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RECONNECT 2026 – KULTUR ERÖFFNET PERSPEKTIVEN
Sechs Kulturschaffende, zwei Wochen Zeit und keine Vorgaben. Das Aufenthaltsstipendium «Reconnect» der Kulturförderung des Kantons Basel-Landschaft brachte diesen Sommer drei Duos aus Tanz, Klang und bildender Kunst auf dem Landgut Castelen zusammen. Bei der Abschlusspräsentation am 17. Juli erhielten rund 60 Interessierte Einblick in ihre Recherchen, Experimente und die unterschiedlichen künstlerischen Zugänge.
METAL TEARS – QUEERE PERSPEKTIVE KONFRONTIERT
Die beiden Künstlerinnen Olivia Ronzani und Eevi Kinnunen führten Ausschnitte aus ihrem entstehenden Tanzstück Metal Tears auf. Ihre Performance war – wie die Musik selbst – provokativ und sinnlich zugleich. Mit expressivem Tanz, Momenten körperlicher Präsenz und Intimität setzten sie als queere Performerinnen einen bewussten Kontrast zur repräsentativen Architektur der historisch männlich geprägten Symbolik des Landguts.
«Being here, our work enters into friction with the place.»
Olivia Ronzani
«We want to reach people, and we want to touch people.»
Eevi Kinnunen
DER BALLON ALS METAPHER FÜR BEGEGNUNG
Einen völlig anderen Zugang wählten Michèle Degen und Marcel Hörler. Ausgangspunkt ihrer Recherche war ein historischer Ballonempfang, den René Clavel 1932 auf dem Landgut Castelen anlässlich des internationalen Gordon-Bennett-Wettfliegens veranstaltete. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung auf dem Campingplatz Kaiseraugst («Gülle») entwickelten sie das partizipative Kunstprojekt «Oh look, a balloon!». Der Ballon wurde dabei zum Symbol für Begegnung, Leichtigkeit und gemeinsames Gestalten. Aus historischen Spuren und den Ideen der Teilnehmenden entstand ein poetisches Bild dafür, wie Kunst Menschen miteinander verbindet und Geschichte neu erzählen kann.
«Der soziale Austausch ist zentral für das Projekt.»
Marcel Hörler
«Der Ballon ist kein Endpunkt, sondern ein Zwischenstand.»
Michèle Degen
SPAZIERGANGSWISSENSCHAFT – MIT ANDEREN OHREN UNTERWEGS
Mit einem ganz anderen künstlerischen Ansatz näherten sich Esther Ernst und Jörg Laue. Auf sechs Spaziergängen entlang des Rheins und der Ergolz erkundeten sie die Landschaft mit Zeichenbrett, Aufnahmegerät und offenen Sinnen. Ihre künstlerische Kartografie macht sichtbar und hörbar, was auf gewöhnlichen Karten verborgen bleibt. Aus Landschaft wurde Klang, aus Gehen wurde Forschung, aus Wahrnehmen eine Einladung, die eigene Umgebung bewusster zu erleben. Ihre Arbeit lädt dazu ein, vertraute Orte neu wahrzunehmen und den Raum nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Ohren zu erkunden.
«Es gibt nicht viele Stipendien, die genau diese Form der Recherche fördern.»
Jörg Laue
«Dieser Aufenthalt wird ein Teil meines künstlerischen Puzzles.»
Esther Ernst
Alle drei Duos hoben hervor, wie entscheidend die Bedingungen der Residenz für ihre Arbeit waren. Ohne Produktionsdruck konnten sie recherchieren, Ideen verwerfen, neu denken und voneinander lernen. Ebenso prägend waren der Austausch zwischen den Kunstschaffenden sowie die Begegnung mit dem historischen Ort. Die Villa Clavel, ihre Geschichte und die archäologische Umgebung boten nicht bloss die Kulisse, sondern wurden Teil der künstlerischen Auseinandersetzung.
Reconnect zeigt damit eindrücklich, welchen Beitrag Kulturförderung leisten kann. Sie ermöglicht nicht nur neue Werke. Sie schafft Freiräume für Denken, Dialog und Experimente – und damit für Kunst, die unsere Wahrnehmung erweitert. Denn manchmal braucht es nur einen anderen Blick. Manchmal ein anderes Ohr. Und manchmal einen Ballon.
Infos: www.theater-augusta-raurica.ch
Text und Fotos: Claudia Puzik