Herausragend – weitere Münzfunde rund um den Adlerberg bei Pratteln

03.06.2021
2019 wurde auf dem Adlerberg bei Pratteln ein Schatz mit römischen Silberdenaren entdeckt. Nun kamen bei gezielten Suchgängen im Umfeld zahlreiche weitere Münzen zum Vorschein. Besonders erwähnenswert sind neben zusätzlichen römischen Ensembles, eine seltene keltische Silbermünze, frühmittelalterliche Denare sowie Münzen, die sehr gut zur mittelalterlichen Burg Madeln passen.
2019 sorgte ein Hort von 294 römischen Silbermünzen, die vom freiwilligen Mitarbeiter Sacha Schneider am Adlerberg gefunden wurden, schweizweit für Schlagzeilen. Bei gezielten Prospektionen im Umfeld des Fundortes, an denen auch die Ehrenamtlichen Marcus Mohler, Bruno Jagher, Marco Steingrube, Christian Lauper und Wolfgang Niederberger teilnahmen, kamen nun weitere Münzen zum Vorschein. Sie decken einen Zeitrahmen von den Kelten bis in die Neuzeit ab und werden teilweise als einmalig für unsere Region eingestuft. Zusammen mit zahlreichen gleichzeitig entdeckten mittelalterlichen Hieb- und Stichwaffen unterstreichen die Münzfunde die besondere Stellung des Hügelzugs. Verkehrstechnisch günstig zwischen Rhein- und Ergolztal gelegen und weithin sichtbar, besass der Adlerberg quer durch alle Zeiten für die Menschen im wahrsten Sinn des Wortes eine herausragende Bedeutung.
Ein seltener keltischer Quinar und zusätzliche römische Münzen
Die älteste Neuentdeckung vom Adler ist ein keltischer Kaletedou-Quinar. Solche Silbermünzen sind zwar zahlreich im 2012 entdeckten Hort von Füllinsdorf vertreten. Zu etwas Besonderem wird das Stück aber durch den Schriftzug SVLA. Dieser weist eindeutig auf das römische Vorbild des Geldstücks hin: einen im Jahr 151 v. Chr. geprägten Denar des Publius Sula. Das macht diesen äusserst seltenen Typ quasi zum Urahn aller Kaletedou-Quinare. Einige römische Münzen gehören zum erwähnten Silberdenar- Hort, der nun 304 Münzen umfasst. In der Umgebung fanden sich noch weitere zeitgleiche Prägungen aus dem 1. und 2. Jahrhundert sowie ein kleines Ensemble von elf frühkaiserzeitlichen Kupfermünzen aus der Mitte des 1. Jahrhunderts. Wie eine Kleinbronze des Constantinus I. der Jahre 330–337 und eine theodosische Bronzemünze der Jahre 378–388 zeigen, wurden auch in spätrömischer Zeit auf dem Adler Münzen vergraben. Die zahlreichen Münzfunde auf relativ engem Raum sind erstaunlich. In den meisten Fällen handelt es sich um absichtliche Deponierungen, sei es, um Vermögen sicher aufzubewahren oder aus nicht im Detail nachvollziehbaren rituellen Gründen.
Früh- und hochmittelalterliche Ensembles
Auf dem ‹Horn›, rund zwei Kilometer südöstlich, wurden zudem zwölf unter Kaiser Ludwig dem Frommen in den Jahren 822/823–840 geprägte Silbermünzen gefunden. Auch dieses Ensemble ist bislang für die Region einzigartig. Das Dutzend Denare entspricht im karolingischen Münzsystem exakt einem Schilling. Bildeten sie den Inhalt einer Börse oder waren sie abgezählt und als Rolle eingewickelt? Doch damit nicht genug: Im Vorgelände der Burg Madeln lagen fünf mittelalterliche Silberpfennige, so genannte Brakteaten. Zwei wurden unter dem Basler Bischof Gerhard von Wippingen (1310–1325) geprägt, ein weiterer mit Hahn stammt wohl aus einer Münzstätte im Schwarzwälder Münstertal. Eine Prägung mit Löwenvorderteil wird der habsburgischen Grafschaft Laufenburg zugeschrieben, wie auch – mit Vorbehalten – das fünfte Stück. Es zeigt ein Mischwesen: hinten Pfoten, vorne Krallen, ein buschiger Schwanz, ein langer, gebogener Schwanen- oder Drachenhals mit Zacken und ein Vogelkopf. Das kleine Ensemble, vielleicht eine Börse, ging wohl um 1320 verloren. Mit Sicherheit gehört es damit in die Nutzungszeit der Burg Madeln, die im späteren 13. Jahrhundert errichtet und beim Erdbeben von Basel 1356 völlig zerstört wurde. Leider sind kaum regionale Preisangaben aus dieser Zeit bekannt; in Luzern hätte man mit diesen fünf Pfennigen etwa ein Mass (1,7 Liter) Elsässer Wein kaufen können.
Bildlegenden 
  • Der von Marcus Mohler gefundene Kaletedou-Sula-Quinar vom Adler bei Pratteln (Dm. zirka 1,4 cm) und sein Vorbild: ein römischer Denar des Publius Sula aus dem Jahr 151 vor Christus (Universität Tübingen).
  •  Zwölf silberne Denare (Dm. zirka 2,1 cm), geprägt in den Jahren 822/823–840 unter Ludwig dem Frommen, gefunden von Christian Lauper auf dem Horn bei Pratteln.
  •  Die fünf von Marco Steingrube entdeckten mittelalterlichen Brakteaten (Vorderseiten) aus dem Umfeld der Ruine Madeln (Breite zirka 1,6 cm). 

Bilder und Text finden Sie auch auf unserer Webseite https://www.archaeologie.bl.ch/entdecken/fundstelle/151/ein-hervorragender-huegelzug/

Herausragend – weitere Münzfunde rund um den Adlerberg bei Pratteln