Laufen, Hochwasserschutz Birs

Die Überschwemmung von 2007 hat im «Stedtli» und in allen birsnahen Laufner Quartieren zu grossen Schäden geführt. Nach aufwändigen Planungsarbeiten und Vernehmlassungen sind die Massnahmen nun reif für die Realisierung. Alle Einsprachen gegen das grosse, wichtige Projekt «Stadt Laufen – Hochwasserschutz Birs» haben sich aussergerichtlich beilegen lassen. Dem Landrat liegt der Kreditantrag zur Ausführung des Bauvorhabens vor. 

Heute ist das Fassungsvermögen der Birs an vielen Stellen im Laufner Siedlungsgebiet zu klein und die Gefahr einer Stauung durch Treibholz an den Brücken zu gross, trotz bestehender Schutzbauten. Dieses Defizit soll mit dem kantonalen Projekt „Stadt Laufen – Hochwasserschutz Birs“ korrigiert werden. Die Massnahmen erstrecken sich auf 3,5 Kilometern Flusslänge über das gesamte Siedlungsgebiet der Stadt Laufen. Sie werden die Stadt vor einem Jahrhundert-Hochwasser schützen. Nach aktuellem Stand der Planung deutet alles auf einen Baubeginn im Jahr 2023 hin.

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Vorher

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Nachher

Im Projektabschnitt Nau / Norimatt finden die offensichtlichsten Eingriffe statt, die den Charakter der Birs in diesem Streckenabschnitt völlig verändern.
 

Schutz vor 100-jährlichem Hochwasser
Aufgabe des Hochwasserschutzes ist es, im Siedlungsgebiet eine Wassermenge zu bewältigen, wie sie durchschnittlich ein Mal in 100 Jahren auftritt. Dies entspricht in Laufen einem Volumen von etwa 335 m3/Sek. Birswasser (entsprechend 335‘000 Litern pro Sekunde). Heute ist mit Überschwemmungen aber etwa alle 30 Jahre bzw. bereits bei weniger als 265 m3/Sek. zu rechnen. An der gleichen Stelle führt die Birs bei Normalwasser nur etwa 11 bis 15 m3/Sek.

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Links die aktuelle Gefährdung bei einem Hochwasser (HQ100) wie jenem vom 2007, rechts die Situationeines Hochwassers HQ 100  nach Umsetzung des Hochwasserschutz-Projekts Laufen.

Vollständige Durchleitung des Wassers
Nach Umsetzung der Massnahmen wird auch ein Hochwasser wie im Jahr 2007 sicher und vollständig im Birsbett Platz haben. Dafür sind bauliche Massnahmen notwendig, welche die Kapazität der Birs erhöhen und ihre Fliessgeschwindigkeit regulieren: Vertiefen des Flussbetts (Eintiefung), Verbreitern der Birs (Aufweitung) und/oder Erhöhen der Ufer. Als weitere Schritte braucht es Neu- und Umbauten an allen vier Brücken und Passerellen über die Birs. Einzelne bauliche Eingriffe betreffen auch deren Seitenbäche.
 
Mehr Sicherheit, Lebendigkeit, Wert und Perspektiven
Der Hochwasserschutz Laufen berücksichtigt gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftlichen Aspekte gleichermassen. Insbesondere die Aufweitung der Birs im Abschnitt Nau/Norimatt führt zu einer vielfältigen Fluss- und Uferstruktur. Eine Verbreiterung des Flusses ist auch bei der Einmündung der Lützel vorgesehen. Zwischen Birsmill und Wasserfall stehen flankierende Massnahmen wie Schutzmauern und -dämme im Vordergrund.
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Birs und Uferlandschaft erhalten im Gebiet Nau/Norimatt einen völlig neuen, auch für die Bevölkerung attraktiven Charakter.

Mitwirkung und Einspracheverfahren
Im Frühling 2017 hatte die Laufner Bevölkerung die Gelegenheit, das Schutzprojekt im Rahmen einer öffentlichen Mitwirkung kennenzulernen. Die formelle Planauflage erfolgte im Sommer 2018. Von der Mehrheit der Einspracheberechtigten, darunter auch die Umweltverbände, gingen keinerlei Einwände ein. 24 von 149 möglichen Parteien machten hingegen von ihrem Recht Gebrauch, ein Anliegen anzumel­den. 19 dieser Vorbehalte liessen sich im Gespräch bereinigen und wurden zurückgezogen. Die verbleibenden fünf Einsprachen wies der Regierungsrat ab. Die einzige Beschwerde gegen diesen Entscheid ist per Ende 2020 ebenfalls zurückgezogen worden. Dieser positive Abschluss der Planauflage hat den Weg für die Realisierung des Hochwasserschutzes in Laufen frei gemacht.

Zwischenschritte
Ein kleiner Projektteil ist längst realisiert. 2018 konnte das Ziegelschürbächli ausgedolt, verlegt, hochwasserertüchtigt und revitalisiert werden. Seine Schutzwirkung musste es noch nicht unter Beweis stellen – fürs Auge haben die Veränderungen aber auf alle Fälle einen Mehrwert erzielt.

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VORHER

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NACHHER

Eine Veränderung gab es zudem 2020 auf dem ehemaligen Spilag-Areal im Norimatt-Quartier, wo das Flussbett im Hochwasserschutz-Projekt aufgeweitet werden soll. Das Unternehmen hatte entschieden, seinen Landbesitz vollständig an den Kanton abzutreten. Der Baulogistik steht damit deutlich mehr Raum zur Verfügung, als für die Verbreiterung der Birs in diesem Gebiet notwendig wäre. Die drei Wohnhäuser, die seit dem Hochwasser von 2007 unbewohnbar waren, sind im Dezember 2020 abgebrochen bzw. rückgebaut worden.

Aktueller Projektstand
Anfang Juni 2021 überwies der Regierungsrat die Landratsvorlage «Stadt Laufen – Hochwasserschutz Birs, Ausgabenbewilligung für Realisierungskredit» an den Landrat. Das Parlament hat über ein Budget von 62 Mio. CHF (inklusive Landerwerb und Mehrwertsteuer) zu beschliessen, wobei der Kanton davon knapp 33 Mio. CHF trägt. Die weiteren Kosten entfallen auf den Bund mit gut 18 Mio. CHF, auf die Stadt Laufen (u.a. für die Norimatt- und die Wasserfallbrücke), auf die weiteren Werkeigentümer und Anstösser. Mit dem Entscheid des Landrats dürfte im Sommer 2021 zu rechnen sein.

Realisierung, Bauzeit
Die Auftragsvergabe für die weiteren Arbeiten und die sogenannte Ausführungsplanung, das heisst die Detailplanung von Etappen und Arbeitsschritten, wird nach dem Landratsentscheid etliche Monate in Anspruch nehmen. Der Baubeginn dürfte auf das Jahr 2023 zu liegen kommen. Gesamthaft ist eine Bauzeit von fünf Jahren veranschlagt, die sich auf mehrere Bauetappen verteilen wird

Stand: Juni 2021

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