die Münzen nicht im Boden vergraben, sondern leicht erhöht, beispielsweise in einem hohlen Baumstamm, versteckt wurden. Weitere Objekte legen nahe, dass der Fundort in der damaligen Zeit ein heiliger Hain war. Ob die wertvollen Silbermünzen als Opfer an eine Gottheit gedacht waren oder ob es um den Schutz des wertvollen Besitzes durch Aufbewahrung an einem heiligen Ort ging, muss offenbleiben.


Spezielle Funde auch aus der Römerzeit
Bei den Suchgängen kamen zahlreiche weitere Funde zum Vorschein, die zeigen, dass der Büechlihau bereits vor und vor allem auch nach der späten Eisenzeit von Menschen aufgesucht wurde. Aus der Römerzeit gibt es weitere bemerkenswerte Münzdeponierungen, aber auch Objekte wie einen Statuettensockel oder Schreibgriffel, die auf ein Fortleben als Kultort hinweisen. Zudem gibt es Indizien, dass der weithin sichtbare Berg zur Einrichtung des Vermessungsnetzes der römischen Koloniestadt Augusta Raurica verwendet wurde und zusammen mit anderen Heiligtümern eine Art «Schutzring» um die Siedlung bildete. In nachrömischer Zeit nutzte man die strategisch günstige und markante Lage des Hügelzuges zur Errichtung einer hochmittelalterlichen Adelsburg auf dem Rücken und später, in der Neuzeit, zur Anlage einer Schanze am Hügelfuss.


Eine grundlegende Publikation für Fachleute und interessierte Laien
Das Kollektiv von Rahel C. Ackermann, Andreas Fischer, Reto Marti, Michael Nick und Markus Peter hat mit der Publikation zu den Funden vom Büechlihau einen wichtigen Mosaikstein für das Verständnis der regionalen Frühgeschichte vorgelegt. Die Untersuchungen sind darüber hinaus aber auch grundlegend beispielsweise für die Typologie der keltischen Kaletedou-Quinare oder die Forschung an ähnlich gelagerten Fundorten. Wie alle Bücher der Reihe «Schriften der Archäologie Baselland» spricht auch «Der Büechlihau bei Füllinsdorf» mit seinen fundierten, aber verständlichen Texten und der reichen Bebilderung sowohl Fachleute wie auch interessierte Laien an.

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