Laufen, Hochwasserschutz Birs

Die Überschwemmung von 2007 hat im «Stedtli» und in allen birsnahen Laufner Quartieren zu grossen Schäden geführt. Nach aufwändigen Planungsarbeiten und Vernehmlassungen beginnt die Ausführung im Herbst 2024. Bereits seit Ende 2023 finden Vorbereitungsarbeiten statt.

Heute ist das Fassungsvermögen der Birs an vielen Stellen im Laufner Siedlungsgebiet zu klein und die Gefahr einer Stauung durch Treibholz an den Brücken trotz bestehender Schutzbauten zu gross. Dieses Defizit soll mit dem kantonalen Projekt „Stadt Laufen – Hochwasserschutz Birs“ korrigiert werden. Die Massnahmen erstrecken sich auf 3,5 Kilometer Flusslänge und werden die Stadt vor einem Jahrhundert-Hochwasser schützen.

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Vorher

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Nachher

Im Projektabschnitt Nau / Norimatt finden die offensichtlichsten Eingriffe statt, die den Charakter der Birs in diesem Streckenabschnitt völlig verändern.

Schutz vor 100-jährlichem Hochwasser

Aufgabe des Hochwasserschutzes ist es, im Siedlungsgebiet eine Wassermenge zu bewältigen, wie sie durchschnittlich ein Mal in 100 Jahren auftritt. Dies entspricht in Laufen einem Volumen von etwa 335 m3/Sek. Birswasser (entsprechend 335’000 Litern pro Sekunde). Heute ist mit Überschwemmungen aber etwa alle 30 Jahre bzw. bereits bei weniger als 265 m3/Sek. zu rechnen. An der gleichen Stelle führt die Birs bei Normalwasser nur etwa 11 bis 15 m3/Sek.
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Links die aktuelle Gefährdung bei einem Hochwasser (HQ100) wie jenem vom 2007, rechts die Situation eines Hochwassers HQ100 nach Umsetzung des Hochwasserschutz-Projekts Laufen.

Vollständige Durchleitung des Wassers

Nach Umsetzung der Massnahmen wird auch ein Hochwasser wie im Jahr 2007 sicher und vollständig im Birsbett Platz haben. Dafür sind bauliche Massnahmen notwendig, welche die Kapazität der Birs erhöhen und ihre Fliessgeschwindigkeit regulieren: Vertiefen des Flussbetts (Eintiefung), Verbreitern der Birs (Aufweitung) und/oder Erhöhen der Ufer. Einzelne bauliche Eingriffe betreffen auch die Seitenbäche. Als weitere Schritte braucht es Neu- und Umbauten an allen vier Brücken und Passerellen über die Birs. Diese Arbeiten werden als sogenannte Drittprojekte an anderen kommunalen und kantonalen Stellen entwickelt.

Mehr Sicherheit, Lebendigkeit, Wert und Perspektiven

Der Hochwasserschutz Laufen berücksichtigt gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftlichen Aspekte gleichermassen. Insbesondere die Aufweitung der Birs im Abschnitt Nau/Norimatt führt zu einer vielfältigen Fluss- und Uferstruktur. Eine Verbreiterung des Flusses ist auch bei der Einmündung der Lützel vorgesehen. Zwischen Birsmill und Wasserfall stehen flankierende Massnahmen wie Schutzmauern und -dämme im Vordergrund.

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Zwischenschritte

Ein kleiner Projektteil ist längst realisiert. 2018 konnte das Ziegelschürbächli ausgedolt, verlegt, mit Stützmauern und Dämmen gesichert und revitalisiert werden. Seine Schutzwirkung musste es noch nicht unter Beweis stellen – fürs Auge haben die Veränderungen aber auf alle Fälle einen Mehrwert erzielt.

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NACHHER

Seit 2020 ist das gesamte Spilag-Areal im Norimatt-Quartier im Besitz des Kantons. Er wird es für die Aufweitung der Birs, aber auch als Installationsplatz und Bauzentrale nutzen. Ab August 2023 beherbergt das ehemalige Spilag-Gebäude ein öffentlich zugängliches Info-Center. Hier erhalten Interessierte spannende Einblicke in das Projekt, aber auch in die Aufgaben des Wasserbaus, in den Hochwasserschutz an Fliessgewässern sowie in den Lebens-, Natur und Wirtschaftsraum Birs von der Quelle bis zur Mündung. Eine Rückschau auf das Hochwasser von 2007 darf nicht fehlen.

Aktueller Projektstand

Im Mai 2022 startete die Ausführungsplanung. Wichtiger Punkt der konkreten Bauplanung ist der Baustoffkreislauf, um möglichst viel Aushub vor Ort für Auf- und Hinterfüllungen wieder verwenden zu können. Im Winter 2023/2024 soll die Ausschreibung (Submission) für das Baumeister-Unternehmen erfolgen, das die Bauarbeiten begleiten und steuern wird. Läuft alles wie gewünscht, werden zum Start der Sommerferien 2024 die ersten Arbeiten im Gelände sichtbar werden.

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Areale in der Nau und der Norimatt, wo die Birs aufgrund des Hochwasserschutzes stark in die Breite wachsen wird, werden zunächst als Installationsplätze genutzt. Hier findet der Materialumschlag statt, hier werden Baumaschinen abgestellt. Erste rund 100 Bäume in diesen Gebieten werden ab 30. Oktober 2023 gefällt. Nach der Herbstbelaubung und vor dem Winterschlaf der Fledermäuse öffnet sich ein optimales Zeitfenster für solche Arbeiten. Falls das Wetter nicht mitspielt, verschieben sie sich um ein paar Tage. Ein Teil der Bäume steht später zur Verfügung, um Wurzelstöcke und Raubäume in der Birs zu platzieren. Detailliertere Informationen zur Fällaktion und ein Fällschema sind in einem Beitrag im Wochenblatt zu finden.

Dem heutigen Norimattsteg entlang verläuft eine Gasleitung. Da diese Passerelle im Rahmen des Hochwasserschutzprojekts abgebrochen werden wird, muss auch die Gasleitung verlegt werden. Sie verläuft in Zukunft etwas weiter flussaufwärts (siehe Streckenplan). Im April 2024 laufen dazu die Vorarbeiten. Auf der Fläche beim Info-Center (ehemaliges Spilag-Areal) ist ein Bohrgerät platziert, das eine sogenannte Spülbohrung unter der Birs hindurchtreibt (LINK zu Querschnitt). Im gleichen Arbeitsgang werden auf der ganzen Streckenlänge von rund 90 Metern zwei Rohre mit je 20 Zentimeter Durchmesser eingezogen. Die Bohrung verläuft an ihrer tiefsten Stelle etwa 3 Meter unterhalb der Birssohle. Sobald die Spülbohrung abgeschlossen ist, ruhen die Arbeiten an der zukünftigen Gasleitung. Im Juli 2024 wird dann zu beiden Seiten der Birs – an der Norimattstrasse und bei der Eishalle – der Anschluss an das bestehende Gasnetz hergestellt.

Kontakt:

Philipp Meyer, Geschäftsbereich Wasserbau/Gewässerplanung, Projektleiter, 061 552 60 19, [email protected]

Projektstand:

April 2024

Kontakt  

Tiefbauamt
Rheinstrasse 29 
4410 Liestal
T +41 61 552 54 84

[email protected]